• The Wall Street Journal

Luxusleben im Luftschutzbunker

    Von HARRIET TORRY
Cadman GmbH

In einem nie fertig gestellten Bunker in Düsseldorf sollen 24 luxuriöse Wohnungen entstehen.

Auf dem Immobilienmarkt sind derzeit einige ungewöhnliche Objekte zu haben: Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben will neue Eigentümer für Betonbunker aus der Zeit des Dritten Reichs finden. Doch es ist nicht leicht, eine angemessene neue Aufgabe für die Bunker zu finden.

Von den 150 Bunkern, die der Behörde gehören, stehen mindestens vier auf Grundstücken, wo die Nationalsozialisten zuvor Synagogen dem Erdboden gleich gemacht haben. In Frankfurt steht zum Beispiel ein Bunker an der Friedberger Anlage, wo zuvor eine Synagoge war. Derzeit verhandeln die Stadt Frankfurt und die Behörde noch über den Verkauf. Letztere verlangt 2,8 Millionen Euro für die Immobilie, doch was aus dem Bunker werden soll, ist noch unklar.

In Braunschweig verhandelt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben derzeit mit einem potentiellen Käufer über einen Bunker, der ebenfalls auf dem Gelände einer ehemaligen Synagoge steht. Die örtliche jüdische Gemeinde will dort einen Raum für Ausstellungen und Veranstaltungen einrichten.

Einige der Bunker sind bereits in Gedenkstätten verwandelt worden: In einem ehemaligen Bunker im nordrhein-westfälischen Siegen, der auf den Ruinen einer Synagoge steht, die in der Reichskristallnacht im November 1938 zerstört wurde, ist heute ein Museum über den Nationalsozialismus zu finden.

In einem Bunker, der am Ort der zerstörten Synagoge am Hamburger Bornplatz errichtet wurde, haben sich Institute der Universität Hamburg angesiedelt. Außerdem gibt es ein Denkmal, das an die Synagoge erinnert. In Düsseldorf wurde ein Bunker abgerissen, der auf den Überresten einer Synagoge erbaut worden war und in der Nachkriegszeit als Hotel diente. Heute steht dort das Redaktionsgebäude des Handelsblatts.

Doch nicht alle Bunker wurden auf ehemaligen jüdischen Andachtsstätten gebaut, darunter die 70 Gebäude, für die kürzlich bei einem Architekturwettbewerb Konzepte für eine zivile Nutzung gesucht wurden.

Es ist nicht einfach, einen neuen Zweck für die Bunker zu finden

Die Bunker, die größtenteils aus der Zeit des Dritten Reichs stammen und oft mithilfe von Zwangsarbeitern gebaut wurden, blieben noch einige Zeit für den Fall eines weiteren Krieges oder einer Nuklearkatastrophe im Staatsdienst. 2007 wurde der letzte Bunker außer Betrieb genommen.

Es ist nicht einfach, einen neuen Zweck für die fensterlosen Bunker zu finden. Oft sind sie feucht und schlecht belüftet, und die meterdicken Betonwände, die die Bunker in kleine Räume unterteilen, sind nur schwer zu entfernen.

Andererseits haben die Bunker, die überirdisch gebaut sind, oft eine attraktive Größe. Durch die dicken Wände sind sie schallgeschützt und stabil genug, um weitere Stockwerke zu tragen. Und da sie vor allem zum Schutz der Stadtbevölkerung gebaut wurden, haben sie häufig eine erstklassige Innenstadtlage.

Viele der Bunker haben seit dem Zweiten Weltkrieg ganz verschiedene Zwecke erfüllt: Der Luftschutzbunker gegenüber dem Deutschen Theater in Berlin war nach dem Krieg zuerst ein sowjetisches Gefängnis, dann ein Lagerhaus für tropische Früchte und schließlich ein Techno-Club.

2003 kaufte der Werbeagentur-Chef Christian Boros das Gebäude, um dort seine Sammlung moderner Kunst unterzubringen. Der Umbau dauerte fünf Jahre. Dabei wurden die über drei Meter dicke Decke und mehrere Wände mit einer Diamantsäge entfernt. Außerdem baute Boros noch ein Penthouse mit einem Pool und einem Dachgarten hinzu.

In Bochum wurden 15 Stockwerke auf einen zylinderförmigen Bunker nahe des Hauptbahnhofs gebaut – dank der stabilen Betonwände kein Problem. Die drei obersten Stockwerke des Exzenterhauses seien an eine Anwaltskanzlei und eine Buchhaltungsfirma vermietet worden, berichtet der Sprecher Thomas Durchlaub. Die Stadt habe den Bunker für 670.000 Euro verkauft, doch er will sich jedoch nicht dazu äußern, wie teuer der Umbau war.

Cadman

17 Millionen Euro kostet der Umbau des Bunkers in Düsseldorf.

Das Immobilienunternehmen Euroboden will im kommenden Jahr einen kleineren Umbau eines überirdischen Bunkers in der Münchener Ungererstraße abschließen. Unterkommen sollen dort Büros, drei Wohnungen und ein Penthouse. Der Umbau soll zwischen 3,5 und vier Millionen Euro kosten, sagt Euroboden-Chef Stefan Höglmaier.

Nicht jeder fühle sich in einem umgebauten Kriegsbunker wohl, sagt Gerd Schmitz, der ein Luxuswohnungsprojekt in Düsseldorf verwaltet. Die Käufer seien meistens Individualisten. Der 17 Millionen Euro teure Umbau des „Papillon", den Schmitz begleitet, geht auf die Idee zweier örtlicher Investoren zurück, die beide in der Gegend aufgewachsen sind und als Kinder in dem Bunker spielten.

Der Bunker, der nie fertiggestellt worden war, biete eine „herausragende Bauhülle", sagt Schmitz, der Teile des Bunkers abreißen und ihn so erweitern will, dass Platz für 24 Wohnungen entsteht. Es soll außerdem große Terrassen und einen Autoaufzug geben, damit die Bewohner ihre Autos auf dem Balkon parken können.

Der Umbau soll Anfang des Jahres beginnen und Ende 2014 fertig sein. Die Preise werden voraussichtlich zwischen 3000 und 6000 Euro pro Quadratmeter liegen, wodurch die Luxusapartments jeweils über eine Million Euro teuer sein werden.

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