• The Wall Street Journal

Gold könnte der Gewinner im Währungskrieg sein

    Von MYRA P. SAEFONG

In den zurückliegenden Monaten hat Gold den Anlegern wenig Freude gemacht. Im Vergleich zu Aktien war die Performance des Edelmetalls mager. Einflussreiche Investoren wie George Soros verloren die Geduld und stießen Goldbestände im großen Umfang ab. Sie könnten sich geirrt haben. Denn mit der Gefahr eines Währungskriegs könnte Gold als sicherer Hafen schon bald eine Renaissance erleben.

Agence France-Presse/Getty Images

Gold wird in Zeiten eines Währungskriegs für Anleger wieder attraktiver.

Von einem Währungskrieg spricht man, wenn Länder darin wetteifern, die jeweils eigene Währung zu schwächen, um sich auf dem Weltmarkt Vorteile zu verschaffen. Eine schwache Währung verbilligt Exporte für ausländische Abnehmer. Importe werden dagegen teurer und weniger attraktiv für inländische Abnehmer, die im Gegenzug auf heimische Produkte ausweichen könnten. Ein Beispiel dafür ist die Schweizerische Nationalbank, die es sich zum Ziel gesetzt hat, den Euro nicht unter 1,20 Schweizer Franken fallen zu lassen und deshalb seit Herbst 2011 immer wieder Euro gegen Franken kauft.

Währungen können aber auch ohne direkte Intervention am Devisenmarkt geschwächt werden, nämlich über eine lockere Geldpolitik, wie sie Japan verfolgt, um die heimische Wirtschaft anzukurbeln. Wegen der Niedrigzinspolitik der japanischen Notenbank legen japanische Anleger ihr Geld lieber im Ausland an, wo höhere Renditen winken. Zum Beispiel in der Eurozone. Der Kauf ausländischer Währungen gegen Yen lässt die japanische Währung abwerten

Institutionelle Anleger positionieren sich bereits

Derartigen Wechselkursmanipulationen haben die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer auf ihrem Gipfel in Moskau am Wochenende zwar formal eine Absage erteilt und ihr Bekenntnis zu marktbasierten Wechselkursen bekräftigt, doch sind einige Analysten davon überzeugt, dass der Währungskrieg längst begonnen hat.

Nach Meinung von Jeff Sica, Chef von Sica Wealth Management, tobt dieser Krieg schon mindestens seit 2010. Da die Notenbanken eine „Politik der gegenseitig zugesicherten Zerstörung durch die Vernichtung von Fiatgeld" verfolgten, sei Gold die beste Anlageklasse, sagt Sica.

Ähnlich sieht das auch Kathy Lien, geschäftsführende Direktorin von BK Asset Management. Der Währungskrieg sei schon geraume Zeit im Gange, sagt sie. Weltweit schwächten Notenbanken ihre Währungen über geldpolitische Lockerungen oder Interventionen an den Devisenmärkten. Das müsse aber nicht zwingend in eine blutige Schlacht ausarten. Schließlich könne man fast jeder Zentralbank vorwerfen, dass sie ihre Währung abwerte. Aber keine wolle, dass man mit dem Finger auf sie zeige. Politiker und Notenbanker bemühten sich, das Thema Währungskrieg klein zu reden. Sie wüssten nämlich, dass es in einem solchen Krieg keine Gewinner geben könne. Außer Gold.

Wenn sich der Abwertungswettlauf verschärfe, würden die Anleger in Scharen Zuflucht im Gold suchen, prognostiziert Kathy Lien. Einige institutionelle Anleger positionierten sich bereits entsprechend, berichtet David Beahm, Vice President der auf Edelmetalle spezialisierten Investmentfirma Blanchard. Auch viele Zentralbanken legten verstärkt Teile ihrer Devisenreserven in Gold an. Diese Notenbanken reagierten damit auf die Bemühungen der USA und Europas, ihre Währungen zu schwächen. Privatanleger dürften ebenfalls bald auf diesen Zug aufspringen, wenn ihnen klar werde, dass sie mit Gold ihr Portfolio schützen und ihr Vermögen erhalten könnten.

Video auf WSJ.com

Failure by the G-20 to take a more aggressive stance on monetary easing could help intensify currency wars. Heard on The Street's Simon Nixon looks at the consequences for inflation and the global economy. Photo: Getty Images

Zuletzt überwog bei den Anlegern aber eher Skepsis, was Gold anbetrifft. Am Freitag wurde bekannt, dass Investor George Soros schon im vierten Quartal 2012 seine Positionen auf einen steigenden Preis für das Edelmetall halbiert hatte. Der verbliebene Anteil hat nun nur noch einen Wert von 97,2 Millionen Dollar. In der Folge rutschte der Goldpreis erstmals seit dem 15. August 2012 wieder unter die Marke von 1.600 Dollar je Feinunze. Ferner verkaufte die Moore Capital Management von Louis Bacon ihre gesamte Beteiligung an dem Fonds SPDR Gold Trust und verringerte den Anteil am Sprott Physical Gold Trust.

Zwar gibt es noch andere Großinvestoren, die sich im Gold engagieren – und die derzeit mehr Vertrauen in das Edelmetall haben. So verfügt John Paulson weiterhin über eine Anlage im Wert von 3,5 Milliarden Dollar in Gold. Der Goldpreis erholt sich aber nur langsam von dem Kursrutsch am Freitag. Die Feinunze notiert bei 1.611 Dollar.

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