• The Wall Street Journal

Auf dem Smartphone-Markt sind die fetten Jahre vorbei

    Von JACK HOUGH

Vor einem Jahr besaß nur 1 Prozent der Weltbevölkerung ein Smartphone. In diesem Jahr werden es 27 Prozent sein. Dieser Trend wird sich noch viele Jahre fortsetzen – aber das Absatzwachstum wird bald langsamer werden, wie eine aktuelle Analyse von J.P. Morgan zeigt. In diesem Jahr werden die Verkäufe um 37 Prozent steigen, 2014 nur noch um 17 Prozent.

[image] Stuart Goldenberg for Barron

Das sollte Anlegern zu denken geben. Denn Smartphone-Hersteller waren in den vergangenen fünf Jahren eine sichere Bank für Aktiengewinne. Wer Papiere von Apple besaß, konnte sich über eine Gesamtrendite von 30 Prozent jährlich freuen. Bei Samsung Electronics aus Südkorea waren es 21 Prozent; die Chiphersteller Broadcom und Qualcomm brachten es auf 12 und 11 Prozent. Auch die Mobilfunkanbieter lieferten: Verizon Communications warf jährlich 11 Prozent ab, AT&T lag ganz knapp unter dem Schnitt des S&P 500 von 5 Prozent.

Aber der Kursrutsch von Apple von stolzen 26 Prozent über die vergangenen sechs Monate zeigt, dass selbst florierende Smartphone-Hersteller am Aktienmarkt kein Selbstläufer mehr sind. Gerade im hochpreisigen Segment bekommen die Unternehmen aus zwei Richtungen Gegenwind. Einmal ist die Sättigung in den Märkten, auf denen Leute sich diese Geräte leisten können, bereits sehr hoch. In den USA werden in diesem Jahr 72 Prozent aller Einwohner ein Smartphone besitzen, schätzt J.P. Morgan. Wenn es kaum noch Erstkunden gibt, wird es wichtiger, bestehenden Kunden ein neues Gerät zu verkaufen. Doch hier setzt die zweite Bremse ein. Denn der Druck, sein Handy durch ein Neues zu ersetzen, wird sinken. Die Bildschirmen und die Kameras haben Auflösungen erreicht, die auch anspruchsvolle Käufer zufrieden stellen. Die schnelle Datenverbindung LTE treibt gerade noch die Verkäufe an. Aber da sie auch für Videochats und Film-Streaming ausreicht, könnte der nächste Geschwindigkeitssprung überflüssig werden. NFC-Chips könnten das Telefon irgendwann einmal zur Kreditkarte machen. Aber dafür müssen sich Händler und Bezahlanbieter noch deutlich mehr anstrengen.

Damit bleibt den Smartphone-Herstellern zunehmend nur noch der Ausweg, über den Preis zu argumentieren, was wiederrum die Gewinnmargen drücken wird. An der Wall Street rechnet man damit, dass die operative Gewinnmarge von Apple in den nächsten vier Jahren auf 27 Prozent sinken wird. 2012 waren es noch 35 Prozent. Langfristigen Anlegern dürfte das egal sein. Das Unternehmen sitzt auf einem Berg von Bargeld und wird derzeit mit dem Zehnfachen des erwarteten Gewinns für das laufende Geschäftsjahr gehandelt. Man könnte es sich locker leisten, die aktuell bei 2,3 Prozent liegende Dividendenrendite zu verdoppeln. Aber kurzfristig steht Apple vor der Wahl, mit billigeren Modellen das Wachstum anzuheizen oder im Premiumsektor zu verbleiben, um die Margen aufrecht zu erhalten. „Wir rechnen damit, dass die Gewinnerwartungen sinken werden", sagt William Power, Analyst bei Robert. W. Baird.

Tech-Konzerne stellen Komponenten selbst her

Samsung wird mit dem Achtfachen der Gewinnerwartung gehandelt und stellt viel mehr Smartphones her. Aber die Koreaner machen zwei Drittel ihres operativen Gewinns mit Mobilgeräten. Dank hoher Produktionskapazitäten stellt Samsung viel mehr Komponenten selbst her als Apple. „Sie können die Kosten proaktiv verwalten", sagt George Greig, Anlagestratege bei William Blair. Zudem ist Samsung nicht nur bei hochpreisigen Smartphones präsent, sondern auch bei günstigeren Modellen. Daher sind die Wachstumsperspektiven mittelfristig besser, besonders in Schwellenländern, sagte William Power. Selbst wenn Samsungs Margen nur halb so hoch sind wie bei Apple, sind sie zumindest weniger gefährdet.

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screenshot

Bei den Chipherstellern verkauft Qualcomm Basisbandchips und Prozessoren, darunter auch die lukrativen Komponenten, die in den neusten Smartphones stecken. Broadcom hat sich auf Chips für die Netzwerkverbindung und andere Komponenten für einfachere Handys spezialisiert. Eine Gefahr für die Chiphersteller ist, dass die Techkonzerne mehr Teile selbst fertigen, um Kosten zu sparen. Wenn das passiert, sind die teuren Chips von Qualcomm davon stärker betroffen. Broadcom dagegen hat sich einen Ruf für aggressive Preisgestaltung erworben. Das sollte helfen, Marktanteile zu erobern, wenn die Smartphone-Hersteller zunehmend kostenbewusst werden.

Verizon Communications und AT&T haben jeweils einen hohen Cashflow und üppige Dividendenrenditen. Aber auch sie sind sehr hoch bewertet; Verizon mit dem 16-fachen und AT&T mit dem 14-fachen des erwarteten Gewinns. Vodafone dagegen liegt nur beim Zehnfachen. Die Briten sind stark in Europa vertreten. Dort erholt sich zwar die Wirtschaft nur langsam, aber Smartphones sind derzeit nur halb so verbreitet wie in den USA. Und Vodafone ist zu 45 Prozent an Verizon Wireless beteiligt. Der Markt ignoriert bisher diesen Anteil, wie Hedgefonds-Manager David Einhorn im Januar an seine Anleger schrieb: „Es würde uns nicht überraschen, wenn Verizon Communications Vodafone komplett kauft, um alleiniger Eigentümer von Verizon Wireless zu werden."

Bei den kleineren Unternehmen sollte man nicht auf ein Comeback von Nokia oder Blackberry hoffen. Interessanter ist etwa omnivision, ein führender Hersteller von Kamerachips für Handys. Diese Chips sind so billig, dass der Reiz für die Telefonhersteller gering ist, sie selbst zu fertigen. Und das Umsatzwachstum wird auch in den kommenden Jahren zweistellig sein, denn Kameras aus den hochwertigen Smartphones werden ihren Weg allmählich zu den Billigmodellen finden. Und Omnivision wird nur mit dem zwölffachen des Gewinns gehandelt.

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