• The Wall Street Journal

Die Fed schüttelt die Märkte kräftig durch

    Von FLORIAN FAUST

Spekulationen über ein baldiges Ende der Dollarflut und des billigen Geldes in den USA haben die Finanzmärkte am Donnerstag gründlich durcheinander gewirbelt. Dabei reagierten die globalen Märkte ohne etwas wirklich Handfestes, denn eine klare Mehrheitsfraktion im Offenmarktausschuss der US-Notenbank steht weiter hinter der ultralockeren Geldpolitik von Notenbankpräsident Ben Bernanke. Aber die „Falken" unter den Mitgliedern melden sich unüberhörbar zu Wort. Das reicht Marktteilnehmern offenbar.

Associated Press

Schon am Mittwoch reagierte die Wall Street mit Abgabedruck auf Spekulationen um das Fed-Protokoll.

„Wir sehen eigentlich keinen Grund, warum die Märkte derart heftig reagieren. Denn es gibt nichts wirklich Neues. Die jüngsten Verlautbarungen aus dem Kreis der Fed zeigen lediglich die Spaltung des Gremiums und die Konfusion unter den Mitgliedern", merken die Nordea-Analysten an. Wirkliche Hinweise auf eine Beendigung der extrem lockeren Geldpolitik fänden sich in den Fed-Aussagen nicht.

Die am Vorabend veröffentlichten Protokolle der vorangegangenen Sitzung des Offenmarktausschusses offenbaren, dass sich die Währungshüter der US-Zentralbank in zunehmendem Maße besorgt über ihre ultralockere Geldpolitik zeigen. Ein Teil der Gremiumsmitglieder plädiert für eine Anpassung des laufenden Wertpapierankaufprogramms. Im Dezember hatten die Währungshüter der Fed entschieden, jeden Monat für 45 Milliarden US-Dollar Staatsanleihen und für 40 Milliarden Hypothekenpapiere zu kaufen. Damit soll die Arbeitslosenquote unter 6,5 Prozent gedrückt werden.

Das massive Ankaufprogramm, so fürchten einige Fed-Vertreter, könnte zu Instabilität führen. Investoren und Banken könnten durch die Politik des billigen Geldes dazu verleitet werden, zu hohe Risiken zu fahren. Die Skeptiker wollen daher, dass das Volumen der Ankäufe angepasst wird, je nachdem wie sich die Wirtschaft entwickelt.

US-Dollar ist großer Profiteur

Nachdem bereits die US-Börsen mit steigendem Abgabedruck auf die Spekulationen regiert haben, folgten die Aktienmärkte in Asien und Europa. Denn die Liquiditätsschwemme aus den USA wird von vielen Marktbeobachtern für die jüngste Aktienrally mit verantwortlich gemacht. Das billige und reichlich vorhandene Geld sucht Anlagemöglichkeiten und wandert so zu großen Teilen an die Aktienbörsen. Versiegt dieser Strom, könnte es mit dem Höhenflug bei Aktien vorbei sein, so die gängige Sichtweise.

Am stärksten nach unten ging es in Asien mit den Kursen in Schanghai. Zusätzlich belastet von Sorgen über eine stärkere Regulierung des chinesischen Immobilienmarktes fiel das Marktbarometer dort um 3 Prozent, der australische Leitindex S&P/ASX-200 verlor 2,3 Prozent. In Europa fallen Dax und Euro-Stoxx-50 um knapp 2 Prozent. Zusätzlich belastet durch schwache Einkaufsmanagerindizes aus Frankreich und Deutschland.

Zu den erkennbaren Profiteuren zählte der US-Dollar, der zu Euro und Schweizer Franken aufwertet. Sollte die Federal Reserve die Ausweitung ihrer Bilanz mit frisch gedruckten Dollarscheinen begrenzen oder gar einstellen, reduzierte sich dadurch die Verwässerung des Dollars und damit letztlich die Inflationsgefahr. Der Euro fällt unter die Marke von 1,32 Dollar. Zum Franken legte der Dollar nach der Veröffentlichung der Fed-Aussagen deutlich zu. Auch zum britischen Pfund Sterling zog die US-Devise zunächst deutlich an, das Pfund erholte sich am Vormittag jedoch von den Tiefstständen.

Aus dem Rahmen fiel dabei der japanische Yen. Zunächst stützten die Fed-Spekulationen die US-Devise auch zum Yen. Dieser wertete aber in der Zwischenzeit zum Dollar auf. In der Spitze kletterte der Dollar bis knapp unter die Marke von 94 Yen, am Mittag wurde die US-Währung bei 93,22 Yen gehandelt. Auch beim Yen treiben Spekulationen den Kurs und letztlich die Erholung zum Dollar. Auf dem anstehenden Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Barack Obama und dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe könnten moderatere Töne zur Geldpolitik Japans anklingen. Hintergrund ist die geplante Freihandelszone der Pazifikanrainer mit den USA. Marktteilnehmer am Devisenmarkt spekulieren auf eine steigende Wettbewerbsfähigkeit Japans ohne zu starke Yen-Abwertung.

Kontakt zum Autor: florian.faust@dowjones.com

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