• The Wall Street Journal

US-Kasinos schauen Zockern auf die Finger

    Von KATE O'KEEFFE und ALEXANDRA BERZON
Reuters

Das Sands-Kasino im Macao steht unter Geldwäscheverdacht-

Der Kasinobetreiber Las Vegas Sands muss seine besten und finanzstärksten Kunden einer strengeren Prüfung unterziehen, seit US-Behörden dem Unternehmen vorwerfen, Geldwäsche zu vereinfachen. Aktuell hat das Unternehmen sogar entschieden, keine grenzüberschreitenden Überweisungen mehr für seine reichsten Zocker abzuwickeln.

Las Vegas Sands ist nicht das einzige Unternehmen, das die Behörden unter die Lupe nehmen. Das amerikanische Amt für Geldwäschebekämpfung untersucht derzeit die gesamte Kasinobranche und zieht dabei in Erwägung, strengere Regeln im Gesetz zu verankern, berichten Vertreter des Finanzministeriums.

Sands hat kürzlich drei ehemalige FBI-Beamte angeheuert, um aggressiver gegen Geldwäsche vorzugehen und die Leumundsprüfung der VIP-Kunden und Junket-Betreiber zu verbessern, berichten mit dem Vorgehen vertraute Personen.

Junkets sind eine Art Reiseagentur für reiche Glücksspieler. Sie organisieren Besuche bei Kasinos im Ausland und bieten Kredite für Wetteinsätze an. Das Sands-Kasino in Macao macht 70 Prozent seiner Glücksspielumsätze durch Junkets. Einer der drei ehemaligen FBI-Agenten soll sich speziell um die Geldwäsche in Macao kümmern, die anderen beiden sind jeweils für Las Vegas und Singapur verantwortlich.

Sands bestreitet Vorwürfe

Der Kasinobetreiber hat neuerdings außerdem verboten, dass Glücksspieler unter einem Decknamen Geld an ein Kasino überweisen, berichtet eine mit der Entscheidung vertraute Person.

Sands verhandelt schon seit längerem mit den Aufsichtsbehörden über eine Ermittlung wegen Geldwäsche. Angeblich habe das Kasino die Behörden nicht wie gesetzlich vorgeschrieben über die verdächtigen Transaktionen zweier Kunden informiert, berichten mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Sands hofft, durch die eigenen neuen Regeln zur Geldwäschebekämpfung eine Einigung mit den Ermittlungsbehörden zu vereinfachen. Außerdem laufen Ermittlungen gegen Sands, weil das Unternehmen in China angeblich Bestechungsgelder gezahlt habe. In beiden Fällen leugnet Sands, gegen Gesetze verstoßen zu haben.

„Die Welt verändert sich. Es gibt heute mehr Leute in der Regierung, die diese Vorgänge untersuchen", sagt Mike Leven, Vorsitzender von Las Vegas Sands. „Immer mehr Geld bewegt sich über internationale Grenzen hinweg, und die Behörden schauen genauer darauf, wo dieses Geld herkommt und wohin es überwiesen wird."

Sands und andere Kasinobetreiber haben es wichtigen Kunden in der Vergangenheit erlaubt, manchmal sogar mehrere Millionen Dollar auf einmal in ausländischen Konten zu deponieren und in Kasinos in einem anderen Land damit zu zocken, zeigen Kasinomitarbeiter und Dokumente, die dem Wall Street Journal vorliegen. Die Kasinos sagen, Geldwäsche sei dadurch nicht möglich.

Meldepflicht für verdächtige Transaktionen

Doch die Polizei glaubt, dass solche Transaktionen ohne genaue Angaben über die Quelle der Gelder und andere Informationen, die heimische Banken einfordern, leicht für Geldwäsche missbraucht werden könnten.

Vertreter anderer amerikanischer Kasinobetreiber, die ebenfalls Kasinos in Macao betreiben – darunter MGM Resorts International und Wynn Resorts – sagen, ihre Anti-Geldwäsche-Mechanismen passten sich stetig den Bedingungen an. Große Reformen seien daher nicht nötig. Beide Unternehmen nutzen nach eigenen Angaben Firmenkonten, um Gelder für ihre Kunden zu überweisen. Diese Transaktionen entsprächen den US-Vorschriften.

Kasinos müssen nach dem amerikanischen Gesetz genau wie Banken verdächtige Transaktionen melden. Nach den möglichen neuen Gesetzen, die die US-Behörden in Betracht ziehen, müssten Kasinos Ausweisdokumente von finanzstarken Kunden verlangen und die Quelle ihrer Wetteinsätze genauer überprüfen, berichten mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Diese möglichen neuen Gesetze haben in der Kasinobranche für Aufruhr gesorgt. Kasinos sehen sich mehr als Verbrauchergeschäft und weniger als eine Bank: „Wenn jemand in ein Kaufhaus kommt und sich dort eine Handtasche für 20.000 Dollarkauft, fragt dann auch jemand, wo das Geld herkommt?", fragt ein hochrangiger Vertreter eines wichtigen Kasinos in Las Vegas.

System angezweifelt

Vergangenes Jahr berichtete das Wall Street Journal über mehrere Geschäftspartner von Sands, die angeblich zu kriminellen Organisationen gehörten und laut den Büchern des Kasinobetreibers Geld zwischen den Kasinos in Las Vegas und Macao überwiesen. Solche Transaktionen werden bei Sands bald nicht mehr möglich sein. In den drei Jahren zwischen 2007 und 2010 hat Sands 118 Millionen Dollar auf diesem Weg übertragen, zeigt eine Kopie der Bücher, die dem Wall Street Journal vorliegen.

Sands will sich zu diesen Transaktionen nicht äußern. Ein Sprecher sagte jedoch, dass das Unternehmen glaubt, immer richtig gehandelt zu haben.

Doch sogar innerhalb des Unternehmens hatten Angestellte von Las Vegas Sands das System angezweifelt, da es womöglich das Bankensystem unrechtmäßig umging. Das Unternehmen wollte sich dazu nicht äußern. „Wir bleiben bei unserer Position, dass wir das Gesetz nicht gebrochen haben und dass wir nach den Vorschriften gehandelt haben", sagt Leven.

—Mitarbeit: James V. Grimaldi

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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