• The Wall Street Journal

Keine Streiks an NRW-Flughäfen bis Dienstag

    Von KIRSTEN BIËNK und STEFANIE HAXEL
dapd

Lange Schlangen wie hier in Düsseldorf müssen Fluggäste in NRW bis Dienstag nicht mehr fürchten.

Nach dem Streikchaos an den wichtigsten Flughäfen in Nordrhein-Westfalen am Donnerstag können Flugreisende zunächst aufatmen. Bis Dienstag sind keine weiteren Streiks beim Sicherheitspersonal in Düsseldorf und Köln/Bonn geplant, wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte. Wie es im festgefahrenen Tarifkonflikt aber weiter geht, ist unklar. Derzeit sind die Fronten nach wie vor verhärtet.

Die Gewerkschaft hat sich erst einmal eine Denkpause verordnet, um die aktuelle Situation mit ihren betroffenen Mitgliedern zu erörtern und eine neue Strategie zu beraten. Diese Unterbrechung im schon seit Januar schwelenden Arbeitskampf biete auch Raum für Gespräche, hieß es. „Wir verschließen uns nicht und stehen bereit, die Kuh gemeinsam vom Eis zu ziehen, bevor sie endgültig einbricht", erklärte die Verdi-Verhandlungsführerin Andrea Becker.

Mehr zu den Flughafen-Streiks

Seit Mittwoch hatten Passagier- und Gepäckkontrolleure in Düsseldorf und Köln/Bonn für höhere Löhne gestreikt. Die Mehrheit der Arbeitnehmer erschien auch am Donnerstag nicht zur Frühschicht, die Hälfte aller Flüge fiel am Morgen aus. Airlines wie Lufthansa und Air Berlin hatten bereits am Mittwochabend 63 Starts und 22 Landungen gestrichen und weitere Abflüge auf den späten Vormittag verlegt. Flugreisende konnten diese Maschinen pünktlich erreichen, da der Arbeitskampf bereits um 10 Uhr endete.

Die zeitliche Befristung des Streiks entschärfte die Situation auf den Flughäfen daher etwas. Die Schlangen an den Sicherheitskontrollen waren nicht ganz so lang wie an den vorangegangenen Streiktagen. Viele Reisende hatten ihre Abflüge auf einen späteren Zeitpunkt verlegt und kamen erst kurz vor dem Start an den Flughafen.

Ende der Streiks weiter nicht in Sicht

In Düsseldorf streikten Angestellte privater Sicherheitsdienste bereits zum vierten Mal. Sie legten ihre Arbeit heute um 3.30 Uhr nieder. Bis 10 Uhr waren eigentlich 147 Starts und Landungen mit rund 14.000 Passagieren geplant gewesen. Knapp die Hälfte der Flüge fiel aus. Die Langstreckenverbindungen waren davon nicht betroffen. Airlines haben bevorzugt deutsche und europäische Ziele aus dem Programm genommen.

Auf dem kleineren Flughafen Köln/Bonn war die Situation ebenfalls entspannter als an den vergangenen Streiktagen, lange Schlangen gab es nicht. Hier streikten die Beschäftigten ab 4 Uhr und bereits zum fünften Mal in den festgefahrenen Tarifverhandlungen. Von den 26 geplanten Abflügen haben die Fluggesellschaften die Hälfte aus dem Programm genommen, von 17 Ankünften fielen 8 aus. Auch hier retten sich Airlines über den Tag und verschieben diverse Verbindungen auf einen späteren Zeitpunkt. Die meisten Flüge hat Air Berlin gestrichen.

Ein Ende der Streiks im deutschen Sicherheitsgewerbe ist weiterhin nicht in Sicht. Arbeitgeber und Arbeitnehmer liegen mit ihren Vorstellungen über die Gehälter sehr weit auseinander – so weit, dass sie in Nordrhein-Westfalen im Moment nicht einmal mehr miteinander sprechen.

Dort befinden sich Wach- und Sicherheitskräfte vieler Branchen im Arbeitskampf. Die Gewerkschaft fordert für 34.000 Beschäftigte Lohnerhöhungen zwischen 2,50 und 3,64 Euro. Die Arbeitgeber hatten nach Angaben der Arbeitnehmer 40 Cent für die unterste Lohngruppe von 8,23 Euro brutto und 0,75 bis 1,14 Euro für die Flugsicherheitsassistenten angeboten.

Etwas einfacher ist die Situation in Hamburg. Hier kämpfen nur die Sicherheitskräfte in der Luftfahrt für höhere Gehälter. In anderen Branchen gibt es noch Tarifverträge. In der Hansestadt hatten die Passagier- und Gepäckkontrolleure zuletzt am Mittwoch gestreikt und rund zwei Drittel aller Starts verhindert. Tausende von Reisenden warfen entnervt ihre Pläne um und gelangten mit der Bahn oder dem Auto ans Ziel.

In Hamburg verzichten die Arbeitnehmer nun bis einschließlich Freitag auf weitere Arbeitskämpfe. Sie treffen sich am heutigen Donnerstag mit Vertretern des Arbeitgeberverbands und wollen endlich einen Kompromiss aushandeln. Verdi hofft, dass sich diese Gespräche auch positiv auf die Stimmung der Verhandlungspartner in Nordrhein-Westfalen auswirken. „Wir wollen gerne Türen öffnen", sagte Sprecher Günter Isemeyer.

Kontakt zu den Autoren: kirsten.bienk@dowjones.com und stefanie.haxel@dowjones.com

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