• The Wall Street Journal

Tui will britische Tochter doch nicht übernehmen

    Von KIRSTEN BIENK

Eine Fusion von Europas Reiseriese Tui mit seiner britischen Tochter ist vom Tisch - vorerst jedenfalls. Der Hannoveraner Konzern will gegenwärtig kein Angebot für Tui Travel machen, er befürchtet bei einem Zusammenschluss Nachteile für die eigenen Aktionäre. Mit dieser Absage verabschiedet sich Tui aber nicht von dem Ziel, die Strukturen des Konzern zu vereinfachen - das bleibt ein Dauerbrenner.

Der Rückzieher von Tui am Mittwoch kam überraschend, denn eigentlich hätte das Unternehmen noch bis zum 13. Februar Zeit gehabt, eine Entscheidung über eine Offerte zu treffen. Der MDAX-Konzern reagierte damit auf das ebenfalls überraschende Vorpreschen der Tochter wenige Tage zuvor. Am 16. Januar hatte Tui Travel mitgeteilt, dass die Tui AG Gespräche über eine Veränderung der Strukturen angeboten hätte und diese möglicherweise zu einem Zusammenschluss führen könnten. Die Briten hatten aber einschränkend gesagt, dass diese Gespräche in einem sehr frühen Stadium seien und es nicht sicher sei, ob am Ende eine Fusion herauskommt.

dapd

Der deutsche Reiseveranstalter Tui will seine britische Tochter doch nicht komplett übernehmen. Die Briten von Tui Travel hatten von Gesprächen über eine Fusion berichtet - doch die deutsche Mutter ist nicht interessiert.

Diesen Zusammenschluss wird es nun erst einmal nicht geben - jedenfalls nicht in den kommenden sechs Monaten. Denn laut dem britischen Börsenrecht ist es der Tui AG verboten, der Tochter in den nächsten sechs Monaten einen neuen Vorschlag für einen Zusammenschluss zu unterbreiten. Erst danach könnte die nächste Offerte erfolgen. Hinter den Kulissen dürfte der Tui-Vorstand aber weiter darüber nachdenken, wie er den Konzern künftig besser aufstellen kann.

Gescheitert sind die Fusionsverhandlungen am hohen Marktwert von Tui Travel, der über dem der Mutter liegt. Tui und Tui Travel konnten sich nicht auf eine Bewertung ihrer Aktien und ein entsprechendes Austauschverhältnis für die geplante Fusion einigen. Die Aktionäre der AG hätten dabei nach Einschätzung des Vorstands den Kürzeren gezogen - Grund genug für die Hannoveraner, den Deal zu stoppen.

Im Markt gibt es schon lange Gerüchte, dass Mutter und Tochter enger aneinander rücken könnten. Dabei wurde meistens spekuliert, dass die deutsche Mutter die restlichen Anteile der britischen Tochter kauft. Im Moment hält die Tui AG gut 55 Prozent an der britischen plc.

Seltener hieß es, dass die Tochter die Mutter übernehmen könnte. Mitte Januar kamen diese Gerüchte dann aber wieder ans Tageslicht und veranlassten Tui Travel zu einem Dementi. In diesem Zusammenhang teilte das Unternehmen dann aber auch gleich mit, dass es Gespräche über eine Fusion gibt.

Daraufhin gingen die Kurse in die Höhe. Die Tui-Travel-Aktie reagierte mit einem Sprung von 8 Prozent. Das Unternehmen wurde mit 3,3 Milliarden Britischen Pfund bewertet, das sind umgerechnet gut 3,9 Milliarden Euro. Aktien der Tui AG kletterten um gut 6 Prozent. Der deutsche MDAX-Konzern kam auf einen Wert von knapp 2 Milliarden Euro. Nach der Absage der Fusion gingen die Kurse wieder nach unten.

Kontakt zum Autor: kirsten.bienk@dowjones.com

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