• The Wall Street Journal

Stahlriese Arcelor Mittal baut in Belgien ab

    Von ALEX MACDONALD und HENDRIK VARNHOLT

Der weltgrößte Stahlkonzern Arcelor Mittal reagiert auf die schwächelnde Nachfrage in Europa mit weiterem Kapazitätsabbau. Das Unternehmen will nach eigenen Angaben sechs von zwölf Verarbeitungsstraßen seiner Werke im belgischen Lüttich schließen. Die Anlagen verformen und beschichten bislang Stahl. Wie Arcelor Mittal weiter mitteilte, soll auch eine Kokerei in Lüttich außer Betrieb gehen. Koks dient in der Stahlherstellung dem Betrieb von Hochöfen. Von den Schließungen sind rund 1.300 Mitarbeiter betroffen. Arcelor Mittal kündigte Gespräche über einen sozialverträglichen Stellenabbau an.

Erst im Oktober 2011 hatte der Stahlkonzern mit Sitz in Luxemburg angekündigt, seine Hochöfen in Lüttich aufzugeben. "Wir bedauern zutiefst, dass sich die Wirtschaftslage seitdem weiter verschlechtert hat", sagte Vorstandschef Bernard Dehut laut einer Mitteilung des Unternehmens. Die Entwicklung mache die nun vorgesehenen weiteren Schließungen unausweichlich.

Nach Angaben von Arcelor Mittal sind die Einbrüche bei der europäischen Stahlnachfrage dramatisch: Der Konzern beziffert den Rückgang allein für das vergangene Jahr auf weitere acht bis neun Prozent. Die Nachfrage liege nun um 29 Prozent unter dem Vorkrisenniveau des Jahres 2007. Das Werk in Lüttich hat nach Unternehmensangaben in den ersten neun Monaten des Jahres 2012 einen operativen Verlust von mehr als 200 Millionen Euro verbucht. Auch die Aussichten sind schlecht: Mehrere wichtige Kunden aus der Automobilindustrie hätten bedeutende Restrukturierungspläne angekündigt, teilte Arcelor Mittal mit.

dapd

Ein Arcelor-Werk in Luxemburg.

Gleichwohl will der Konzern in Lüttich fünf Verarbeitungslinien in bisheriger Form in Betrieb halten. Die Anlagen sind nach Unternehmensangaben von strategischer Bedeutung. Eine Beschichtungsstraße soll zudem als Ausweichanlage für Reparaturzeiten bestehen bleiben. Nach den nun angekündigten Schließungen sollen noch rund 800 Menschen für Arcelor Mittal in Lüttich arbeiten.

Im Gegensatz zu den Abbauplänen in Europa steht ein Übernahmevorhaben von Arcelor Mittal in den USA: Wie das Wall Street Journal von mit der Angelegenheit vertrauten Personen erfuhr, hat der Stahlkonzern 1,5 Milliarden US-Dollar für das Stahlverarbeitungswerk seines deutschen Konkurrenten Thyssen Krupp im US-Bundesstaat Alabama geboten.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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