• The Wall Street Journal

Renminbi steigt im Schatten des sinkenden Yen

    Von TOM ORLIK
Agence France-Presse/Getty Images

Chinas Zentralbank hat den Renminbi aufgewertet.

Während es mit dem japanischen Yen auf den weltweiten Devisenmärkten weiter nach unten geht, entwickelt sich der chinesische Renminbi in die entgegengesetzte Richtung. Seit Anfang Oktober hat der Yen zum US-Dollar rund 17 Prozent an Wert verloren. Die chinesische Währung gewinnt unterdessen an Boden: Die Zentralbank hat sie im gleichen Zeitraum zum Dollar um 1 Prozent aufgewertet.

Das mag nicht viel erscheinen. Aber nachdem der Renminbi 2012 zumeist abgewertet hatte, ist dies ein bemerkenswerter Richtungswechsel. In der Entwicklung spiegelt sich eine Reihe von Faktoren. Zum einen treibt die aggressive, lockere Geldpolitik der Notenbanken in den USA, Japan und Europa die Rohstoffpreise nach oben. So notiert das Barrel Brent-Öl inzwischen bei 117 Dollar nach 89 Dollar im vergangenen Juni. Zum anderen dämpft ein festerer Renminbi den Inflationsdruck durch günstigere Importwaren.

Schwacher Yen ärgert China kaum

Zudem läuft Chinas Handelsbilanz langsam wieder aus dem Ruder. Nachdem der Handelsüberschuss drei Jahre lang rückläufig war, ist er 2012 wieder um 50 Prozent auf 231 Milliarden Dollar gestiegen. Das schwächt auch Chinas Argument, dass seine Währung mehr oder weniger fair bewertet sei.

Schließlich ist auch der Druck, den der schwächere Yen auf die chinesischen Exporteure ausübt, vergleichsweise gering. Beide kommen sich kaum in die Quere, weil sich Japan auf hochentwickelte Produkte konzentriert, während China – trotz der Fortschritte in den vergangenen Jahren – weiterhin vor allem im Billigsegment operiert. Da China viele Komponenten aus Japan importiert, stellt sich ein schwächerer Yen in vielerlei Hinsicht sogar als Vorteil heraus.

All dies hat die Erwartung verstärkt, dass der Renminbi auch in der nächsten Zeit weiter aufwertet. Stephen Green, China-Volkswirt bei Standard Chartered, erwartet zum Jahresende einen Wechselkurs des Dollar von rund 6,10 Yuan, womit die chinesische Währung rund 2,5 Prozent fester notieren würde als zu Jahresbeginn.

Ein Unsicherheitsfaktor ist lediglich die US-Politik. Wenn die Federal Reserve ihre lockere Geldpolitik früher als erwartet beenden sollte, könnte dies den Dollar antreiben und den Renminbi bremsen. Aber wenn die geldpolitischen Bedingungen so entspannt bleiben wie derzeit, dürfte es für den Renminbi in diesem Jahr nach oben gehen.

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