• The Wall Street Journal

Der Kampf gegen Apples iPhone geht in die nächste Runde

    Von ANTON TROIANOVSKI und THOMAS GRYTA

Das iPhone hat auf dem US-Markt zum Jahresende noch mal richtig abgesahnt. Doch hinter all den tollen Zahlen zeichnet sich ein Bild ab, das Apple gar nicht gefallen dürfte. Auf einem sich schnell verändernden Markt könnte die Dominanz des US-Unternehmens immer weiter zurückgehen.

AT&T erklärte am Donnerstag, man habe im vierten Quartal 8,6 Millionen iPhones aktivieren können und insgesamt 10,2 Millionen Smartphones verkauft. Schon vor dem zweitgrößten US-Mobilfunkanbieter hatte Marktführer Verizon Wireless in dieser Woche berichtet, dass zwei Drittel aller im vierten Quartal aktivierten 9,8 Millionen Smartphones von Apple gekommen seien.

REUTERS

135,8 Millionen iPhones konnte Apple im vergangenen Jahr verkaufen, 46 Prozent mehr als 2011. Doch weil der Markt insgesamt weiter zulegte, konnte das US-Unternehmen seine Anteile nicht ausbauen.

Diese Zahlen unterstreichen frühere Berichte, wonach das iPhone in den USA weiterhin das beliebteste Smartphone ist. Doch Apple muss in Zukunft mehr tun, um sein teuerstes Modell den Kunden schmackhaft zu machen.

Verizon hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass mehr als die Hälfte aller im vierten Quartal verkauften iPhones ältere Modelle gewesen sind, die deutlich vergünstigt angeboten wurden.

Dane Scism ist Verizon-Händler in den USA. Er besitzt fast 600 Läden überall im Land. Scism erklärt, viele Kunden hätten sich für das iPhone 4 oder das iPhone 4S entschieden, weil sie beim iPhone 5 nicht genügend Mehrwert erkannt hätten, um einen teureren Preis zu bezahlen. Viele Besucher seiner Läden hätten sich auch für konkurrierende Geräte mit Googles Android-Software oder für Smartphones von Nokia mit dem Windows Phone-Betriebssystem von Microsoft entschieden. „Viele Menschen sind anscheinend davon ausgegangen, dass Apple den Smartphone-Markt komplett dominieren würde", sagt Scism. „Doch wir können das nicht feststellen."

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With Apple's share price nearing 52-week lows, growth-minded investors are selling to value investors, who are drawn to the stock's valuation and potential for a dividend hike. MarketWatch's Laura Mandaro and Jonathan Burton discuss. (Photo: Getty)

Am Donnerstag fiel der Aktienkurs von Apple um zwölf Prozent auf 450,50 US-Dollar. Investoren zeigten sich von den Quartalszahlen enttäuscht. Trotz eines Umsatzwachstums von 18 Prozent blieben die Erlöse auf dem gleichen Niveau.

Natürlich kann man von einem Bruchstück des US-Marktes noch längst nicht auf die weltweiten Entwicklungen schließen. Apple-Chef Tim Cook erklärte Investoren am Mittwoch, dass das Verhältnis beim Verkauf von alten und neuen iPhone-Modellen in den zurückliegenden Monaten dem aus dem Vorjahr geglichen habe.

Auch wenn Apple mit dem Verkauf von älteren iPhones weniger Geld einnimmt, so ist die Gewinnspanne doch vergleichbar, sagt ISI Group-Analyst Brian Marshall. Und Apple hat schon immer behauptet, dass der Verkauf irgendeines Apple-Gerätes immer auch zu weiteren Verkäufen führe.

Außerdem, so fügt Scism hinzu, sei das iPhone 5 während der Weihnachtszeit wegen Problemen in der Lieferkette häufig nicht verfügbar gewesen. Im Januar dann, als sich die Lage gebessert hatte, seien mehrheitlich die neueren Modelle verkauft worden.

AT&T hat im vierten Quartal zwar mehr iPhones aktiviert als Verizon. Doch im Kampf um neue Vertragskunden liegt das Unternehmen hinten. AT&T konnte in den drei Monaten bis Ende Dezember 2012 780.000 neue Kunden unter Vertrag nehmen, die für zusätzliche Einnahmen im Umfang von etwa 1,4 Millionen Dollar sorgen dürften. Zum Vergleich: Verizon fügte im gleichen Zeitraum 2,1 Millionen Vertragskunden hinzu, über das ganze Jahr gesehen sogar 5 Millionen.

Smartphone-Verkäufe waren für 89 Prozent aller an Vertragskunden verkauften Mobiltelefone bei AT&T im vierten Quartal verantwortlich. Die Entscheidung von Apple, ältere Modelle durch Mobilfunkanbieter mit Nachlass oder sogar kostenlos an die Kunden weitergeben zu lassen, hat dafür gesorgt, dass das iPhone von noch mehr Menschen gekauft wurde. AT&T hat nicht mitgeteilt, welches Modell sich wie häufig verkauft hat.

Apple steht auch international mit seinem iPhone vor einer Bewährungsprobe. Denn die Nachfrage nach billigeren Smartphones wird immer größer. Weltweit wurden laut Schätzungen von International Data Corp im vergangenen Jahr 39 Prozent mehr Smartphones verkauft als noch zuvor. Laut Strategy Analytics waren es sogar 43 Prozent mehr. 700 Millionen Geräte wurden danach im Jahr 2012 verkauft. Mehr als die Hälfte davon stammte von Samsung und Apple.

Die Südkoreaner konnten 213 Millionen Geräte verkaufen und sich damit rund 30 Prozent des Marktes sichern. „Trotz all der Gerichtsverhandlungen und der Konkurrenz in den Regalen ist es Samsung gelungen, kontinuierlich weitere Hit-Modelle vorzustellen, darunter das Galaxy Note II und das Galaxy Y", schreiben Strategy Analytics in einem Blogeintrag.

Apple konnte im gleichen Zeitraum um 46 Prozent auf 135,8 Millionen verkaufte iPhones zulegen. Damit blieb man jedoch bei einem Marktanteil von etwa 19 Prozent – genauso viel wie im Vorjahr. Nokia bleibt weltweit der drittgrößte Smartphone-Verkäufer. Der Marktanteil ging jedoch von 15 Prozent in 2011 auf jetzt nur noch fünf Prozent zurück.

Apple bekommt immer mehr Druck vom südkoreanischen Elektronikgiganten Samsung. Das Unternehmen aus Fernost lässt seine Muskeln spielen und bewirbt Mobiltelefone zu unterschiedlichen Einstiegspreisen aggressiv und weltweit. Doch auch Hersteller aus China und anderen Ländern können mit günstigeren Geräten immer neue Erfolge vorweisen.

Selbst in den USA sieht sich Apple immer stärker der Konkurrenz ausgesetzt. Mobiltelefone mit Android-Betriebssystem können bei der Beliebtheit zulegen, und Samsungs Marketingabteilung ist es gelungen, unter dem Begriff „Galaxy" eine eigene Smartphone-Marke zu etablieren.

Erste Erfolge für Microsoft

Laut Scism kann auch Microsoft bei seinen Bemühungen, auf dem Smartphone-Markt wieder Fuß zu fassen, erste Erfolge verzeichnen. Das Nokia Lumia 822, auf dem das mobile Windows-Betriebssystem d zum Einsatz kommt, habe in den Geschäften von Scism am Wochenende nach Weihnachten danke einer Rabattaktion 17 Prozent aller Verkäufe auf sich vereint.

Apples Erfolg in den USA wurde zu einem Großteil getragen von der Bereitschaft der Mobilfunkanbieter, das iPhone deutlich zu subventionieren. Doch unter dem Druck der Investoren rücken immer mehr von dieser Taktik ab. Die Nummer 4 auf dem Markt, T-Mobile USA, hat bereits erklärt, dass man in diesem Jahr damit aufhören wolle, Smartphones günstiger als im Einkauf anzubieten. Stattdessen will man den Kunden zinsfreie Finanzierungsmöglichkeiten anbieten. Die Marktführer müssen noch folgen. Doch AT&T-Chef Randall Stephenson lobte am Donnerstag den Schritt der Konkurrenz und erklärte, man werde „die Versuche beobachten".

—Mitarbeit: Ian Sherr und Ina Fried

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