• The Wall Street Journal

Kartellamt nimmt Amazon ins Visier

    Von MATTHIAS GOLDSCHMIDT

Amazon kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen heraus. Nachdem der Skandal um die Arbeitsbedingungen bei dem Internet-Händler hohe Wellen geschlagen hat, tritt nun auch das Bundeskartellamt auf den Plan. Die Behörde will prüfen, ob der US-Konzern jene Händler fair behandelt, die ihre Waren in Deutschland über den Amazon-Marketplace anbieten. Dazu haben die Kartellwächter eine Befragung von 2.400 Händlern gestartet.

Die Behörde zielt dabei auf die sogenannte Preisparitätsklausel ab. Amazon untersagt es den Händlern, ein auf Marketplace angebotenes Produkt an anderer Stelle im Internet günstiger anzubieten, beispielsweise bei Ebay oder in eigenen Online-Shops.

Diese Klausel könnte gegen das allgemeine Kartellverbot verstoßen, meint Kartellamtschef Andreas Mundt. Das gelte vor allem, wenn die Beschränkung, die Preise frei festzusetzen, den Wettbewerb zwischen den verschiedenen Internet-Marktplätzen einschränkt. "Hierfür spricht einiges, da die Händler unter normalen Umständen ja ein Interesse haben, ihre Waren auf mehreren Marktplätzen im Internet anzubieten", so Mundt in einer Pressemitteilung.

Zu hohe Gebühren?

Wenn die Händler ihre Waren über eine bekannte Plattform wie Amazon feilbieten, müssen sie dem Betreiber dieses Marktplatzes eine Gebühr bezahlen, zum Beispiel einen bestimmten Prozentsatz des Verkaufspreises. Günstigere Konditionen bei einer anderen Internetplattform können die bei Amazon aktiven Händler nicht in einen niedrigeren Preis einfließen lassen, weil Amazon dies untersagt. Dies macht es Amazon-Wettbewerbern schwerer, selbst eine hohe Reichweite zu erlangen. So besteht laut Kartellamt die Gefahr, dass der US-Konzern hohe Händlergebühren durchsetzt, was wiederum insgesamt zu einem höheren Preisniveau zu Lasten des Verbrauchers führen könnte.

Sollte sich der Verdacht durch die Ermittlungen bestätigen, könnte Amazon dazu verpflichtet werden, die Preisparitätsklausel aus ihren Teilnahmebedingungen zu streichen, so die Behörde.

Seit einer ARD-Enthüllungsreportage vergangene Woche, in der es um die Schikane von bei Amazon beschäftigen Leiharbeiter ging, kommt Amazon nicht mehr aus den Negativ-Schlagzeilen heraus. Mittlerweile hat sich Amazon von dem Sicherheitsdienst getrennt, dessen Mitarbeiter die Leiharbeiter getrietzt haben sollen. Außerdem kündigte das Unternehmen an, auch die Zusammenarbeit mit dem Logistik-Dienstleister zu beenden, "der für Unterbringung, Transport und den Einsatz der Sicherheitskräfte bei unseren Zeitarbeitskräften verantwortlich war".

Die ARD-Sendung trat einen Verbraucherboykott gegen Amazon in Deutschland los. Deutschland ist nach den USA der zweitwichtigste Markt für den Internethändler. Das Unternehmen erwirtschaftete hier im vergangenen Jahr 8,7 Milliarden Dollar seines weltweiten Umsatzes von 61 Milliarden Dollar. Auch das Bundesarbeitsministerim schaltete sich ein und verlangte nähere Informationen zur Beschäftigung der Leiharbeiter.

Kontakt zum Autor: matthias.goldschmidt@dowjones.com

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