• The Wall Street Journal

Bosch muss sparen

    Von NICO SCHMIDT
dapd

Fertigungshalle von Bosch in Eisenach.

STUTTGART - Die Konjunkturflaute und die Krise in der Solarindustrie machen dem weltgrößten Autozulieferer und Technologiekonzern Bosch schwer zu schaffen. Ihre Umsatzvorgabe für das vergangene Jahr verpassten die Stuttgarter. Auch das langfristige Renditeziel wurde deutlich verfehlt. Nun will der Traditionskonzern unter dem neuen Vorstandschef Volkmar Denner stärker auf die Kosten schauen und sich flexibler aufstellen.

Die Entwicklung im vergangenen Jahr sei nicht zufriedenstellend gewesen, sagte Unternehmenslenker Denner im Robert-Bosch-Haus, dem ehemaligen Wohnsitz des Firmengründers. Der Umsatz der Schwaben legte vorläufigen Berechnungen zufolge 2012 um gerade einmal 1,6 Prozent auf 52,3 Milliarden Euro zu, obwohl sich die wichtigsten Absatzmärkte besser entwickelten. Von jedem eingenommenen Euro blieben operativ - also vor Zinsen und Steuern - nur rund 2 Cent als Gewinn hängen.

Umsatzziel deutlich verfehlt

Bereits Ende 2012 hatte der seit rund einem halben Jahr amtierende Bosch-Chef mit Blick auf die weltweit schwache Konjunkturentwicklung gewarnt, dass der anvisierte Umsatzanstieg im vergangenen Jahr schmaler ausgefallen sein dürfte als ursprünglich für möglich gehalten. Hatten die Stuttgarter zu Jahresbeginn für 2012 noch einen Umsatzanstieg von drei bis fünf Prozent anvisiert, bremste der Nachfolger von Franz Fehrenbach die Erwartungen und stellte ein Plus lediglich am unteren Ende des anvisierten Zielkorridors in Aussicht. Selbst dieses wurde nun deutlich verfehlt.

Das langfristige Renditeziel von 8 Prozent hatte seinerzeit schon Fehrenbach, der heute dem Bosch-Aufsichtsrat vorsitzt, für unerreichbar erklärt. 2011 setzten die Schwaben mit gut 300.000 Mitarbeitern 51,5 Milliarden Euro um - das war noch ein Plus von fast einem Zehntel - und schafften mit 5 Prozent noch eine höhere Marge als 2012. "Die sich abkühlende weltweite Konjunktur hat die Wachstumsdynamik der Bosch-Gruppe 2012 gebremst", gestand Denner ein.

Bosch hat auf falsches Pferd gesetzt

Doch auch 2011 hatte die Profitabilität bereits gelitten. Ursächlich für den Renditeschwund um seinerzeit rund 2 Prozentpunkte waren neben hohen Rostoffkosten und ungünstigen Wechselkursen auch horrende Investitionen in Zukunftstechnologien wie alternative Energien gewesen.

Bosch ist einer der weltweit größten Zulieferer für die Auto- und Lkw-Branche. In der tiefen Finanz- und Wirtschaftskrise hatte das schwankungsanfällige Geschäft mit Fahrzeugherstellern den Schwaben 2009 die Bilanz verhagelt, so dass damals der erste Verlust in der Nachkriegsgeschichte geschrieben wurde. Um sich unabhängiger von der Autoindustrie zu machen, investierte Bosch unter der Führung Fehrenbachs seinerzeit massiv in den Ausbau des Geschäfts mit regenerativen Energien.

Vor allem in den Solarbereich flossen Milliarden. Unter anderem kaufte Bosch den Modulhersteller Aleo Solar und den einst börsennotierten Wafer- und Zellenproduzenten Ersol. Das große Ziel Fehrenbachs war es, die gesamte solare Wertschöpfungskette abzudecken. In dem Bereich beschäftigt Bosch mittlerweile insgesamt rund 3.200 Mitarbeiter.

Die Rechnung ging jedoch nicht auf - zumindest bisher. Rapide sinkende Preise, enorme Überkapazitäten und deshalb notwendig gewordene aber teure Werkschließungen in Spanien und China machten das Solargeschäft zu einem Verlustbringer. Alleine 2012 summierten sich die Folgen der schwachen Umsatzentwicklung im Photovoltaikgeschäft, der Abschreibungen auf den Bereich und der operativen Verluste auf rund 1 Milliarde Euro. Seit dem Einstieg in das Geschäft stehen Belastungen von insgesamt rund 2 Milliarden Euro zu Buche.

Und eine Erholung des krisengebeutelten Solargeschäfts ist nicht in Sicht. Wie es nun mit dem Geschäftsbereich weitergehen wird, bleibt deshalb unklar. Man arbeite "intensiv" und "mit Hochdruck" an einer Lösung, sagte Denner. "Alle Optionen" würden geprüft. Allerdings gehe Gründlichkeit vor Schnelligkeit.

Eigentlich hatte Bosch noch im vergangenen Jahr eine Entscheidung über die Zukunft der Solarsparte fällen wollen, diese jedoch kurz vor dem Jahreswechsel verschoben. Die Führungsmannschaft des Traditionskonzerns hatte in den vergangenen Monaten allerdings bereits mehrfach klargestellt, dass es keine dauerhafte Quersubventionierung geben wird.

Denner erwartet einen verhaltenen Start ins neue Jahr

Mit Blick auf die Erwartungen für das neue Jahr blieb Denner vage. Von der Konjunktur sei kein größerer Rückenwind zu erwarten, sagte er. Die Weltwirtschaft werde wohl um 2,8 Prozent wachsen, nach einem Plus von 2,5 Prozent im vergangenen Jahr. "Im Vergleich zum Vorjahr ist (für Bosch) ein etwas besseres, aber kein starkes Umsatzwachstum und eine deutliche Ergebnisverbesserung zu erwarten", stellte er in Aussicht. Der Start ins neue Jahr werde wohl eher verhalten sein; eine Belebung werde erst im zweiten Halbjahr zu spüren sein. Das langfristige Ziel eines Erlöszuwachses von 8 Prozent werde allerdings voraussichtlich trotzdem verfehlt.

Um das Wachstum aus eigener Kraft zu finanzieren, sei es weiter das Ziel, eine Rendite vor Zinsen und Steuern von 8 Prozent zu schaffen, bekräftigte Denner. Deshalb sei Bosch fest entschlossen, die "unbefriedigende Ertragsentwicklung zu stoppen". Aus diesem Grund werde das Unternehmen sehr genau auf die Fixkosten achten und rigide bei Investitionen und möglichen Zukäufen vorgehen. "Die Arbeit an Kosten und Prozessen ist die vordringliche Aufgabe für 2013", sagte Denner. Im volatileren Marktumfeld sei es künftig zunehmend wichtiger, das Unternehmen agiler aufzustellen, um schnell auf neue Entwicklungen reagieren zu können.

Grundsätzlich sieht Denner sein Unternehmen trotzdem gut aufgestellt. "Unsere Strategie in den vergangenen Jahren war es, uns systematisch an den Megatrends Klimaschutz, ökologische Nachhaltigkeit, Globalisierung, Vernetzung und demografischer Wandel auszurichten". Dies sei der richtige Weg gewesen. Gleichzeitig habe Bosch allerdings feststellen müssen, dass zusehends auch unvorhergesehene Ereignisse Einfluss hätten. In solchen Fällen sei es notwendig, Kurskorrekturen vorzunehmen, sagte Denner mit Blick vor allem auf die Solarsparte. "Unsere grundsätzliche Ausrichtung ändert sich dadurch aber nicht".

Kontakt zum Autor: nico.schmidt@dowjones.com

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