• The Wall Street Journal

Wie Sie von einem Währungskrieg profitieren können

    Von MATTHEW LYNN

Rund um den Globus haben Notenbanken so ziemlich alles unternommen, um ihre Volkswirtschaften aus der Rezession zu ziehen. Sie haben die Leitzinsen auf die tiefsten Stände seit drei Jahrhunderten gesenkt. Sie haben unglaubliche Summen Geld gedruckt. Und sie haben ihre Geschäftsbanken mit billigen Krediten über Wasser gehalten.

Bislang haben sie damit jedoch nicht viel Erfolg gehabt. Nun könnten sie zur letzten Waffe greifen: eine Abwertung ihrer Währungen. Es droht eine weltweite Abwertungsspirale.

Einige Notenbanken, große wie kleine, haben bereits begonnen ihre Währungen zu schwächen, um so die schleppende Konjunktur zu stimulieren. Ob sie damit Erfolg haben, bleibt abzuwarten. Für Investoren geht es in diesem Szenario vor allem darum, die Sieger in diesem Wettbewerb auszumachen und auf diejenigen Assets zu setzen, deren Werte im großen Abwertungsspiel steigen.

Vergangene Woche kündigte die tschechische Notenbank an, die Krone abwerten zu wollen, um so die Wirtschaft zu beleben. Der schwedische Finanzminister Anders Borg sprach sich für eine schwächere Schwedenkrone aus, um so den Export anzukurbeln. Die Schweiz versucht schon seit Jahren den Franken niedrig zu halten, dessen Kurs 2011 von der Geldflucht aus dem überschuldeten Euroraum stark nach oben getrieben wurde. Japans neue Regierung hat sich einem schwächeren Yen verschrieben, um so der Spirale aus Deflation und Rezession zu entkommen.

Auch in der schwächelnden Eurozone werden die Rufe nach einer Abwertung der Gemeinschaftswährung zahlreicher und lauter. Jüngst hat Jean-Claude Junker, Chef der Eurogruppe der Finanzminister, den Kurs des Euro als gefährlich hoch beschrieben. Fehlt nur noch, dass auch die Federal Reserve über einen schwachen Greenback nachzudenken beginnt, um das Wachstum zu beschleunigen.

Mit Sir Mervyn King, dem Gouverneur der Bank of England, hat ein führender Notenbankvertreter bereits vor den Folgen eines Abwertungswettlaufs gewarnt. Er sorge sich darum, sagte King im Dezember in einer Rede in New York, dass ein aktives Währungsmanagement an die Stelle der bislang praktizierten nationalen Geldpolitik treten könnte.

Wie können sich Anleger positionieren?

Wie können sich Anleger hierfür positionieren? Ein erster Ansatz ist, auf die kleinen Staaten und ihre Valuta zu setzen. Eine Weltwährung wie den Yen oder den Euro zu manipulieren, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Investoren halten gigantische Mengen dieser Devisen, sowohl als Handelsinstrument als auch als Reserve. Eine Notenbank müsste also massiv intervenieren, und selbst dann ist der Erfolg alles andere als sicher.

Sollte also beispielsweise die Bank of Japan versuchen, den Yen abzuwerten, dann werden die Amerikaner und Europäer nicht ruhig zuschauen, wie ihre Industrien an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Um eine weniger bedeutende Währung dürften sich die Märkte dagegen auch weniger kümmern. Die Tschechische Republik oder Schweden könnten also zumindest kurzfristig mit einer Abwertung ihrer Währung Erfolg haben.

Der zweite Rat lautet: Gehen Sie mit dem Trend. Sind die Fundamentaldaten einer Volkswirtschaft schwach, dann fällt es der Notenbank auch leichter, die Währung abzuwerten. Auch die Zentralbanken können sich den Realitäten nicht langfristig entziehen. Druckt die Europäische Zentralbank ausreichend Geld, dann könnte sie damit den Euro nach unten schieben. Denn die Aussicht auf eine Rezession ist schon Grund genug, den Euro zu verkaufen.

Gold profitiert von Abwertungskarussell

Der US-Notenbank dürfte das merklich schwerer fallen. Denn die US-Wirtschaft ist in einem besseren Zustand als die der anderen großen Volkswirtschaften. Bevor Sie also auf eine fallende Währung setzen, werfen Sie einen Blick auf die Fundamentaldaten und nicht nur darauf, was die Notenbank beabsichtigt. Verkaufen Sie tendenziell die ohnehin schwache Valuta, damit sollten Sie richtig liegen.

Der dritte Tipp: Schichten Sie um in Gold. Je mehr Notenbanken rund um den Globus Papiergeld abwerten wollen, desto schlechter werden Investoren darauf zu sprechen sein und nach Alternativen suchen. Es gibt nur eine Quasi-Währung, die niemand künstlich abzuwerten versucht, weil dies nicht gelingt, und das ist Gold. Im Gegenteil, das gelbe Edelmetall dürfte von einem Abwertungskarussell nur profitieren.

Unter dem Strich wird ein Währungskrieg die weltweite Konjunktur nur noch mehr belasten. Abwertungsversuche haben in der Vergangenheit nie funktioniert. Der Vorteil des einen Landes gereicht zum Nachteil des anderen. Um die weltweite Produktion anzukurbeln, tragen sie nichts bei.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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