• The Wall Street Journal

US-Banken sperren sich gegen Aufspaltung

    Von SUZANNE KAPNER

Die US-Geschäftsbanken sind während und nach der Finanzkrise massiv in die Kritik geraten. Sogar die Aufspaltung der großen Institute wird nach wie vor gefordert. In den Vorstandsetagen stoßen solche Vorschläge allerdings auf taube Ohren. Demgegenüber übt eine Gruppe von Aufsehern, Analysten und Anlegern kräftig Druck auf die zögerlichen Bankvorstände aus.

Der heutige Citigroup -Chairman Michael E. O'Neill gehörte laut informierten Personen zunächst zu einer Gruppe von Direktoren, die nach der Finanzkrise die drittgrößte US-Bank durchaus hätte aufspalten wollen. O'Neill wachte im vergangenen Jahr über ein großes Stühlerücken im Management und drängte auf ein breitangelegtes Sparprogramm. Doch über eine Aufspaltung des Finanzhauses wird heute kaum noch gesprochen. O'Neill hält den Zeitpunkt für ungünstig. Wegen wirtschaftlicher Risiken und nicht näher erläuterter finanzieller Erwägungen sei ein solcher Schritt momentan wenig sinnvoll. Auch wegen Unsicherheiten in der Bankenregulierung stellt O'Neill den drastischen Einschnitt derzeit hintenan.

dapd

Lichter spiegeln sich in New York in einem Schild der Bank of America.

Der Schwenk von O'Neill ist bemerkenswert. In der Vergangenheit stand er für deutlichen Umbau und Veränderung. Er verschlankte als CEO die Bank of Hawaii. Als Kandidat für den Spitzenposten plädierte er im Jahr 2009 bei der Bank of America für erheblich vereinfachte Strukturen.

Im vergangenen Sommer witterten Befürworter der Aufspaltung von Banken Morgenluft. Ausgerechnet der frühere Verwaltungsratsvorsitzende und CEO der Citigroup, Sanford Weill, schrieb sich eine Trennung von Bankaktivitäten auf die Fahnen. Dabei war er der Architekt der Megafusion, aus der die Citigroup 1998 hervorgegangen ist.

Viele Branchenbeobachter glauben, dass es bis zu einer Aufspaltung aber ein langer Weg sein wird. Das Citigroup-Management dürfte zum Beispiel im Moment wenig Handlungsbedarf sehen: Der Aktienkurs schoss seit gut einem halben Jahr um rund 70 Prozent in die Höhe. Der Börsenerfolg erschwert eine dramatische Neuausrichtung des Geldinstituts sowie seiner Konkurrenten J.P. Morgan Chase und Bank of America.

Darüber hinaus legen noch ganz andere Aspekte einer Aufspaltung Steine in den Weg. Ungeklärt bleibt etwa, welche Sparten die Banklizenzen behalten sollen. Außerdem wären erhebliche Mittel nötig, um die Investmentbanksparten als eigenständige Unternehmen zu finanzieren. Auch schreckt der Aufwand ab, die vielfach verwobenen rechtlichen Strukturen zu entflechten. Die Citigroup zögert auch mit der Aufspaltung seines globalen Netzwerk, das nur schwer wieder neu aufzubauen wäre.

Der Stillstand frustriert eine kleine, aber lautstarke Gruppe von Finanzmarktexperten. Ihr Argument: Aufspaltungen würden das Risiko von neuerlichen kostspieligen Rettungspaketen der Steuerzahler verringern. Außerdem verbesserten sich so die finanziellen Ergebnisse der Banken. Papiere der Citigroup notierten immer noch um 90 Prozent unter ihrem Höchststand von vor der Krise, gibt der Analyst Mike Mayo von CLSA Credit Agricole zu bedenken. Die Banken müssten die schwächelnden Sparten klar benennen und "etwas unternehmen".

Für eine Aufspaltung plädiert beispielsweise der Investmentfonds Trillium. Er zählt zu einer Gruppe von Anlegern, die eine Abstimmung der Aktionäre über einen solchen Schritt fordern. Gewerkschaften machen sich ebenfalls für entsprechende Maßnahmen auch beim Rivalen J.P. Morgan stark. Die Bankvorstände lehnen das ab.

Universalbanken bekommen MIlliarden vom Staat

Befürworter einer Aufspaltung stören sich auch an den mannigfachen Vorteilen der großen Universalbanken. Sie erhielten durch Absicherungen des staatlichen Einlagensicherungsfonds jährlich mehrere Milliarden Dollar Subventionen. Hinzu kommen noch die riesigen Mittel, die sie sich billig bei der US-Notenbank Fed leihen könnten.

"Sollten die riskanten Aktivitäten nicht mehr dieses Sicherheitsnetz haben, würden die Märkte dafür viel mehr Kapital verlangen", sagt der Vizepräsident der US-Einlagensicherungsbehörde (FDIC), Thomas Hoenig. "Diese Banken hält vielfach lediglich Ego und Macht zusammen, anstatt wirtschaftliche Vernunft", pflichtet die ehemalige Chefin der FDIC, Sheila Bair, Hoenig bei. Jährlich erhielten die weltgrößten Banken zusammen mehr als 700 Milliarden Dollar US-Subventionen, schätzte der Direktor für Finanzstabilität der Bank of England, Andrew Haldane, im Jahr 2009.

Bei den großen Geschäftsbanken scheint diese Kritik abzuperlen. Citigroup-CEO Michael Corbat dringt zwar im eigenen Haus auf mehr Effizienz und will auf die Kostenbremse treten. Aber ambitionierte Restrukturierungen seien vom Tisch, sagen unternehmensnahe Kreise.

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