• The Wall Street Journal

Noch kein finnischer Sommer für Nokia

    Von BEN ROONEY

Der in Bedrängnis geratene Nokia -Chef Stephen Elop konnte endlich mal wieder gute Nachrichten verkünden. Der finnische Handyhersteller hat nach sechs verlustreichen Quartalen in Folge im von Oktober bis Dezember 2012 erstmals wieder einen Gewinn erzielt. Das Unternehmen konnte zudem 800 Millionen Euro frisches Geld einsammeln und damit seine Liquidität verbessern.

Beim Mobile World Congress, dem jährlichen Großereignis der Mobilfunkbranche, sprach Elop im vergangenen Jahr davon, dass sein Unternehmen künftig schneller reagieren werde. Dieses Versprechen hat er eingehalten – indem er dutzende neue Geräte auf den Markt gebracht hat. Doch die Tatsache, dass Nokia den Investoren die Dividende gestrichen hat, deutet nicht darauf hin, dass man bei dem Unternehmen optimistisch nach vorn blickt. Denn eine Schwalbe macht noch keinen Sommer

Getty Images

Nokia-Chef Stephen Elop sieht sein Unternehmen wieder auf dem richtigen Weg.

Dennoch machte Nokia 439 Millionen Euro operativen Gewinn – das erste Mal seit dem ersten Quartal 2011, als der Gewinn zufälligerweise genauso hoch ausfiel. Aber – und das ist ein sehr gewichtiger Einwand – der Gewinn geht nicht darauf zurück, dass das Unternehmen den Absatz steigern konnte, sondern darauf, dass die Kosten sanken.

Das letzte Mal, als Nokia einen Quartalsgewinn verzeichnete, lag der Nettoumsatz bei 10,4 Milliarden Euro. Etwa 70 Prozent stammten aus dem Verkauf von 108 Millionen Handys. Ende 2012 war der Gewinn genauso hoch, obwohl sich der Nettoumsatz nur auf 8 Milliarden Euro belief. Weniger als die Hälfte kam aus dem Verlauf von nur 86 Millionen Telefonen.

Wie berichtet hat das Unternehmen massiv gespart, indem es Stellen abgebaut hat und abgestoßen hat, was es konnte – zum Beispiel hat Nokia seinen Hauptsitz für 170 Millionen Euro verkauft und dann wieder angemietet. Es seien schwierige Jahre für die Mitarbeiter, sagte Elop bei einer Analystenkonferenz. Das gilt für die, die noch übrig sind: 32.000 Mitarbeiter mussten bereits gehen.

Wenn man sich die Ergebnisse des vergangenen Jahres genauer ansieht, stellt man fest, dass es im letzten Quartal besonders gut für den Netzwerkausrüster Nokia Siemens Network aussah. Die Verkäufe stiegen um fünf Prozent und der operative Gewinn kletterte um 275 Prozent nach oben. Aufs gesamte Jahr gesehen ist das Ergebnis nicht ganz so positiv. Die Verkaufszahlen fielen um zwei Prozent, der operative Gewinn sank um 500 Millionen Euro.

Doch Nokia gibt zwei verschiedene Gewinnzahlen heraus: einmal die Zahlen, die im Einklang mit den internationalen Rechnungslegungsvorschriften (IFRS) sind – und andere, in die Sondereinflüsse nicht mit hineinfallen. Nach diesen Daten hatte der Netzwerkausrüster ein großartiges Jahr – mit einem Gewinn, der um 246 Prozent auf 778 Millionen Euro stieg.

2012 lief es auch nicht schlecht für den Kartendienst Here, den einzigen Bereich, in dem das Unternehmen die Verkaufszahlen über das Jahr gesehen steigern konnte.

Doch wie immer man es auch betrachtet: Das Handygeschäft hat kein gutes Jahr hinter sich. Zwar stiegen die Verkaufszahlen vom dritten aufs viertel Quartal an und es wurden 26 Prozent mehr Smartphones verkauft – im Vergleich zum Vorjahr waren das aber über die Hälfte weniger. Die Zahl der verkauften normalen Handys fiel im Vergleich zum vorigen Quartal um 15 Prozent auf 80 Millionen.

Der einzige Markt, auf dem Nokia Zuwächse verzeichnen kann, ist Nordamerika. Dort stiegen die Einnahmen aus dem Handyverkauf im Vergleich zu 2011 um 28 Prozent. Doch die Anzahl der verkauften Handys ist mit 2,2 Millionen sehr gering. In China stürzten die die Einnahmen aus dem Verkauf um 68 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ab, die Zahl der verkauften Handys sank um 58 Prozent auf 27,5 Millionen.

Aufstieg und Fall von Nokia

InvisionAssociated Press

Doch es besteht nicht nur die Gefahr, dass man die Ergebnisse zu positiv auffasst. Zu pessimistisch sollte man wohl auch nicht sein. Es war wichtig für das Unternehmen, in die Gewinnzone zurückzukehren, auch wenn das nur für ein Quartal zutreffen sollte.

Außerdem gibt es Anzeichen dafür, dass Elops Strategie aufgeht. Er hat die Zahl der Mitarbeiter drastisch reduziert und Kosten gesenkt. Das Unternehmen ist schlanker und leistungsfähiger. Die Zahl der verkauften Handys geht zwar zurück, doch das Unternehmen schafft es, seinen Wertschöpfungsprozess zu verbessern. Im Schnitt wird ein Nokia-Smartphone für 33 Prozent mehr verkauft als im vorigen Quartal.

Auch mit dem Betriebssystem Windows Phone geht es langsam voran. Nach einem Bericht der Marktforschungsfirma Kantar Worldpanel Comtech ist der Marktanteil in Großbritannien innerhalb der vergangenen zwölf Monate von 2,2 auf 5,9 Prozent gewachsen. Paradoxerweise profitiert Nokia davon, dass andere Handyhersteller auf das System setzen. Je größer der Markt ist, desto attraktiver ist er für Entwickler – und desto mehr Apps werden produziert.

Nokia hat bereits davor gewarnt, dass die Zahlen im kommenden Quartal nicht gut ausfallen werden. Das erste Quartal eines Jahres ist immer schwierig, das wurde bereits berücksichtigt. Doch jetzt richten sich alle Augen darauf, wie es weitergeht, besonders bei den Margen im Handygeschäft und der Profitabilität der Kartendienste. Auch wenn die Zahlen noch lange kein Anlass zu Freudensprüngen sind – zu der einen Schwalbe könnten bald noch ein oder zwei weitere kommen.

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