• The Wall Street Journal

Tiefseebohrungen sind beliebter denn je

    Von BEN LEFEBVRE

CORPUS CHRISTI – Der Boom von Schiefergas- und Öl ist voll im Schwunge. Trotzdem setzen einige Unternehmen immer noch mehrere Milliarden Dollar auf Rohölreserven tief unter dem Golf von Mexiko.

Der US-Ölriese Chevron hat eine Gegend ins Auge gefasst, die drei Hubschrauber-Stunden von der Küste in New Orleans entfernt ist. Die Ölreserven, die Geologen für vielversprechend halten, bisher jedoch kaum angezapft wurden, sind viele hundert Meter unter dem Meeresniveau begraben.

Ben Lefebvrer/The Wall Street Journal

Arbeiter montieren eine Bohrplattform von Chevron.

Diese Ölvorkommen nennt die Branche „Unteres Tertiär", nach dem Erdzeitalter, in dem sie entstanden sind. Noch haben Geologen diese Reserven nicht vollständig erforscht, doch Chevron investiert allein in die zwei bereits entdeckten Ölfelder Jack und St. Malo 7,5 Milliarden Dollar.

Das Unternehmen will eine Plattform installieren, die am Tag bis zu 177.000 Barrel Öl und Erdgas produzieren kann. Gemessen am aktuellen Ölpreis von etwa 96 Dollar pro Barrel könnte das Unternehmen dadurch in den nächsten Jahrzehnten jährlich viele Milliarden Dollar umsetzen.

Diese großen Investitionen in Tiefseebohrungen zeigen, dass Fracking den anderen Fördermethoden noch nicht komplett den Rang abgelaufen hat. Heute wird sogar wieder mehr im Golf von Mexiko gebohrt als vor der Ölkatastrophe im Jahr 2010, als die Plattform Deepwater Horizon explodierte und das Interesse der Ölfirmen an dieser Region sich vorerst abkühlte.

Tiefseebohrungen seien weit effizienter, als an Land tausende Bohrstellen anzuzapfen und sich mit hunderten von Grundstücksbesitzern auseinanderzusetzen, sagen Experten. „Wenn man die Investitionen [für eine Tiefseebohrung] einmal wieder reingeholt hat, kann man einen ordentlichen Profit machen", sagt Norm Pokutylowicz, Analyst bei Wood Mackenzie. Die Projekte im Unteren Tertiär werden voraussichtlich 20 bis 30 Jahre lang Öl produzieren.

Die erste kommerzielle Ölbohrung im Unteren Tertiär war eine Unternehmung von Royal Dutch Shell und fand im Perdido-Ölfeld nahe der texanischen Küste statt. Diese nahm Anfang 2010 ihren Betrieb auf. Analysten glauben, dass diese Reserven relativ klein und nicht mit den Ölvorkommen zu vergleichen seien, die Chevron einige hundert Kilometer weiter östlich anbohren will.

Der Kern des Unteren Tertiärs wurde erstmals vergangenes Jahr angebohrt, als ein Schiff des Konkurrenten Petroleo Brasileiro (Petrobras) begann, Öl aus den Cascade- und Chinook-Feldern zu pumpen. Diese Bohrungen beobachtet die Ölbranche jetzt gespannt.

Um das Risiko zu minimieren und trotz des Mangels an Pipelines Öl fördern zu können, entschied sich der brasilianische Ölriese, anstatt einer festen Plattform ein mobiles Förderschiff einzusetzen, das wieder bewegt werden kann, wenn die Bohrung sich nicht lohnen sollte.

Chevron ist jedoch zuversichtlich genug, um eine dauerhafte Plattform zu bauen. Steve Thurston, Vice President für Tiefseebohrungen bei Chevron, sagte in einem Interview, dass bis Ende des nächsten Jahrzehnts die Hälfte der amerikanischen Ölproduktion im Golf von Mexiko im Unteren Tertiär stattfinden könnte. „Wir bewundern immer noch, wie groß diese Ölvorkommen sind", sagt Thurston.

Die Chevron-Plattform soll auch als Ausgangspunkt für weitere Bohrungen in der Gegend dienen. Sie grenzt nicht nur an die Jack- und St.-Malo-Felder, sondern auch an das Julia-Ölfeld, das Exxon Mobil entdeckt hat.

—Mitarbeit: Ángel González

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Haus der Woche

  • [image]

    Hippe Box aus Licht und Glas in Venice Beach

    Ein Haus aus Licht und Glas, nur einen Steinwurf von dem bunten Treiben auf der Promenade von Venice Beach entfernt, ist unser Haus der Woche. Von der Couch aus blickt man hier direkt in den blauen Himmel über dem Strand bei Los Angeles.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 10. April

    Eine Ostereier-Färbe-Maschine in Nordrhein-Westfalen, frisch gezimmerte Särge in Wien, gewalttätige Polizisten in den USA und Papp-Wahlkandidaten in Indien. Das und mehr sehen Sie in unseren Fotos des Tages.

  • [image]

    Diese Länder sind die Wachstums-Stars

    Die Weltwirtschaft gewinnt weiter an Schwung. Wachstums-Impulse kommen aus den Industrieländern, auch aus Europa. Die höchsten Wachstumsraten sitzen aber woanders. Wir zeigen Ihnen, wo die Wirtschaft am stärksten boomt.

  • [image]

    Wie sich die Nasdaq seit dem Tech-Crash verändert hat

    Vor gut 14 Jahren begann in den USA die Tech-Blase zu platzen. Jetzt bewegt sich der Nasdaq Composite wieder auf dem Niveau von damals. Ist das ein Grund zur Sorge? Wir zeigen, was sich seitdem an der Nasdaq verändert hat und was das für Anleger heute bedeutet.

  • [image]

    Die bestverdienenden Bankenchefs der Welt

    Das vergangene Jahr hat sich für die Chefs der internationalen Großbanken wieder gelohnt. Doch auch in der Liga der Großverdiener gibt es deutliche Klassenunterschiede. Wir haben aufgelistet, wer wie viel erhalten hat.

  • [image]

    Die besten deutschen Aktien –
    und die größten Verlierer

    Die große Rally scheint es in diesem Jahr an den Aktienmärkten nicht zu geben. Der Dax etwa notiert nach den ersten drei Monaten 2014 nur wenig verändert. Umso wichtiger ist es deshalb, die richtigen Aktien herauszupicken. Wir zeigen die größten Gewinner und Verlierer aus Deutschland.

Erwähnte Unternehmen