• The Wall Street Journal

IWF: Euroraum auch 2013 in der Rezession

    Von GISELA SIMON

Der Euroraum wird im laufenden Jahr nicht aus der Rezession herauskommen, und die Erholung der Weltwirtschaft wird schleppender verlaufen als bisher angenommen. Diese pessimistische Einschätzung äußert der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem Update des Weltwirtschaftsausblicks vom Oktober und senkt die Prognosen zum weltweiten Wirtschaftswachstum 2013 und besonders zur Entwicklung im Euroraum und in Deutschland.

Im Euroraum hätten die Maßnahmen der Regierungen zur Bekämpfung der Krise zwar Erfolge gezeigt, doch herrsche weiterhin große Unsicherheit, urteilt der IWF. Die Renditeabstände bei den Staatsanleihen der Euroraumländer seien wieder zurückgegangen und die Liquiditätslage bei den Banken habe sich gebessert. Dies wirke sich jedoch nur verzögert auf die Kreditbedingungen für die Privatwirtschaft aus.

dapd

Der Internationale Währungsfonds hat die Prognosen zum weltweiten Wirtschaftswachstum 2013 nach unten korrigiert. Auch in diesem Jahr soll der Euroraum nicht aus der Rezession herauskommen. Erst für 2014 kündigte man eine Besserung an.

Im Jahresverlauf dürften sich die Bremsen für den Aufschwung zwar lösen, wenn die Reformen zur Krisenbekämpfung weiter umgesetzt werden, dennoch prognostiziert der IWF nun für 2013 ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung des Euroraums um 0,2 Prozent. Im Oktober-Ausblick war noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,2 Prozent vorausgesagt worden. Im Jahr 2012 war die Euroraum-Wirtschaft um 0,4 Prozent geschrumpft.

Für 2014 erwartet der Fonds dann ein Wachstum von 1,0 Prozent im Euroraum. Zuvor waren 1,1 Prozent prognostiziert worden. Die Lage im Euroraum birgt dem IWF zufolge weiterhin große Abwärtsrisiken für die weltweiten Aussichten. Der Reformeifer in der Eurozone dürfe nicht erlahmen, mahnt der IWF und drängt unter anderem auf weitere Schritte zur Einrichtung einer Bankenunion und eine stärkere fiskalische Integration.

Auch die Aussichten für Deutschland korrigierte der IWF kräftig nach unten. Für 2013 wird nur noch ein Anstieg des BIP um 0,6 Prozent erwartet, das sind 0,3 Prozentpunkte weniger als im Oktober. Für 2014 erwartet der IWF dann eine Beschleunigung des Wachstums auf 1,4 Prozent.

Auch für Italien zeigt sich der Fonds pessimistischer als im Oktober. Nun wird ein weiterer Rückgang der italienischen Wirtschaftsleistung um 1,0 Prozent erwartet. Im Oktober war das Minus auf 0,7 Prozent veranschlagt worden. Auch Spanien verharrt nach Ansicht des IWF 2013 noch tief in der Rezession, das BIP dürfte um 1,5 Prozent sinken.

Die Prognosen zur US-Wirtschaft ließ der IWF nahezu unverändert. Das US-BIP dürfte demnach im laufenden Jahr um 2,0 Prozent und im kommenden um 3,0 Prozent wachsen, unter anderem weil sich die finanzielle Lage der Privathaushalte wegen der Erholung am Immobilienmarkt verbessert hat, was den privaten Konsum stützen dürfte.

Allerdings sieht der IWF für die USA das Risiko, dass in naher Zukunft auf staatlicher Ebene zu stark gespart wird. Dies müsse vermieden werden, fordert der IWF und mahnt gleichzeitig eine rasche Anhebung des Schuldenlimits und einen glaubwürdigen mittelfristigen Plan zum Schuldenabbau an.

In Japan wird 2013 weiterhin ein Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent erwartet, weil von dem umfangreichen neuen Konjunkturpaket und den weiteren geldpolitischen Lockerungen zumindest kurzfristig ein Schub ausgehen dürfte. Für 2014 prognostiziert der IWF jedoch nur noch ein japanisches Wachstum von 0,7 Prozent, das sind 0,4 Prozentpunkte weniger als im Oktober.

Die Prognosen zur Entwicklung der Schwellen- und Entwicklungsländer ließ der Fonds nahezu unverändert. Das Wachstum in diesen Ländern werde sich beschleunigen, aber nicht die hohen Raten der Jahre 2010 und 2011 erreichen, da die Schwäche in den Industrieländern dämpfe, heißt es. Für China wird weiterhin eine Beschleunigung des Wachstums auf 8,2 Prozent im laufenden und 8,5 Prozent im kommenden Jahr prognostiziert. Im Jahr 2012 war ein Plus von 7,8 Prozent erzielt worden.

Weltweit erwartet der IWF insgesamt eine schrittweise Stärkung des Wachstums im Jahresverlauf 2013. Für 2014 wird eine weitere Beschleunigung prognostiziert, unter dem Vorbehalt, dass sich die Euroraum-Wirtschaft tatsächlich erholt. Die Prognosen zum globalen Wachstum senkte der IWF gegenüber Oktober um jeweils 0,1 Prozentpunkt auf 3,5 Prozent für 2013 und 4,1 Prozent für 2014. Im Jahr 2012 hatte das Wachstum 3,2 Prozent betragen.

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