• The Wall Street Journal

BASF will an Australiens Agrarmarkt verdienen

    Von CAROLINE HENSHAW

Der Chemiekonzern BASF will seine Wachstumsoffensive in Asien von Australien aus steuern. Bis 2020 will der Dax-Konzern seinen Umsatz mit Pflanzenschutzmitteln in der Region mehr als verdoppeln. "Australien zählt zu den Top-Ten-Landwirtschaftsmärkten weltweit", sagte Markus Heldt, Leiter des BASF-Unternehmensbereichs Crop Protection, während einer Australienreise in einem Interview mit dem Wall Street Journal. "Bald werden 50 Prozent der Weltbevölkerung vor der Türschwelle Australiens im asiatischen Markt leben. Australien wird einen wichtigen Beitrag zu unserem Wachstum leisten."

Der nach Umsatz weltgrößte Chemiekonzern bereitet sich derzeit auf den Wiedereinstieg in den australischen Agrarmarkt vor. Dort werden die BASF-Produkte seit 2004 von dem Agrarchemieunternehmen Nufarm vertrieben. Vor zwei Tagen hatte BASF jedoch angekündigt, sie werde ihr Pflanzenschutzmittelsortiment in Australien künftig wieder direkt vertreiben, wenn die zehnjährige Vereinbarung mit Nufarm im März 2014 ausläuft.

dapd

Ein BASF-Tank bei der Zentrale in Ludwigshafen. Der Konzern hat Australien im Visier.

Dazu will der Konzern die australischen Geschäfte der unlängst übernommenen US-amerikanischen Becker Undwood nutzen, einem führenden Anbieter von Technologien zur biologischen Saatgutbehandlung und von Produkten für den biologischen Pflanzenschutz. Die Zahl der Mitarbeiter soll mehr als verdoppelt und eine Reihe neuer Produkte für Australiens Farmen eingeführt werden.

Mit einem Agrarchemiemarkt im Volumen von umgerechnet rund 1,5 Milliarden Euro werde das Land eine wichtige Rolle für die Umsatzssteigerung in der Region spielen, sagte Heldt weiter. Die Agrarchemie-Erlöse der BASF in Asien sollen in den kommenden sieben Jahren auf rund eine Milliarde Euro steigen, das entspräche einem Sechstel der Einnahmen dieses Geschäftsbereiches. Beflügelt wird das Geschäft von der boomenden Lebensmittelnachfrage der wachsenden Mittelklasse in den Ländern Asiens. Im vergangenen Jahr setzte die von Heldt geführte Sparte 487 Millionen Euro um - 10 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Australien produziert bereits genug Nahrungsmittel, um die eigene Bevölkerung dreifach zu ernähren und exportiert jedes Jahr Millionen Tonnen, unter anderem Weizen und Zucker. Aber die steigende Nachfrage der schnell wachsenden asiatischen Bevölkerung nach einer westlich orientierten Ernährung - nach Prognosen der Vereinten Nationen der Hauptgrund für eine Verdoppelung der Lebensmittelnachfrage bis 2050 - hat Australien zu einem zunehmend wichtigen Spieler im Weltagrarmarkt gemacht.

Das wiederum führt dazu, dass die Konzerne um größere Stücke der australischen Agrarbranche konkurrieren. So kaufte der größte Händler von Chemikalien für die Landwirtschaft in den USA, Agrium, 2010 den Agrarhändler Landmark und übernimmt zudem Geschäft von Glencore .

BASF hatte die Tochter Becker Underwood im September vergangenen Jahres für 785 Millionen Euro von der Private-Equity-Gesellschaft Norwest Equity Partners erworben. Der Konzern erhält damit Zugang zum 2,5 Milliarden Euro schweren Saatgutaufbereitungsmarkt, der nach Schätzungen von Jeffries & Co um 10 bis 12 Prozent pro Jahr wachsen soll, und fasst zudem Fuß im umweltfreundlichen und wachsenden Markt für biologische Formen der Schädlingsbekämpfung.

Australiens Gartenbaubranche will BASF mit neuen, von Becker Underwood entwickelten "Biopestiziden" erobern, das sind etwa winzige Würmer, die Schädlinge wie Rüsselkäfer oder Motten bekämpfen. Der deutsche Chemiekonzern will zudem neue Produkte gegen chemieresistente Unkräuter einführen sowie eine Reihe von Produkten unter der Marke Clearfield, die die Erträge von Rapsfeldern in Kanada bereits um bis zu 15 Prozent gesteigert haben, fügte der Manager hinzu.

Und die BASF plant nicht nur neue Produkte - unter den neuen Mitarbeitern werden auch Marketing-Experten sein. "Wie sehen den australischen Agrarmarkt als High-Tech und professionell aber auch sehr wettbewerbsintensiv", sagte Heldt weiter. "Angesichts der bedeutenden Summe, die heutzutage in Forschung und Entwicklung investiert werden muss, ist es wichtig, dass wir unsere eigene Marketingoffensive auch selbst betreuen".

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Haus der Woche

  • [image]

    Australisches Luxus-Farmhaus mit italienischem Flair

    Blick auf den Pazifischen Ozean, eigene Nussplantage und Paradiesvögel im Garten bietet dieses australische Luxus-Farmhaus in Nähe der Byron-Bucht. Für echt italienisches Lebensgefühl sorgt der eigene Pizzaofen im Hof.

  • [image]

    Tiere – Die Geheimwaffe der Tech-Konzerne

    Viele Produkte von Tech-Firmen sind schwer verständlich für Laien. Die Unternehmen haben es darum oft nicht leicht, für sich zu werben. Etliche setzen auf Tiere, um ihre Marke bekannt zu machen. Wir stellen 30 von ihnen vor.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 31. Juli

    Wasser marsch: in Frankreich spielten Kinder am Donnerstag an Springbrunnen, in Deutschland strömten Urlauber ins Freibad und in Indien trotzten Anwohner einem Wolkenbruch. Das und mehr zeigen unsere Fotos des Tages.

  • [image]

    Die teuersten Hotelstädte Europas

    Paris, London, Berlin, Lissabon: Im Sommer locken Städte die Urlauber. Bei den Zimmerpreisen sind die Unterschiede groß. Wir zeigen, wo Touristen sich das Hotel leisten können - und in welchen Städten die saftigsten Preise fällig werden.

  • [image]

    Zu Besuch bei deutschen Start-ups

    Ständig wird über sie berichtet, ihre Dienste werden von Millionen genutzt: Deutsche Start-ups müssen sich vor der Konkurrenz aus den USA längst nicht mehr verstecken. Das zeigt auch ein Blick auf die Büros der jungen Firmen. Wir haben Onefootball, Eyeem, Wooga, Amorelie, Mymuesli, Researchgate und Outfittery in Berlin besucht.

  • [image]

    Die schlimmsten Stau-Städte der Welt

    Für alle deutschen Autofahrer im Stau gilt: Es geht noch schlimmer. Der Navigationsgeräte-Hersteller TomTom hat die Fahrzeiten in den Metropolen verglichen. Wir stellen die Stau-Hochburgen der Welt vor.

  • [image]

    Der neue Villen-Boom in Berlin

    „Arm, aber sexy" war gestern. Heute zeigt Berlin wieder Luxus. Besonders die Altbauvillen im Südwesten der Hauptstadt erleben derzeit eine neue Blütezeit.

Erwähnte Unternehmen