• The Wall Street Journal

Japaner nutzen alte Handys für den Seitensprung

    Von DAISUKE WAKABAYASHI

TOKIO – Während die meisten trendbewussten Japaner in den vergangenen Jahren ihre alten Handys gegen Smartphones eingetauscht haben, bleiben notorische Schürzenjäger des Landes einer bestimmten Marke treu: der F-Serie von Fujitsu. Denn die altmodischen Klapphandys bewahren ihre Geheimnisse besser als moderne Smartphones.

Agence France-Presse/Getty Images

Altmodische Handys der F-Serie von Fujitsu haben bei einigen Japanern Hochkonjunktur.

Das veraltete Telefon hat den Spitznamen „uwaki keitai"– „Untreuetelefon". Ein japanischer Blogger, der sich Bakanabe nennt und anonym über seine Affären mit Frauen schreibt, erzählt davon, wie er sich ein Smartphone zulegen wollte. Die möglichen Einstellungen zur Privatsphäre böten jedoch weniger Möglichkeiten als die seines alten Telefons. Stattdessen kaufte er für sein drei Jahre altes Klapphandy von Fujitsu eine neue Batterie und eine Hülle.

„Frauen könnten mein Telefon nach E-Mails oder Anrufen durchsuchen, wenn ich nicht dabei bin. Mit dem Privatmodus von Fujitsu sehen sie diese Informationen nicht", schreibt der Blogger in einer E-Mail. „Der Schlüssel ist, gar nicht erst den Eindruck zu erwecken, dass man sein Telefon sperrt."

Dieser Modus ist eine fast unsichtbare Sicherheitsvorkehrung, die verpasste Anrufe, E-Mails und SMS-Nachrichten von als privat gekennzeichneten Kontakten versteckt. Wenn sich einer dieser Kontakte meldet, verändert sich nur die Farbe oder die Form des Batterie- oder des Empfangssymbols. In der Liste der verpassten Anrufe tauchen diese Kontakte nicht auf. Wenn der Privatmodus mit einer PIN-Nummer ausgeschaltet wird, sind die versteckten Anrufe und Nachrichten wieder zu sehen.

„Tiger Woods hätte damit nie Ärger bekommen"

Diese Funktion kann auch ein Blogger, der sich Poza nennt, gut gebrauchen. Er gibt vor, auf Partnerseiten im Internet verschiedene Affären zu unterhalten, während er außerdem drei Freundinnen hat. Das Fujitsu-Handy nutzt er seit fünf Jahren, um sich dabei nicht erwischen zu lassen. Vor kurzem habe er ein iPhone gekauft, doch sein Fujitsu-Telefon abzugeben kann er sich nicht vorstellen. „Das Fujitsu ist absolut ausreichend, um meine Betrügereien zu verbergen", schreibt er in einer E-Mail. Seinen echten Namen will Poza nicht nennen.

Video auf WSJ.com

Philanderers in Japan prefer one particular model of mobile phone, as WSJ's Daisuke Wakabayashi reports. He runs down how the phone works.

Ältere japanische Telefone wurden speziell für den heimischen Markt entwickelt. Dadurch hatten die Hersteller mehr Freiheiten was die Funktionen angeht. Doch Smartphones funktionieren heute vor allem mit dem Google -Betriebssystem Android, wodurch die japanischen Hersteller an den Funktionen weniger ändern können.

Fujitsu bot den Privatmodus zum ersten Mal 2002 als Teil strengerer Sicherheitsvorkehrungen an, die für alle Telefone des Netzanbieters NTT Docomo galten. Takeshi Natsuno, damals ein hochrangiger Vertreter von Docomo, bestand auf den höheren Sicherheitsvorkehrungen, nachdem er von vielen Fällen gehört habe, in denen Paare sich getrennt oder Angestellte Ärger bekommen haben, weil sie ihre Handys unbewacht ließen.

„Wenn Tiger Woods diese japanische Funktion auf seinem Telefon gehabt hätte, hätte er nie Ärger bekommen", sagt Natsuno, heute Professor an der Graduate School of Media and Governance der Keio University. Doch außerhalb Japans sind diese Telefone nicht erhältlich.

Auf Smartphones ist separate App nötig

Da E-Mail, Anrufe und SMS alle über ein Smartphone zu empfangen sind, finden darüber auch viele Affären statt. Toshiyuki Makiguchi leitet die Tokioter Beratungsfirma Uwaki Rescue SOS, die Menschen dabei hilft herauszufinden, ob ihre Partner sie betrügt. Mehr als die Hälfte seiner jährlich 600 Kunden findet im Handy des Partners Beweise.

Fujitsu wirbt mit den starken Sicherheitsfunktionen der Telefone, spricht jedoch nicht über die Schürzenjäger, die davon so begeistert sind. Fujitsu-Sprecher Naoki Mishiro sagt, wasserdichte Sicherheitsfunktionen seien heutzutage wichtig, da so viele sensible Infromationen auf den Geräte gespeichert werden.

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Das F-03 von Fujitsu

Sowohl Fujitsu als auch japanische Netzbetreiber lassen die alten Telefone derzeit jedoch auslaufen und ersetzen diese mit neuen Smartphones. Dafür tauchen immer mehr sogenannte betrügerische Apps auf, die auf Smartphones ähnliche Funktionen anbieten wollen.

Fujitsu bietet einige dieser Sicherheitseinstellungen auch auf seinen Smartphones an. Die neusten Modelle der Firma verstecken Anrufe und E-Mails von Kontakten, die als privat gekennzeichnet sind, und machen den Besitzer wie schon die alten Geräte durch optische Veränderungen des Batteriesymbols darauf aufmerksam. Jedoch ist dazu jetzt eine separate E-Mail- und Adressbuch-App von Fujitsu nötig.

Auch US-Entwickler entdecken Privatmodus

„Das ist total nutzlos", sagt Bakanabe, der sich über das Smartphone von Fujitsu informierte, bevor er sich entschied, bei seinem alten Telefon zu bleiben. „Ich hoffe weiter darauf, dass Fujitsu mit dem nächsten Smartphone den richtigen Privatmodus wieder anbietet."

Fujitsu sagt, man werde in Zukunft bequemere Sicherheitseinstellungen anbieten. Und auch andere Länder entdecken solche Funktionen. Die amerikanische App Cate (Call and Text Eraser) bietet seit vergangenem Jahr eine ähnliche Sicherheitsfunktion an. Die App für Android-Geräte fängt Textnachrichten und Anrufe ab und versteckt sie, wenn diese von speziell gekennzeichneten Kontakten kommen – bis der Handybesitzer eine PIN-Nummer eingibt.

„Ich glaube, die meisten Betrüger nutzen Textnachrichten und werden deswegen erwischt", sagt Neal Desai, ein 25-jähriger Unternehmer aus Austin, der die App Cate entwickelt hat. Diese kostet 4,99 Dollar und wurde bereits über 10.000 Mal heruntergeladen. Eine Version für das iPhone werde bald verfügbar sein, sagt Desai.

Als er von dem Privatmodus der Fujitsu-Handys hörte, der schon seit Jahren verfügbar ist, war Desai beeindruckt: „Das ist noch genialer als meine App."

—Mitarbeit: Miho Inada

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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