• The Wall Street Journal

Michael Dell wartet auf den Pannen-Dreamliner

    Von JON OSTROWER und DANIEL MICHAELS

Michael Dell steht auf der Liste der Kunden des Dreamliners von Boeing . Der millionenschwere Gründer des Computerkonzerns Dell könnte von den derzeitigen Problemen bei dem Riesenjet also ebenfalls betroffen sein.

Der PC-Tycoon hat einen Vertrag mit International Lease Finance Corp., eine Einheit des Versicherers AIG, unterschrieben, die ihm einen Dreamliner bereitstellen wird. Das sagten mit der Sache vertraute Personen. Eine der beiden Personen erklärte, dass der Dell-Chef das Flugzeug von ILFC kaufen wird. ILFC ist die weltweit zweitgrößte Flugzeugleasing-Firma nach GE Capital Aviation Services von General Electric, dem größten Käufer von 787-Flugzeugen.

Es konnte nicht festgestellt werden, ob Dell selbst der Käufer ist oder MSD Capital LP, die Firma, die das Multimilliarden-Dollar-Vermögen der Familie Dell verwaltet. Möglich ist, dass MSD Capital das Flugzeug als Investition erworben hat, nicht als Privatjet für Michael Dell. Dell reagierte nicht sofort auf eine E-Mail mit der Bitte um Stellungnahme. Sprecher von MSD Capital und Dell wollten sich nicht äußern.

Laut Dokumenten für die Börsenaufsicht besitzt Dell derzeit ein eigenes privates Flugzeug, und der Computerhersteller übernimmt einen Teil der Kosten, die insgesamt 2,3 Millionen Dollar im Geschäftsjahr 2012 betrugen.

Zuvor wurde Michael Dell bereits in einer Flugzeug-Datenbank als Anteilseigner verschiedener Flugzeuge von NetJets, einer Einheit von Berkshire Hathaway, geführt.

Dell soll seinen Dreamliner vermutlich im kommenden Jahr erhalten. Es ist unklar, wann genau der Kaufvertrag unterschrieben wurde. Doch die Unterzeichnung fand definitiv vor den aktuellen Pannen statt, die dazu führten, dass Luftfahrt-Regulierer rund um die Welt den rund 50 Dreamlinern im Einsatz Flugverbot erteilt haben. Der Kauf wurde auch vor den aktuellen Gesprächen von Dell mit der Private-Equity-Firma Silver Lake Partners über einen Buy-Out von den Dell-Aktionären vereinbart.

Einen derartig großen Jet – eine 787 kann 250 Passagiere befördern – für Privatreisen zu nutzen, wäre ungewöhnlich aber nicht beispiellos. Die beiden Google -Gründer Sergey Brin und Larry Page haben 2005 eine Boeing 767-200 gekauft, und mehrere reiche Familien im Nahen Osten nutzen Boeings Jumbojet oder große Flugzeuge von der EADS-Abteilung Airbus. Einige von Boeings 747-8 – das größte Flugzeug des US-Herstellers – wurden von Staatsoberhäuptern im Nahen Osten bestellt.

Der vielleicht größte Auftrag für einen Privatjet kommt vom saudischen Prinz al-Walid ibn Talal Al Saud, der bereits eine 747 fliegt. 2007 bestellte er einen Doppeldecker-A380, das größte Passagierflugzeug der Welt. Es hat einen Katalogpreis von rund 400 Millionen Dollar.

Die Bundesluftfahrtbehörde der Vereinigten Staaten und andere Behörden in den USA und in anderen Ländern untersuchen derzeit Fehlfunktionen unter anderem der Lithium-Ionen-Akkus bei zwei Dreamlinern in diesem Monat, darunter ein Feuer an Bord eines wartenden Dreamliners von Japan Airlines am 7. Januar und ein ähnliches Ereignis bei einer 787 bei All Nippon Airways neun Tage später, das die Piloten der Maschine zu einer Notladung zwang.

dapd

Michael Dell, Firmengründer und Aufsichtsratsvorsitzender des US-amerikanischen Computerherstellers Dell.

Boeing hat bislang 50 Dreamliner ausgeliefert – an Fluggesellschaften rund um die Welt. Das Flugzeugleasing-Unternehmen ILFC hat 74 Dreamliners bestellt, von denen sechs dieses Jahr erwartet werden. Allerdings könnten die derzeitigen Probleme die Auslieferung verzögern. Einer dieser Dreamliner von ILFC, dessen Auslieferung für dieses Jahr angesetzt ist, ist für einen anderen Prominenten gedacht, dessen Identität nicht bekannt gemacht wurde. Er oder sie wird vermutlich der erste private Besitzer eines Dreamliners sein.

Bis zum 13. Dezember hatte Boeing zwölf Bestellungen für Business-Jet-Versionen des 787, der laut Listenpreis für 200 Millionen Dollar verkauft wird. Nicht enthalten sind die zehn Millionen Dollar für die Inneneinrichtung und Annehmlichkeiten wie Betten, Holzvertäfelung und ausgefeilte Satelliten-Kommunikationstechnik.

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