• The Wall Street Journal

Danone-Aktie gewinnt dank Asien-Geschäft

    Von CHRISTINE BENDERS-RÜGER

Der französische Nahrungsmittelkonzern Danone leidet zwar unter der schleppenden Nachfrage aus Südeuropa, kann dies aber mit den Wachstumsmärkten in Asien mehr als ausgleichen. Im vergangenen Jahr knackten die Franzosen erstmalig beim Umsatz die 20-Milliarden-Schwelle. Die operativen Marge ist wegen höherer Kosten zwar rückläufig, entspricht aber der Zielvorgabe der Franzosen. Das laufende Jahr wird nach Aussage des Danone-Chefs ein Übergangsjahr, danach soll es mit der Profitabilität wieder aufwärts gehen. Der Aktienkurs gewinnt im Vormittagshandel 4,8 Prozent.

Wegen der Nachfrageschwäche in Europa kündigte Danone zusammen mit den Geschäftsergebnisse einen Stellenabbau an. In den kommenden zwei Jahren streichen die Franzosen rund 900 Arbeitsplätze in Europa. Die europäische Schuldenkrise macht den Nahrungsmittelkonzernen derzeit zu schaffen. Die Verbraucher geben weniger Geld aus, vor allem in Südeuropa greifen sie zu preisgünstigeren Produkten. Im Sommer musste Danone, zu deren Produktportfolio auch Mineralwassermarken wie Evian und Volvic sowie Kindernahrung von Milupa gehören, eine Gewinnwarnung aussprechen. Im Dezember legte der Konzern dann ein Sparprogramm auf.

dapd

Das Europa-Geschäft von Danone schwächelt - also bauen die Franzosen Jobs ab.

Arbeitsplätze fallen nun in der Verwaltung und bei den Führungskräften in insgesamt 26 europäischen Ländern weg. Damit sollen unter anderem die bereits angekündigten jährlichen Einsparungen von 200 Millionen Euro erreicht werden. Danone-Chef Franck Riboud kündigte an, dass 2013 ein "Jahr des Übergangs" werden soll mit einer Stärkung der europäischen Aktivitäten. Die Geschäftsentwicklung in den Wachstumsmärkten dürfte dynamisch bleiben. Für 2014 kündigte der Manager profitables Wachstum an. Im Zuge der Neuausrichtung setzt er jetzt unter anderem auf regionale Einheiten statt auf länderspezifische Managementstrukturen. Seine Pläne will er noch am Dienstag den Arbeitnehmervertretern präsentieren.

Im vergangenen Jahr erreichte Danone einen Rekordumsatz von 20,87 Milliarden Euro, das waren bereinigt 5,4 Prozent mehr als im Vorjahr. In Europa fiel der Umsatz im Zwölfmonatszeitraum ohne die Wachstumsmärkte Russland und Osteuropa um 3 Prozent auf 8,53 Milliarden Euro und schmälerte die Profitabilität des Konzerns damit deutlich. Die operative Gewinnmarge fiel auf 14,18 von 14,72 Prozent und liegt damit in dem von Danone erwarteten Zielkorridor. Die geringeren Verkäufe besonders in Südeuropa haben auf die Marge durchgeschlagen und konnten durch eine höhere Profitabilität in anderen Märkten nicht aufgefangen werden. Als erschwerend bezeichneten die Franzosen auch die höheren Rohstoffpreise besonders bei Milch, Zucker und Früchten.

Für das laufende Jahr stellte der Manager weiteren Margendruck in Aussicht. So dürfte die operative Marge 2013 zwischen 30 und 50 Basispunkte fallen. Beim Konzernumsatz sieht er wegen der Dynamik in Asien ein Plus von "mindestens" 5 Prozent über Vorjahr. Ein Marktteilnehmer sagte, die Prognose einer um 30 bis 50 Basispunkte rückläufigen operativen Marge sei erfreulich, hier würden viele Analysten eher bei 45 bis 50 Basispunkten liegen.

In Asien erreichten die Franzosen unverändert ein Umsatzwachstum im prozentual zweistelligen Bereich. Nach Produktlinien setzte Danone im vergangenen Jahr am meisten mit Milchprodukten wie Joghurt oder Säften um, alleine die Geschäftssparte Fresh Diary Products erreichte einen Umsatz von 11,68 Milliarden Euro. Das stärkste Umsatzwachstum konnte die Sparte Babynahrung erzielen, hier legte der Umsatz bereinigt um 12 Prozent zu, während der Absatz um 6 Prozent über dem des Vorjahres lag. Besonders auf dem asiatischen Markt wird die Babymilch der europäischen Hersteller stark nachgefragt.

Im vierten Quartal wies Danone ein organisches Umsatzwachstum von 4,9 Prozent aus, während Analysten nur 3,7 Prozent erwartet hatten. Dabei ging der bereinigte Erlös in Europa um 2,3 Prozent zurück, während die rege Nachfrage in Asien für ein Plus von 15,1 Prozent sorgte.

Der Wettbewerber Nestle leidet zwar ebenso wie Danone unter der Schwäche in Südeuropa, macht aber dank seiner Babynahrung und dem Kaffee Nespresso auch blendende Geschäfte und ist dabei etwas profitabler als die Franzosen. Die Verkaufserlöse beliefen sich bei Nestle auf 92,2 Milliarden Schweizer Franken. Die operative Gewinnmarge lag bei 15,2 Prozent und verbesserte sich gegenüber dem Vorjahr.

Nestle hatte bereits in der Vergangenheit bei Produktion und Vertrieb auf die Kostenbremse getreten, was sich mit der regen Nachfrage nun in der Profitabilität auszahlt. Der Konzernumsatz stieg 2012 um über 10 Prozent und sowohl die Kosten der verkauften Produkte als auch die Vertriebskosten gingen dabei deutlich zurück. Zudem haben die Schweizer im Rahmen ihres Kostensenkungsprogramms über 1,5 Milliarden Franken gespart.

Insgesamt wuchs Nestle aus eigener Kraft um 5,9 Prozent, wobei ein Umsatzplus von 2,8 Prozent auf höhere Preise zurückzuführen ist. Die Schweizer wiesen ein starkes Wachstum im Geschäft mit Wasser und bei Nestle Nutrition aus. Hier bündeln die Schweizer Babynahrung und Produkte zur Gewichtssenkung.

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