• The Wall Street Journal

Samsung meldet neuen Rekordgewinn

    Von MARKUS KLAUSEN und MIN-JEONG LEE

Der Technologieriese Samsung kann sein Wachstumstempo zwar weitgehend halten, die hohen Erwartungen haben allerdings auch die Koreaner nicht ganz erfüllt. Der Apple-Rivale erreichte dank guter Smartphone-Verkäufe im vierten Quartal erneut einen Rekordgewinn. Es gibt aber wie beim iPhone-Hersteller erste Wachstumsdellen. Experten gehen dennoch davon aus, dass sich Samsung in den nächsten Monaten besser schlägt als der Erzrivale aus Kalifornien.

Auf den ersten Blick sehen die Zahlen für das wichtige Weihnachtsquartal hervorragend aus: Samsung steigerte den Gewinn um satte 76 Prozent auf einen Rekord, der Umsatz kletterte um knapp ein Fünftel. Zudem dürften die Koreaner die Krone im Smartphone-Geschäft locker verteidigt haben. Doch auf den zweiten Blick sieht es nicht ganz so rosig aus - nach den schwachen Apple-Zahlen vom Vortag lief es auch bei Samsung nicht so richtig rund.

Reuters

Samsung-Geschäft in Seoul: Der Technologiegigant machte im vierten Quartal 2012 erneut einen Gewinnrekord.

Der Nettogewinn blieb mit 7,04 Billionen Won (rund 4,9 Milliarden Euro) unter den Marktschätzungen von 7,3 Billionen Won. Zudem schwächte sich das Umsatzwachstum im wichtigen Handy-Geschäft zum Jahresende ab. Damit aber nicht genug: Auch die Marge im Handy-Geschäft gab auf 17,4 Prozent von 18,8 Prozent im Vorquartal nach. Anlegern schmeckt das gar nicht.

Zudem sollen die Investitionen im laufenden Geschäftsjahr trotz des Rekordgewinns nicht erhöht werden. "Die sich abschwächende Weltwirtschaft und die Unsicherheiten dürften die Entwicklung in diesem Jahr belasten", hieß es von Samsung.

An der Börse in Seoul gibt die Aktie von Samsung deutlich nach, was den ganzen Index nach unten zieht. Im Vergleich zu dem Kurssturz bei der Apple -Aktie ist das aber im Verhältnis ein kleines Minus. Das Papier des US-Konzerns brach nach den schwachen Zahlen um mehr als zehn Prozent ein. Ein Grund für die Marktreaktionen ist der unterschiedliche Geschäftsausblick der Technologieriesen.

Hohe Zuwächse bei Apple bald Vergangenheit?

Dass sowohl Apple als auch Samsung die hohen Wachstumsraten nicht halten werden, war weitgehend erwartet worden. Aber besonders bei dem iPhone-Hersteller gab es große Sorgen, dass der Konzern der wachsenden Konkurrenz durch die Koreaner und andere Smartphone-Hersteller Tribut zollen und deshalb die hohen Zuwächse bald der Vergangenheit angehören könnten.

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Durch den Apple-Quartalsbericht erhielten diese Sorgen neue Nahrung. Der Gewinn je Aktie lag leicht unter dem Vorjahresergebnis - wenn auch über den Erwartungen der Analysten. Beim Umsatz war es genau umgekehrt: Der stieg - wie bei Samsung - um knapp ein Fünftel, verfehlte aber die Erwartungen des Marktes. Übel stieß den Anlegern aber vor allem der Ausblick auf das laufende Quartal auf: Das Wachstum werde langsam bleiben, sagten die Apple-Vorstände voraus.

So konkret äußerten sich die Samsung-Manager nicht. Analysten geben aber zunächst einmal Entwarnung. Auch beim Konzern aus Seoul gebe es zwar Anzeichen, dass sich das Wachstum abschwächt. Allerdings sei es insgesamt höher als bei Apple - und das dürfte über weite Strecken im laufenden Jahr so bleiben, schätzen Analysten. Der Grund: Samsung verfügt über ein deutlich breiteres Produktpalette als Apple.

Samsung ist breiter aufgestellt als Apple

Die Zahlen für das Schlussquartal stützen diese These. So konnte die Samsung sowohl im Chipgeschäft als auch in den Bereichen mit Flüssigkristallbildschirmen und Elektronikartikeln die Marge verbessern, teilweise sogar erheblich: Im Chipgeschäft sprang die operative Marge auf 14,8 Prozent - der höchste Wert im vergangenen Jahr. Im dritten Quartal lag die Rendite noch bei 11,7 Prozent.

Und auch die Krone im Handygeschäft dürfte Samsung klar verteidigt haben. Analysten gehen davon aus, dass die Koreaner im vierten Quartal 110 Millionen Handys verkauft haben, davon etwa 60 Millionen der begehrten Smartphones. Samsung selbst nennt keine genauen Zahlen zum Handy-Absatz. Apple hat eigenen Angaben zufolge 47,8 Millionen iPhones verkauft.

Bezogen auf das Gesamtjahr 2012 ergibt sich somit folgender Stand: Samsung kommt bei den Handy-Alleskönnern auf einen Marktanteil von 30 Prozent, während Apple bei 19 Prozent liegt, schätzen die Analysten von Strategy Analytics. Das Verkaufsplus von Apple sei mit 46 Prozent zwar ganz ordentlich, so die Experten. Samsung konnte aber mit einem Plus von 77 Prozent deutlich stärker zulegen.

Die Koreaner graben Apple mit ihren Galaxy-Smartphones immer mehr das Wasser ab. Samsung hat es geschafft, zahlreiche Telefoneigenschaften zu entwickeln, mit denen sie sich von Apples iPhone abheben. Zudem sind sie preislich absolut konkurrenzfähig. Und der Aufschwung im Chip- oder LCD-Geschäft spielt Samsung auf Konzernebene zusätzlich in die Karten.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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