• The Wall Street Journal

Warum Apples Quartal besser lief, als es aussieht

    Von ROLFE WINKLER
Agence France-Presse/Getty Images

Auf den ersten Blick enttäuschte Apple mit seinen Quartalsergebnissen an der Wall Street. Aber man muss berücksichtigen, dass das abgelaufene Quartal auch eine Woche kürzer war als im Vorjahr. Pro Tag betrachtet sind die Zahlen gar nicht so schlecht.

Wenn man das Quartal schon nicht gewinnen kann, dann vielleicht wenigstens die Woche. Nur leider interessieren sich Apples Investoren nicht für die kurze Frist.

Auf den ersten Blick enttäuschte Apple mit den Ergebnissen des ersten Geschäftsquartals die Wall Street am Mittwochabend. Es ging um genau jenes Quartal, in dem das iPhone 5 erstmals auf dem Markt zu haben war. Insbesondere die Zahl der verkauften iPhones – 47,8 Millionen – lag am unteren Ende der Analystenerwartungen. Und mit 22,9 Millionen lag auch die Zahl der verkauften iPads unterhalb einiger Prognosen.

Aus diesem Grund rutschten Apple-Aktien nachbörslich um knapp 10 Prozent ab. Das Börsenkapital des Unternehmens schrumpfte auf rund 437 Milliarden US-Dollar. Abzüglich des Bargeldbestands von 137 Milliarden Dollar bedeutet das: Apple ist jetzt weniger als acht Mal soviel wert wie sein für 2013 erwarteter Gewinn.

Aber waren die Ergebnisse wirklich so schlimm? Das erste Quartal des Jahres war mit 13 Wochen eine Woche kürzer als das des Vorjahres, weshalb ein direkter Vergleich schwierig ist. iPhones verkauften sich 29 Prozent besser als im Vorjahresquartal mit seinen 14 Wochen, und der iPad-Absatz lag 48 Prozent höher.

Pro Tag betrachtet fallen die Zuwächse sogar noch größer aus: 39 Prozent mehr Absatz für das iPhone und 60 Prozent mehr für das iPad. Insgesamt stieg der Umsatz um 18 Prozent, aber rechnet man das auf den Tag herunter, stieg er um 27 Prozent.

Und trotz des kürzeren Quartals fiel der Gewinn je Aktie mit 13,81 Dollar sogar besser aus als die Konsensschätzung von 13,48 Dollar.

Die andere gute Nachricht: Der durchschnittliche Verkaufspreis des iPhones sinkt nicht, obwohl das einige erwartet hatten. Laut Mobilfunkanbieter Verizon Wireless zahlten im Dezember weniger als die Hälfte aller iPhone-Käufer für das neueste Gerät. Wenn nun iPhone-Käufer grundsätzlich lieber die billigeren älteren Modelle haben wollten, so die Angst, würde das Apples Umsätze und Gewinne schmälern. Aber der durchschnittliche Verkaufspreis für das iPhone lag im abgelaufenen Quartal bei 642 Dollar, und das ist ungefähr genauso viel wie im Vorjahr.

Kommt die Billigversion des iPhones?

Den großen Test muss das iPhone bestehen, wenn Apple wirklich ein Smartphone für das untere Marktsegment herausbringen sollte. Dieses würde dann noch billiger sein als alle noch auf dem Markt erhältlichen älteren Modelle. Mit einem solchen Gerät könnte sich Apple weniger lukrative Kunden in Schwellenländern erschließen und möglicherweise Marktanteile von Konzern Google zurückerobern, der mit seinen Android-basierten Smartphones die Industrie anführt. Die Frage ist, ob Apple genug zusätzliche Telefone verkauft bekäme, um die möglicherweise sinkenden Verkäufe bei den hochwertigen iPhones mehr als auszugleichen.

Apple hat im Markt für Tabletcomputer schon ein ähnliches Experiment unternommen, dort führte das Unternehmen im vergangenen Quartal das billigere iPad Mini ein. Aber es ist schwierig, die Auswirkungen dieser Strategie zu beurteilen, weil Apple seinen Absatz für jede Sparte in den Quartalsberichten inzwischen anders aufschlüsselt und weil das Quartal eben eine Woche kürzer war. Im Vergleich zum Vorjahr wurden pro Tag 60 Prozent mehr iPads verkauft. Aber sie brachten pro Tag nur 31 Prozent mehr Umsatz ein.

Einige iPad Minis wurden eindeutig von Kunden gekauft, die sonst nicht zum teureren iPad gegriffen hätten. Aber unter den Mini-Käufern scheinen auch einige gewesen zu sein, die vielleicht doch das reguläre iPad mit den höheren Gewinnspannen erworben hätten.

Sicherlich: Apple hat nicht das übliche Knaller-Quartalsergebnis vorgelegt, an das sich viele inzwischen gewöhnt haben. Aber die Ergebnisse sind auch nicht so desaströs, wie es der nachbörsliche Kurssturz glauben lässt.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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