• The Wall Street Journal

Microsoft schielt auf Einstieg bei Dell

    Von ANUPREETA DAS, SHIRA OVIDE und BEN WORTHEN

Die Spekulationen über die Zukunft des einstigen PC-Platzhirschen Dell haben neue Nahrung bekommen. Mit dem Software-Giganten Microsoft ist ein neuer Name ins Spiel gekommen. Der Hersteller des Windows-Betriebssystems will sich angeblich an dem geplanten Buyout von Dell beteiligen. Microsoft sei in den vergangenen Tagen in die Gespräche mit Dell-Gründer Michael Dell und der Beteiligungsgesellschaft Silver Lake über einen Buyout eingestiegen, sagten mit den Überlegungen vertraute Personen.

Sollte sich der Software-Riese tatsächlich daran beteiligen, die Dell-Aktionäre aus dem Unternehmen herauszukaufen, würde Microsoft dafür vermutlich um die zwei Milliarden US-Dollar oder sogar mehr in die Hand nehmen, sagte eine mit den Gesprächen vertraute Person. Damit würde Microsoft einen bedeutenden Anteil an dem dann nicht mehr börsengelisteten Unternehmen halten. Bislang wollten sich weder Microsoft noch Dell zu diesen Informationen äußern.

Eine solche Investition könnte für Microsoft durchaus sinnvoll sein. Dell ist einer der größten Hersteller von PC, auf denen Microsofts Betriebssystem Windows verwendet wird. Der Software-Konzern hat schon häufiger Geld in diverse Kooperationen mit Technologieunternehmen gesteckt, wenn er sich davon strategische Vorteile versprochen hat.

dapd

Kisten mit Dell-Computern - Microsoft wird als potentieller Investor in das strauchelnde Unternehmen gehandelt.

Im Jahr 2011 beispielsweise hatte Microsoft viel Geld in die Hand genommen, um Windows Phone, sein Windows-Betriebssystems für Mobiltelefone, auf Nokia -Smartphones zu bekommen. Finanziell gesehen wäre eine Beteiligung an Dell für Microsoft ein Klacks. Der US-Konzern hatte zum 30. September mehr als 66,6 Milliarden Dollar auf der hohen Kante. Allerdings liegt viel davon im Ausland.

Einen Teil dieses Geldes könnte Microsoft durch eine Beteiligung an Dell jedoch heimholen, ohne dafür Steuern zahlen zu müssen. Auslandstöchter von US-Firmen können nämlich steuerfrei in US-Unternehmen investieren, solange sie sich dabei nicht mit einem Anteil von mehr als 25 Prozent in das Zielobjekt einkaufen.

Eine Teilnahme an einem potentiellen Dell-Buyout würde der Investitionsstrategie von Microsoft auch anderweitig entgegenkommen, erklärten Personen, die mit den Gedankengängen des Software-Konzerns vertraut sind. Denn Microsoft bevorzuge strategische Partnerschaften oder Beteiligungen gegenüber einer riskanteren Komplettübernahme. Dennoch könne der Software-Gigant auf diese Weise Einfluss auf den Einsatz seiner Produkte bei diesen Unternehmen sowie deren Strategie nehmen.

Eine Beteiligung von Microsoft an Dell birgt aber auch Risiken: Andere Computer-Hersteller könnten sich von Microsoft benachteiligt fühlen und sich als Reaktion auf die Seite von Google schlagen und künftig auf die Firmen-Software des Internet-Konzerns setzen. Befürworter eines Dell-Einstiegs argumentieren dagegen, Microsoft würde dadurch einem Verbündeten den Rücken stärken und könnte zudem Einfluss auf dessen Geschäftsstrategie nehmen.

Die Buyout-Gerüchte waren erstmals vor anderthalb Wochen aufgekommen. Am Ende könnte die Aktie des Computerkonzerns von der Börse genommen werden, hatten informierte Personen damals gesagt. Der Aktienkurs sei dermaßen abgestürzt, dass ein solcher Schritt ernsthaft erwogen werde. Bereits im Jahr 2010 hatte Unternehmensgründer Michael Dell eine solche Idee ins Spiel gebracht, schließlich aber verworfen. Dell ist nach Ende des PC-Booms gegenüber seinen Konkurrenten schwer ins Hintertreffen geraten.

Dell wurde groß durch ein Verkaufsmodell, bei dem der Konzern für seine Kunden PC auf Bestellung maßschneiderte. Anschließend lieferte Dell das Produkt direkt an den Wohnort. In den vergangenen Jahren stand aber der Einzelhandel mehr im Vordergrund. Verbraucher sahen PC inzwischen eher als Allerweltprodukte denn als eine wichtige neue Anschaffung. Im Jahr 2006 musste Dell die Spitzenposition als PC-Hersteller an Hewlett-Packard abgeben. Zur gleichen Zeit begann der Siegeszug von mobilen Geräten wie Smartphones und Tablet-Rechnern. Auf diesem Gebiet ist Dell sehr wenig präsent.

Noch heute machen PCs die Hälfte von Dells Umsatz aus. Aber dieser Markt schrumpft. Der Absatz ging im vierten Quartal 2012 laut dem Marktforschungsunternehmen Gartner um knapp 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Besonders heftig traf es Dell: Im Quartal, das am 2. November endete, brach der PC-Umsatz um knapp ein Fünftel ein. Der Gewinn von Dell kollabierte um fast 50 Prozent. Ganz im Gegensatz dazu weisen die Vorreiter des Tablet- und Smartphone-Booms - wie Apple und Samsung - Rekordgewinne und -umsätze aus.

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