• The Wall Street Journal

Apple-Anleger machen 50 Milliarden Dollar Verlust

    Von RALF DRESCHER

Das Jahr 2013 begann nicht gut für Apple -Aktionäre. Genau genommen lief es so weiter wie die letzten Monate des Vorjahres. Die Aktie des gehypten Technologiekonzerns rutschte im Januar vorübergehend unter 500 Dollar – ein Minus von fast 30 Prozent seit dem Allzeithoch im September 2012.

Verglichen mit dem, was am Donnerstag über Apple und seine Aktionäre hereinbrach, waren die Wochen zuvor aber fast harmlos. Nachdem der Konzern mit seinen Zahlen für das erste Geschäftsquartal, vor allem aber mit dem Ausblick für das laufende Vierteljahr enttäuscht hatte, brach die Aktie an der Nasdaq um 12,4 Prozent ein und fiel von 514 auf einen Schlusskurs von 450,47 Dollar zurück. Auf dem Papier wurden dadurch knapp 50 Milliarden Dollar Börsenwert vernichtet – so viel bringen die drei kriselnden Technologiefirmen Dell, Nokia und Research in Motion gemeinsam nicht auf die Waage.

Mit einer Marktkapitalisierung von 425 Milliarden Dollar bleibt Apple zwar das wertvollste Unternehmen der Welt. Aber nachdem der Hersteller von iPhone und iPad sämtlichen Weltkonzernen noch kürzlich meilenweit entrückt schien, beträgt der Vorsprung auf den US-Ölmulti Exxon Mobil laut Daten von Bloomberg nun gerade noch acht Milliarden Dollar.

Auf die Zahlen von Apple wird an den Börsen jedes Vierteljahr genau geschaut. Vor der Veröffentlichung am Mittwochabend war die Spannung aber besonders groß. Seit Wochen kursieren am Markt Spekulationen, dass Apple der wachsenden Konkurrenz durch Samsung und andere Smartphone-Hersteller Tribut zollen muss und die hohen Wachstumsraten des Konzerns bald der Vergangenheit angehören könnten.

Diese Sorgen erhielten durch den Quartalsbericht neue Nahrung. Der Gewinn je Aktie lag mit 13,81 Dollar leicht unter dem Vorjahresergebnis – wenn auch über den Erwartungen der Analysten. Beim Umsatz war es genau umgekehrt: Der stieg um 18 Prozent, verfehlte aber die Erwartungen des Marktes. Auch die iPhone-Verkäufe, auf die der Markt besonders intensiv schaut, lagen mit 47,8 Millionen am unteren Ende der Analystenschätzungen.

Schwärzester Tag seit September 2008

Übel stieß den Anlegern aber vor allem der Ausblick auf das laufende Quartal auf: Das Wachstum werde langsam bleiben, sagen die Apple-Vorstände voraus. Sie gehen davon aus, dass die Umsätze im laufenden Quartal um 7 Prozent steigen werden. Und auch die Nachfrageprognose für das iPhone fiel deutlich schwächer aus als erhofft. Apple will von Januar bis März 41 bis 43 Millionen seiner Smartphones verkaufen, Analysten hatten im Schnitt mit 45,9 Millionen gerechnet.

Das Minus von 12,4 Prozent am Donnerstag bedeutet für Apple-Aktien den zehntschlechtesten Handelstag in den vergangenen 20 Jahren, wie Daten von FactSet zeigen. Insgesamt ging es in den beiden Jahrzehnten an 15 Tagen um mehr als zehn Prozent abwärts, wie Daten von Factset zeigen. Den schwärzesten Tag erlebte Apple an der Börse am 29. September 2000. Damals hatte die Firma mit ihrem Quartalsgewinn die Erwartungen der Wall Street um fast ein Drittel verfehlt. Die Anleger flüchteten daraufhin in Scharen, binnen eines Tages halbierte sich der Börsenwert von Apple.

Den letzten herben Rückschlag für Apple-Anleger gab es genau acht Jahre später. Am 29. September 2008 stürzte die Aktie um 17,9 Prozent ab. Mehrere Banken hatten ihre Empfehlung für Apple damals zurückgenommen. Inmitten der Finanzkrise löste das einen Ausverkauf aus.

KGV so niedrig wie lange nicht mehr

Im Vergleich zu damals sind Apple-Aktien ungeachtet der jüngsten Talfahrt heute immer noch mehr als fünf Mal so teuer. Und die meisten Analysten sehen den Kursrutsch um fast 30 Prozent als Einstiegschance. Schließlich sind die Papiere gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis so günstig wie lange nicht. Auf dem Kursniveau, auf das die Aktie nachbörslich rutschte, war die Aktie nicht einmal mehr das Achtfache des für das laufende Jahr erwarteten Gewinnes wert.

Anders als in den vergangenen Jahren, als es für Apple von den Banken durchweg Kaufempfehlungen gab, melden sich mittlerweile allerdings auch einige Skeptiker zu Wort: "Es gibt so viele Unsicherheiten, die nun noch durch fallende Gewinnerwartungen verstärkt werden. Wir glauben, dass sich die Anleger weiter auf die Risiken in der Apple-Geschichte konzentrieren werden", schrieben die Analysten der Citigroup in einer aktuellen Studie. Nachdem sie jüngst bereits ihre Kaufempfehlung zurückgenommen hatten, senkten sie nun auch das Kursziel von 575 auf 500 Dollar.

Zuversichtlicher sind die Kollegen von Morgan Stanley . Allerdings strichen auch sie Apple am Donnerstag von ihrer "Best Ideas List", auf der die Top-Empfehlungen der Analysten geführt werden. Positive Impulse für den Kurs erwartet Morgan Stanley erst wieder im Sommer, wenn die Markteinführung des neuen iPhone anstehe, möglicherweise inklusive einer Niedrigpreisversion ähnlich dem iPad Mini. Auch das neue iPad soll dann in die Läden kommen. Von den Produktinnovationen, neuen Partnerschaften mit T-Mobile USA, NTT Docomo in Japan und vor allem Chinas Marktführer China Mobile sowie sinkenden Kosten erhoffen sich die Analysten eine Wende. Bei einem Kursziel von 630 Dollar raten sie, die Aktie im Depot weiter „überzugewichten".

Kontakt zum Autor: ralf.drescher@wsj.com

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