• The Wall Street Journal

Japans Handelsdefizit verdreifacht sich

    Von TAKASHI NAKAMICHI

Japans Handelsbilanzdefizit hat sich 2012 verdreifacht. Der hohe Yen-Kurs, die Spannungen mit dem Handelspartner China, die Schuldenkrise im Euroraum und die hohen Energieimporte ließen das Defizit auf 6,927 Billionen Yen und damit das höchste Niveau seit Beginn der Datenreihe 1950 steigen. Eine rasche Trendumkehr wird von Volkswirten nicht erwartet, sodass die Regierung in Tokio sich weiterhin gezwungen sehen dürfte, die lahmende Konjunktur anzukurbeln.

Die Daten des Finanzministeriums zeigen, dass Japan im vergangenen Jahr gegenüber China ein Rekorddefizit von 3,521 Billionen Yen eingefahren hat. Die Territorialstreitigkeiten um eine Inselgruppe hatte den Warenverkehr zwischen den beiden Ländern stark belastet. Viele chinesische Verbraucher hatten japanische Waren boykottiert. Im Handel mit der EU wurde 2012 erstmals seit Beginn der entsprechenden Datenreihe 1979 ein Negativsaldo verzeichnet. Er lag bei 139,7 Milliarden Yen.

Zum Jahresende 2012 zeichnete sich keine Besserung ab: Im Dezember sanken die japanischen Exporte auf Jahressicht um 5,8 Prozent und damit stärker als erwartet. Volkswirte hatten ein Minus von 4,7 Prozent prognostiziert. Die Ausfuhren nach China brachen um 15,8 Prozent, die nach Europa um 11,1 Prozent ein. Gleichzeitig legten die Einfuhren im Dezember um 1,9 Prozent zu, sodass sich ein unerwartet hohes Handelsbilanzdefizit von 641,5 Milliarden Yen ergab.

dapd

Ein Mann an der Tokioter Börse - dass Japans Außenhandel schwächelt, heißt nichts gutes für die exportorientierten Unternehmen.

Auch wenn der Yen jüngst nachgegeben hat und eine weltweite Erholung auch dem japanischen Export Auftrieb geben dürfte, "wird es schwierig, bei der Handelsbilanz in diesem Jahr einen Überschuss zu erreichen", meinte Toshihiro Nagahama, Chefvolkswirt des Dai-Ichi Life Research Institute.

Dies liege zum Teil an den hohen Flüssiggasimporten, die das Land seit der Schließung der meisten Kernkraftwerke zur Stromerzeugung braucht. Von Japans 50 Kernkraftwerken sind gegenwärtig aus Sicherheitsbedenken nur zwei in Betrieb und dies wird sich nach Aussage von Experten vorerst auch nicht ändern.

Die Einfuhren könnten zusätzlich von einer starken Nachfrage der japanischen Verbraucher in die Höhe getrieben werden, weil diese möglicherweise vor der Mehrwertsteuererhöhung im April 2014 Käufe vorziehen würden, äußerte Yoshimasa Maruyama, Volkswirt bei Itochu Corp. Daher werde auch 2013 voraussichtlich ein hohes Handelsbilanzdefizit anfallen.

Ein anhaltend schwacher Außenhandel könnte den neuen Ministerpräsidenten Shinzo Abe veranlassen, den Druck auf die Notenbank noch weiter zu erhöhen. Diese soll mit einer aggressiven Geldpolitik die Wirtschaft ankurbeln und den Außenwert des Yen drücken. Anfang der Woche hatte die Notenbank auf Druck der Regierung bereits angekündigt, die Geldhähne ab 2014 noch weiter aufzudrehen. Zudem hat die Regierung Abe ein umfangreiches Konjunkturpaket beschlossen, dessen Umsetzung aber noch eine Weile dauern wird.

Seit November ist der Kurs des Yen gegenüber dem US-Dollar bereits um rund zehn Prozent zurückgegangen, was mit den Erwartungen rund um die Politik des neuen Ministerpräsidenten zusammenhängt. Doch sei der Kurs noch nicht niedrig genug, um den Exporten wieder Schwung zu verleihen, sagte Nagahama.

"Währungsabwertungen brauchen üblicherweise rund sechs Monate, bis sie einen nennenswerten Effekt entfalten", sagte ein Ökonom von Mizuho Securities. "Jede wirkliche Besserung bei den Exporten wird jedoch nicht durch Währungskursbewegungen erreicht, sondern durch eine fundamentale Belebung der Weltwirtschaft."

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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