• The Wall Street Journal

Hugo Chávez überrascht mit Rückkehr nach Venezuela

    Von EZEQUEIL MINAYA und KEJAL VYAS
Reuters

Die Anhänger von Hugo Chávez feierten am Montag die Rückkehr des Präsidenten nach Venezuela.

CARACAS – Der venezolanische Präsident Hugo Chávez ist am Montag überraschend in sein Heimatland zurückgekehrt. Er hatte sich mehr als zwei Monate wegen einer Krebserkrankung auf Kuba behandeln lassen. Der 58-Jährige, der bis Freitag kein Lebenszeichen von sich gegeben hatte, bereitete seine Rückkehr mit einer Reihe von Twitter-Nachrichten vor. „Wir sind wieder im venezolanischen Vaterland angekommen. Ich danke Gott! Ich danke meinem geliebten Volk! Wir werden meine Behandlung hier fortsetzen."

Chávez dankte dem früheren kubanischen Staatschef Fidel Castro und seinem Bruder Raúl, dem aktuellen Präsidenten der kommunistisch regierten Insel. Darüber hinaus sei er Venezuela „für so viel Liebe" dankbar. Chávez wurde zu einem Militärkrankenhaus in Caracas transportiert, wo er seine Rehabilitation wieder aufnehmen wird, twitterte Wissenschaftsminister Jorge Arreaza, der zugleich Schwiegersohn des Präsidenten ist.

Associated Press

Dieses Foto von Hugo Chávez und seinen Töchtern veröffentlichte die venezolanische Regierung am Freitag.

Die Regierung will sich offiziell später am Montag zum Gesundheitszustand des Präsidenten äußern. Informationsminister Ernesto Villegas rief aber einen landesweiten Jubeltag aus und forderte die Einwohner auf, ihre Unterstützung für den Präsidenten auf der Straße zu zeigen.

Chávez machte seine Erkrankung erstmals im Juni 2011 öffentlich. Es ist aber nicht bekannt, welche Krebsart ihn zu insgesamt vier Operationen zwang. Während des jüngsten Eingriffs am 11. Dezember kam es zu starken Blutungen. Seine Erholung wurde zudem durch eine Atemwegserkrankung verzögert. Die Regierung hat zahlreiche Erklärungen zu seiner Gesundheit abgegeben, die mal zuversichtlich, mal besorgt klangen. Kritiker beschwerten sich, dass der exakte Zustand von Chávez stets unklar blieb.

Oppositionsführer Henrique Capriles erklärte am frühen Montagmorgen, er hoffe, die Rückkehr von Chávez werde „etwas Vernunft in diese Regierung zurückbringen". Capriles hatte unlängst die Kritik an der Geheimniskrämerei und der Amtsführung der Chávez-Vertrauten verstärkt. „Lasst uns hoffen, dass die Rückkehr des Präsidenten bedeutet, dass Vizepräsident Maduro und die Minister wieder an die Arbeit gehen. Es gibt tausende Probleme, die gelöst werden müssen", sagte er.

Am Freitag veröffentlichten die venezolanischen Behörden erstmals seit Dezember wieder Bilder von Chávez. Sie zeigen den liegenden Präsidenten lächelnd mit zwei seiner Töchter. Er habe aber wegen einem Tubus in der Luftröhre noch Schwierigkeiten zu sprechen: Dieser solle ihm das Atmen erleichtern.

Abzuwarten bleibt, ob und wann Chávez seinen Platz in der Regierung wieder einnehmen wird. Vor seiner Erkrankung regierte er Venezuela im Alleingang. Bei seiner Abreise nach Kuba hatte er seinen Stellvertreter Nicholas Maduro zum Nachfolger ernannt.

Die unsichere Lage wurde verstärkt, weil Chávez nicht zu seiner Amtseinführung am 10. Januar erscheinen konnte. Aus der Regierung hieß es aber immer wieder, der Präsident erfülle seine Pflichten, soweit es ihm der Regenerationsprozess erlaube. Der Nationalkongress hatte ihm eine unbefristete Abwesenheit bewilligt. Wenn Chávez sein Amt aufgeben muss, sieht die Verfassung vor, dass innerhalb von 30 Tagen ein Nachfolger gewählt wird.

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