• The Wall Street Journal

Für Solarworld-Anleger wird nicht viel übrig bleiben

    Von BENJAMIN KRIEGER

Deutsche Solaraktien bleiben ein heißes Investment. Den Chancen auf hohe spekulative Kursgewinne stehen nicht minder große Verlustrisiken gegenüber. Bestes Beispiel: SolarWorld . In den ersten fünf Handelstagen des Jahres schoss der Aktienkurs des schwer angeschlagenen Unternehmens um fast 80 Prozent nach oben. Am Donnerstagabend kündigten die Bonner „gravierende Einschnitte bei den Verbindlichkeiten" an. Die Aktie brach daraufhin um mehr als 30 Prozent ein.

Per Ende September schob der Hersteller von Solarmodulen gut eine Milliarde Euro Schulden vor sich her. Und das bei einem Verlust von knapp 200 Millionen Euro. Nun muss das Unternehmen einen Schuldenschnitt vornehmen oder Schulden in neue Aktien umwandeln. Letzteres würde den Aktienkurs stark verwässern. „Den Altaktionären wird am Ende wohl nicht viel übrig bleiben", sagt Stefan Freudenreich von der Equinet Bank.

Solarworld hat zwei Anleihen ausgegeben, deren Kurse am Freitag um jeweils rund ein Drittel einbrachen. Für die in vier Jahren fällig werdende Anleihe mit einem Volumen von 400 Millionen Euro zahlen Käufer nur noch 20 Prozent, also ein Fünftel des Nennwerts. Ähnlich niedrig wird die 150 Millionen schwere Anleihe mit Laufzeit bis 2016 gehandelt. Die Botschaft ist klar: Nur ausgesprochen risikofreudige Anleger rechnen noch mit einer Rückzahlung der Anleihen durch Solarwold.

„Es dominieren weiterhin enorme Unsicherheiten. Selbst die Gefahr einer Insolvenz ist im Blick zu behalten", sagt Erkan Aycicek, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. Dieser schlimmste Fall würde dann eintreten, wenn sich Solarworld mit den Geldgebern nicht auf eine Weiterfinanzierung einigen kann. Die Aktie dürfte in diesem Fall Richtung null Euro fallen, denn Aktionäre gehen in dem Szenario vermutlich leer aus.

Solarworld hat in der Mitteilung vom Donnerstag keine Details genannt, wie die Einschnitte aussehen könnten. „Wir halten einen Schulden- und Kapitalschnitt für möglich", sagt Aycicek. Er schließt also eine Umwandlung von Schulden in Aktien nicht aus.

Es drohen weitere Abschreibungen

Im günstigsten Fall kann sich das Unternehmen mit den Gläubigern auf eine Finanzierung einigen, wie immer diese auch aussieht. In diesem Fall dürften Aktien und Anleihen des Unternehmens stark anziehen. „Es ist kaum einzuschätzen, was Solarworld nun machen will und kann", sagt Freudenreich. Der Equinet-Analyst rechnet auch im vierten Quartal mit Abschreibungen, vor allem in der Produktion von Solarmodulen. Das wiederum würde das Eigenkapital zum Jahresende noch einmal verringern.

Im Dezember kursierten nach Aussage von Freudenreich bereits Gerüchte im Markt, dass Solarworld die so genannten Covenants brechen könnte. Hierbei handelt es sich um bilanzielle Relationen, beispielsweise das Verhältnis von Schulden zum Eigenkapital. Kann ein Schuldner diese Vertragsklauseln nicht mehr erfüllen, drohen höhere Zinsen oder gar eine außerordentliche Kündigung des Kredits durch den Gläubiger.

Viel zu holen ist für die Gläubiger nach Ansicht Freudenreichs jedoch nicht. Zwar verfüge Solarworld über Anlagevermögen, dies seien aber vor allem die Produktionsanlagen. Deren Wert sieht der Analyst „nahe bei null". Denn angesichts des Preisdrucks auf Solarmodule und der weltweiten Überkapazitäten in der Branche dürfte es hierfür kaum Interessenten geben.

Es sei schon erstaunlich, sagt Freudenreich, dass Anleger für die Solarworld-Aktie noch mehr als einen Euro bezahlen. „Hierbei handelt es sich wohl vor allem um Überzeugungsaktionäre", lautet seine Vermutung. In erster Linie Privatanleger, die sich von dem Papier nicht trennen wollten.

Kontakt zum Autor: benjamin.krieger@dowjones.com

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