• The Wall Street Journal

J.P. Morgan-Chef Dimon geht in die Offensive

    Von GREN MANUEL

J.P. Morgan-Chef Jamie Dimon hatte sich darauf vorbereitet, sich in Davos für die Verluste von sechs Milliarden US-Dollar zu entschuldigen, die der sogenannte Wal von London verursacht hatte. Demütigen lassen wollte er sich aber nicht.

Dabei war er ein leichtes Ziel als Chef einer der größten Banken der Welt, der auch während der Finanzkrise am Ruder saß und der sich jetzt bei der ersten größeren Veranstaltung des Weltwirtschaftsforums zur Finanzindustrie aufs Podium wagte.

Reuters//Pascal Lauener

J.P. Morgan-Chef Jamie Dimon (links) im Gespräch mit UBS-Verwaltungsratschef Axel Weber beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

Zuerst ratterte Min Zhu, stellvertretender Geschäftsführer des Internationalen Währungsfonds, eine Reihe von Statistiken herunter, um zu zeigen, dass die Finanzbranche die Scherben der Krise noch nicht wieder zusammengekehrt hat. Auch Paul Singer, Chef des Hedgefonds Elliott Associates, war spürbar darauf aus, den großen Banken einen mitzugeben.

Die beiden Manager ergingen sich in einem gereizten Schlagabtausch, und ihre Körpersprache signalisierte, dass die Herren Singer und Dimon in der Vergangenheit mehr als ein Mal verbal die Klingen gekreuzt haben.

Dennoch, Dimon gab sein Bestes. Er begann damit, seine Entschuldigung für die Handelsverluste zu wiederholen, die auch zu einer drastischen Senkung seines Bonus geführt hätten. "Wenn Sie einer meine Aktionäre sind, entschuldige ich mich zutiefst", sagte Dimon.

Danach schaltete er auf Angriff. Er hob hervor, dass seine Bank Geld an eine ganze Reihe würdiger Organisationen verliehen hat, darunter Schulen, Krankenhäuser, Regierungen sowie italienische und spanische Unternehmen und Regierungen.

Und er hatte ein paar zackige Konter auf Lager. So sagte Fondsmanager Singer, die globalen Banken seien "zu groß, zu stark verschuldet, zu undurchsichtig". Dimon nahm die Steilvorlage gerne auf und verwandelte: Wie könne ein Hedgefonds eine Bank dafür kritisieren, sie sei zu undurchsichtig? "Unser SEC-Bericht ist 400 Seiten lang", sagte Dimon. "Was würden Sie gerne wissen?"

Am Ende des Schlagabtauschs war ziemlich klar, dass Dimon sich nicht dafür entschuldigen würde, CEO einer großen Bank zu sein. Singer wiederum schien ein wenig klein beizugeben. Er gab zu, dass J.P. Morgan Chase eines der am meisten respektierten Finanzinstitute der Welt sei. Und er räumte ein: "Es ist nicht die Größe, die das systemische Risiko ausmacht, es sind die Verschuldung, die Undurchschaubarkeit, die Bilanzregeln."

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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