• The Wall Street Journal

Lufthansa setzt mit Dividendenausfall ein Signal

    Von KIRSTEN BIENK

Nach der angekündigten Dividendenstreichung ist die Aktie der Deutschen Lufthansa auf Talfahrt gegangen. Eine leichte Senkung war erwartet worden, nicht aber ein Ausfall. Doch langfristig könnte die Entscheidung den Weg zu einer höheren Rentabilität eröffnen und ausreichend Mittel für die notwendigen Investitionen frei machen, sagen Analysten. Und dem Kurs neuen Auftrieb geben.

Neben wirtschaftlicher Logik ist der Dividendenverzicht auch ein "politischer Schritt", wie es Commerzbank -Analyst Frank Skodzik formuliert. Die Manager machen damit deutlich, dass sie es mit der Restrukturierung sehr ernst meinen und nicht nur Mitarbeiter, sondern auch die Eigentümer in die Pflicht nehmen.

Die Lufthansa nimmt nun auch ihre Aktionäre in die Pflicht und streicht die Dividende. Da auch das operative Geschäft 2012 flau gelaufen ist, kommt die Aktie am Mittwoch kräftig unter die Räder.

Das eingesparte Geld - für 2011 betrug die Ausschüttungssumme 114,5 Millionen bei 0,25 Euro Dividende je Aktie - will Lufthansa-Chef Christoph Franz im Unternehmen investieren. Ganz oben auf der Liste steht die Flottenmodernisierung, wenngleich die wegfallende Dividende angesichts der fälligen Beträge nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Rund 9 Milliarden Euro will der Vorstand für acht Langstrecken- und einhundert Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge ausgeben, die zwischen 2015 und 2025 geliefert werden. Ein notwendiger Schritt, so ein Analyst, der der Lufthansa jetzt etwas leichter fallen werde. Insgesamt hat die Airline 239 Flugzeuge mit einem Listenpreis von insgesamt 23 Milliarden Euro bestellt.

Nicht nachvollziehen kann dagegen die DZ Bank den Ausfall der Ausschüttung. Die Begründung, dass das Unternehmen in den nächsten zehn Jahren jährlich im Schnitt rund 900 Millionen Euro in Flugzeuge investieren müsse, sei wenig überzeugend. Nach der Einführung des Sparprogramms Score sollten diese Investitionen eigentlich aus dem operativen Kapitalfluss finanziert werden, gibt die Bank zu bedenken.

Lufthansa will nicht die Substanz angreifen

CEO Franz hatte wiederholt betont, dass die Lufthansa derzeit zu wenig Geld verdiene. Die erzielten Gewinne reichten nicht für alle notwendigen Investitionen in neue Strecken und Flugzeuge aus. Aus diesem Grund hatte er das Sparprogramm Score aufgelegt, mit dem er das operative Ergebnis bis 2015 um 1,5 Milliarden Euro verbessern will. Damit solle verhindert werden, dass die Airline an ihrer Substanz zehrt.

dapd

Service wird bei der Lufthansa nach wie vor groß geschrieben. Billigflieger und Golf-Airlines machen dem deutschen Konzern aber das Leben schwer.

Trotz vieler positiver Kommentare von Analysten und Kurszielanhebungen gibt die Aktie der Lufthansa am Mittwoch deutlich nach. Händler hatten dies am Morgen geahnt. "Kurzfristig wird das bei einigen für üble Stimmung und wahrscheinlich Abstufungen sorgen", sagte ein Händler. Immerhin hätten Analysten im Mittel mit einer Dividende von rund 0,22 Euro je Aktie gerechnet.

Händler setzen aber auf eine baldige Kurserholung. Anleger dürften die fallenden Kurse als Kaufgelegenheit nutzen, so die Vermutung. Wenn der Dividendenschock verdaut sei, werde stärker ins Blickfeld rücken, dass das Unternehmen mit seinem Sparprogramm die richtigen Schritte eingeleitet habe. Und danach sehe es derzeit aus, sagt Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Die Lufthansa habe wie angekündigt etwas mehr Geld umgesetzt als im Vorjahr, aber wegen der Restrukturierungskosten operativ weniger verdient. Alles in allem befinde sich der Luftfahrtkonzern aber auf dem richtigen Weg.

Dies sieht auch die Deutsche Bank so. Sie rechnet in den kommenden drei Jahren mit deutlich höheren Gewinnen und empfahl die Aktie Anfang der Woche mit einem von 12,50 auf 19 Euro erhöhten Kursziel zum Kauf. Auf die Frage, ob sich diese Einschätzung nach den neuen Informationen ändern wird, hielt sich die Bank bedeckt.

Sondererlöse retten das Nettoergebnis

Die Lufthansa hatte am Dienstagabend überraschend Eckdaten des abgelaufenen Geschäftsjahres genannt. Operativ verdeutlichte der um über ein Drittel auf 524 Millionen Euro gesunkene Betriebsgewinn die angespannte Lage. Allein das Sparprogramm Score kostete 160 Millionen Euro, dazu kamen die hohen Kerosinpreise und der anhaltend scharfe Wettbewerb durch Billigflieger und die Staatsairlines von den Golf-Anrainern.

Unterm Strich sieht es nur wegen der Sondererlöse aus Beteiligungsverkäufe besser aus - etwa die 300 Millionen Euro brutto aus dem Aktienpaket am Reisebuchungssystem Amadeus. Damit war das Nettoergebnis mit 990 Millionen Euro deutlich positiv nach einem Verlust von 13 Millionen Euro im Vorjahr.

Mit dem Milliardengewinn will der Lufthansa-Vorstand auch die Bilanz stärken und dem erwarteten Rückgang des Eigenkapitals vorbeugen. Werde nicht gegengesteuert, so ein Analyst, könnte das gute Rating der Airline gefährdet sein, was die Kreditkosten erhöhen würde. "Insofern ist dieser Schritt vollkommen richtig." Auslöser sind ab diesem Jahr geltende neue Buchungsvorschriften für Zahlungen an Arbeitnehmer, wie beispielsweise Pensionsrückstellungen. Wie stark die Belastungen durchschlagen werden, ließ die Lufthansa noch offen.

Die angekündigte Großbestellung von Flugzeugen wertet Metzler-Analyst Pieper als "normales Geschäft von Airlines". Er misst ihr vorerst keine große Aussagekraft bei, solange die Lufthansa nicht entschieden habe, ob die Maschinen für geplantes Wachstum oder lediglich als Ersatz für ältere Maschinen eingesetzt werden.

Kontakt zum Autor: kirsten.bienk@dowjones.com

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