• The Wall Street Journal

Unternehmensanleihen kommen unter Druck

    Von RICHARD BARLEY

Die Party am Markt für europäische Unternehmensanleihen geht allmählich zu Ende. In Euro denominierte Unternehmensanleihen mit Investment-Rating haben seit 2009 ansehnliche Renditen eingebracht - im vergangenen Jahr waren es satte 13,6 Prozent. Aber in diesem Jahr sieht es bisher mit minus 0,5 Prozent nicht so gut aus. Die Anleger sollten nicht erwarten, dass schon bald wieder die Tanzmusik aufgelegt wird.

Viele Faktoren, die den Bullenmarkt bei den Unternehmensanleihen angetrieben haben, scheinen sich gerade umzukehren. Nachdem die Unternehmen jahrelang ihre Bilanzen ordentlich gemanagt haben, beginnt die Kreditqualität jetzt wieder abzunehmen. Die Unternehmen erwägen wieder Aktienrückkäufe, Übernahmen und Fusionen. Zudem gibt es Sorgen um die Rückkehr der Unternehmenskäufe mittels Fremdkapital. Liberty Globals Kauf von Virgin Media und die Spekulation um eine Übernahme des Telekomunternehmens Everything Everywhere haben die Anleihekurse belastet.

reuters

Telekomkonzerne sind besonders in der Klemme - hier Telecom Italia.

Gleichzeitig stehen einige große Branchen vor fundamentalen Problemen. So stehen bei Telekomkonzernen wie KPN und Telecom Italia die Ratings unter Druck. Autohersteller wie Peugeot müssen ihr Geschäft umbauen und Versorger hohe Investitionsausgaben stemmen. Unternehmen in Südeuropa müssen zudem in ihren Heimatmärkten weiter mit der hartnäckigen Rezession zurechtkommen.

Auch die Liquidität sorgt für Unruhe. Die Milliardenflut aus den Notenbanken, die die Anleihepreise in den vergangenen fünf Jahren gestützt hat, ist zwar noch immer da. Aber neue Regulierungsauflagen, die Banken die Market-Making-Aktivitäten verteuern, fordern ihren Tribut bei der Liquidität am Unternehmensanleihemarkt.

Zudem ziehen bei den europäischen Staatsanleihen die Renditen, die sich gegenläufig zum Kurs entwickeln, wieder an. Das sorgt auch bei den Unternehmens-Pendants für Aufwärtsdruck. Das könnte zwar durch eine geringere Renditespanne zwischen den beiden Anleiheklassen aufgefangen werden, zumal die mit derzeit 1,5 Prozentpunkten deutlich größer ist als vor der Krise, als sie bei 0,5 Prozentpunkten lag. Aber die Anleger können sich für Anleihewetten jetzt nicht mehr so risikolos verschulden wie noch zuletzt, und systemische Risiken wurden während des Booms nicht ausreichend eingepreist. Es scheint daher unwahrscheinlich, dass die engen Spreads aus Vorkrisenzeiten wieder erreicht werden können.

Das bedeutet nicht, dass der europäische Markt für Unternehmensanleihen auf einen Crash zuläuft. Wenn die Eurokrise wieder aufflammen sollte, könnten diese erneut sicherer erscheinen als Aktien. Aber Anleger müssen sich bewusst sein, dass der Markt seine besten Tage wohl hinter sich hat.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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