• The Wall Street Journal

Telekom-Kunden sollen sich Internet teilen

    Von STEPHAN DÖRNER und ARCHIBALD PREUSCHAT

Die Deutsche Telekom will einen Anteil am spanischen WLAN-Betreiber Fon kaufen, um den explodierenden Datenraten bei der mobilen Internetnutzung Herr zu werden, sagten mit der Sache vertraute Personen dem Wall Street Journal Deutschland. Ein Telekom-Sprecher wollte dazu nicht Stellung nehmen.

Der deutsche Marktführer und der spanische WLAN-Betreiber, der 2006 von dem argentinischstämmigen Telekommunikationsunternehmer Martin Varsavsky gegründet wurde, haben bereits eine Absichtserklärung über einen Einstieg der Telekom bei Fon unterschrieben, sagten Eingeweihte. Preis und Größe der Beteiligung blieben aber unklar.

dapd

Fon-Gründer Martin Varsavsky.

Hintergrund für die Zusammenarbeit ist die zunehmende Auslastung der Mobilfunknetze durch die wachsende Anzahl von Smartphones und Tablets sowie die vermehrte Nutzung von Cloud-Diensten.

Weltweites Netzwerk aus WLAN-Hotspots

Das Ziel von Fon ist es, ein möglichst flächendeckendes Netzwerk aus WLAN-Hotspots aufzubauen, um den Kunden die Nutzung von drahtlosen Internet-Zugängen zu ermöglichen, ohne auf Mobilfunknetzwerke zurückzugreifen. Die Kunden profitieren dadurch von einem schnelleren Internetzugang und der Vermeidung von Roaming-Kosten im Ausland. Um das Netzwerk bereitzustellen nutzt Fon die WLAN-Router von Privatpersonen, die bereit sind, ihren Breitbandinternet-Anschluss mit anderen zu teilen. Im Gegenzug können sie andere Fon-Zugänge kostenlos nutzen und erhalten einen nicht offengelegten Anteil an den Umsätzen von Nicht-Mitgliedern, die ihren Zugang nutzen.

Nach Angaben des in Madrid ansässigen Unternehmens stellt Fon weltweit sieben Millionen WLAN-Hotspots zur Verfügung und ist das größte Drahtlos-Netzwerk der Welt.

Erster Vorstoß in Deutschland scheiterte

Fons erster größerer Vorstoß auf den deutschen Markt scheiterte allerdings vor etwa sechs Jahren. Im Gegensatz dazu ist Fon der Aufbau eines relativ dichten Netzwerks in Großbritannien und Belgien gelungen. Eine ansehnliche Anzahl an Teilnehmern besitzt Fon außerdem in den Niederlanden, Portugal und Japan.

Vergangenen Mittwoch verkündete Fon außerdem eine Partnerschaft mit dem niederländischen Telekommunikationsanbieter KPN. KPN-Kunden können seit dem einen Teil ihrer Bandbreite anderen Nutzern zur Verfügung stellen - im Austausch für freien Zugriff auf die Hotspots anderer Fon-Kunden rund um die Welt. Für Fremde wird dabei ein eigenes WLAN-Signal ausgestrahlt, wodurch die Sicherheit der eigenen WLAN-Verbindung garantiert werden soll.

Datenverkehr nimmt massiv zu

Das Ausweichen auf WLAN-Netze, bei denen Festnetz-Internet-Anschlüsse unter Kunden geteilt werden, hilft den Mobilfunkprovidern dabei, den explodierenden Datenverkehr in den Mobilfunknetzen zu entlasten. Nach einer Schätzung des schwedischen Netzwerkausrüsters Ericsson wird sich die monatliche Datennutzung eines durchschnittlichen Smartphones von 450 Megabyte heute auf 2 Gigabyte 2018 mehr als vervierfachen. Der Netzwerkverkehr von Tablet-PCs wird demnach von derzeit monatlich 3 Gigabyte auf monatlich 10 Gigabyte in fünf Jahren ansteigen.

Die Deutsche Telekom kündigte Ende vergangenen Jahres große Investitionen vor allem in Deutschland und den USA an. Aufgrund der hohen Investitionen wurde die Dividende für die Aktionäre gekappt. Allein in Deutschland wird die Telekom ihre Investitionen von 2014 bis 2016 von einer Milliarde Euro auf 4,5 Euro aufstocken. Die Investitionen fließen vor allem in Breitbandverbindungen sowie schnellere und effizientere Mobilfunknetzwerke der vierten Generation.

Kontakt zum Autor: stephan.doerner@dowjones.com

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