• The Wall Street Journal

Luxusleben in Tokio

    Von ELEANOR WARNOCK

Im Luxushochhaus "ARK Hills Sengokuyama" in der Innenstadt von Tokio finden Mieter und Immobilienkäufer keine typisch japanischen Wohnungen: Die Wohnzimmer sind größer als in Japan üblich, so wie es Amerikaner und Europäer gewohnt sind. Die Angestellten am Empfang sprechen sowohl Japanisch als auch Englisch. Im Erdgeschoss sind vornehme Restaurants, ein Café, ein kleiner Supermarkt und ein Kindergarten zu finden.

Jérémie Souteyrat/Wall Street Journal

Blick aus einer Wohnung im 23. Stock: Die Bauunternehmen gehen vor allem auf ausländische Käufer ein.

So sehen die meisten Wohnhäuser von Mori Building aus, einem der größten Bauunternehmen Japans. Das Unternehmen hat bereits 23 solcher Häuser in Tokio gebaut. Mitgründer Minoru Mori hat einige der höchsten Wolkenkratzer der Stadt errichtet, darunter Roppongi Hills und ARK Hills. Die Firma hat sich auf Gebäude spezialisiert, in denen es Büros, Verkaufsflächen und Luxusapartments gibt. Zu den Mietern gehören Barclays Securities, Ferrari und Google .

Doch Mori Building bekommt Konkurrenz: Firmen wie Mitsui Fudosan, Mitsubishi Estate und Sumitomo Realty & Development bauen selbst solche Hochhäuser in Tokio, und auch sie gehen vor allem auf ausländische Käufer ein.

Was Mori einzigartig macht, ist das große Netzwerk, das für Käufer zur Attraktivität beitragen kann: Eine Wohnung im Sengokuyama, zehn Minuten Fußweg von der amerikanischen Botschaft entfernt, umfasst auch eine Mitgliedschaft bei einem exklusiven Club. Außerdem erhalten die Mieter eine gravierte Flasche Champagner mit jedem Einkauf beim Juwelier Harry Winston, der in einem Gebäude von Mori Building angesiedelt ist.

So wohnen reiche Ausländer in Tokio

Bewohner können außerdem an kulturellen Veranstaltungen und Kochkursen teilnehmen, die von Mori organisiert werden. Bei einer Halloween-Veranstaltung zum Beispiel lernten die Teilnehmer, verschiedene Kürbisgerichte zuzubereiten. Kursleiter war der Koch eines Fünf-Sterne-Restaurants im Grand Hyatt Tokio, das im Roppongi-Hills-Komplex von Mori zu finden ist. Außerdem können die Bewohner der Mori-Apartments alle fünf Wellness-Einrichtungen und Fitness-Studios nutzen, die in verschiedenen Mori-Immobilien in Tokio angesiedelt sind.

Die Tokioter Geschäftsfrau Yumiko Kawaguchi, 45, mietet seit 2003 Wohnungen in den Mori-Gebäuden. Als sie sich entschied, eine Wohnung zu kaufen, fiel die Wahl schnell auf das Sengokuyama. Dort gibt es drei Meter hohe Decken, ein eigenes Wellness-Zentrum und einen freien Blick auf den hell angestrahlten Tokyo Tower.

Doch überzeugt habe sie am Ende vor allem das aufmerksame Personal, sagt Kawaguchi. Die Mitarbeiter erfragen zum Beispiel, wann sie auf Reisen ist, um sie in Notfällen benachrichtigen zu können. Einmal sei das gesamte Gebäude desinfiziert worden, als sie ein einziges Insekt in ihrer Wohnung gefunden habe. Kawaguchi hat eine Drei-Zimmer-Wohnung im Sengokuyama gekauft und zieht Ende Februar dort ein.

Den Preis wollte sie nicht nennen. Die Mieten in dem Gebäude reichen von 2.900 Dollar pro Monat für eine Ein-Zimmer-Wohnung bis hin zu 27.000 Dollar für fünf Zimmer. Kaufen kann man die Wohnungen ab 715.000 Dollar für eine Ein-Zimmer-Wohnung. Die teuerste Einheit, eine Wohnung mit fünf Schlafzimmern, drei Bädern und einer Fläche von fast 420 Quadratmetern, wurde kürzlich für 14,6 Millionen Dollar verkauft.

Markt für Luxuswohnungen in Tokio leidet

Der Tokioter Markt für Luxuswohnungen hat unter der schwachen Weltwirtschaft, der Kreditkrise und dem steigenden Yen sehr gelitten. Seit Anfang 2008 sind die Mieten in dem Bezirk, wo Mori die meisten seiner Immobilien gebaut hat, um 25 Prozent gefallen, zeigen Daten des Immobilienbüros Ken.

Trotzdem ist Tokio für Ausländer noch die teuerste Stadt der Welt, berichtet die Personalberatungsfirma Mercer. Immobilienanalysten glauben außerdem, dass der Markt mittlerweile seinen Tiefpunkt erreicht hat. Die Anzahl der wohlhabenden Amerikaner und Europäer in Tokio ist zwar gesunken. Doch es gebe auch Interessenten aus asiatischen Schwellenländern, berichtet Hideto Oba, der für Mori Building im Bereich Wohnimmobilien arbeitet. Sie wollen in hochkarätige Immobilien investieren, finden zu Hause jedoch keine passenden Objekte.

Kunden aus Ländern wie Indonesien und Taiwan hätten Immobilien gekauft und diese als zweiten Wohnsitz genutzt, oder sie ließen dort ihre Kinder wohnen, die in Tokio zur Schule gehen, sagt Oba. Günstige Kredite und niedrige Hürden für ausländische Immobilienkäufer seien weitere Pluspunkte.

Die Wohnungen im Sengokuyama sind in der unteren Hälfte des 47-stöckigen Gebäudes zu finden. Die Bewohner haben dadurch einen Blick über die gut 20.000 Quadratmeter große Anlage, wo auch ein Garten zu finden ist, der besonders kleine, heimische Vögel wie Spechte und Drosseln anziehen soll. Die Büroflächen sind wiederum oberhalb des 24. Stockwerks angesiedelt.

Das Sengokuyama liegt in der Nähe von zwei U-Bahn-Stationen und 15 Minuten im Taxi vom Tokioter Bahnhof entfernt. Von dort aus dauert es etwa eine Stunde im Zug bis zum internationalen Flughafen Narita.

Wer so viel Zeit nicht hat, kann im Helikopter zum Flughafen fliegen: Mori Building hat einen Vertrag mit einer Charter-Firma, die die Kunden von einem nahegelegenen Hubschrauberlandeplatz auf einem Mori-Gebäude abholt.

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