• The Wall Street Journal

EZB verdiente 2012 am besten an Athen

Wie die Bundesbank an griechischen Zinsen mitverdient

    Von HANS BENTZIEN

Der umstrittene Kauf von Staatsanleihen zur Entlastung der Finanzmärkte hat der Europäischen Zentralbank im vergangenen Jahr geholfen, den Gewinn erheblich zu steigern. Wie aus dem Jahresabschluss für 2012 hervorgeht, erzielte die EZB Nettozinseinnahmen von 2,3 Milliarden Euro. 2011 waren es 2 Milliarden gewesen.

Davon entfielen 1,1 Milliarden auf Staatsanleihen, die im Rahmen des Securities Markets Programme (SMP) gekauft wurden. Die Zinseinnahmen aus entsprechenden griechischen Anleihen beliefen sich auf 555 Millionen Euro, das ist fast ein Viertel der gesamten Nettozinseinnahmen.

Italien hat am meisten profitiert

Italien hat am stärksten vom beendeten Staatsanleihekaufprogramm der Zentralbanken in der Eurozone profitiert. In der Bilanz der Europäischen Zentralbank ist das Heimatland von EZB-Chef Mario Draghi – unter dessen Ägide allerdings keine Papiere mehr erworben wurden - mit den höchsten Ankaufsummen vertreten.

Im Rahmen des Securties Markets Programme hatten die Zentralbanken Staatsanleihen mit der Begründung aufgekauft, dass einige Finanzmärkte nicht mehr richtig funktionierten. Die aufgekauften Schuldtitel werden bis zur Endfälligkeit gehalten.

Das umstrittene SMP war im vergangenen Jahr offiziell beendet und durch das so genannte OMT-Programm ersetzt worden, dass der EZB-Chef mit der Bemerkung vorstellte, er werde alles tun, was nötig sei, um den Euro zu retten. Das OMT-Programm musste bislang nicht aktiviert werden, weil sich nach der Ankündigung die Finanzmärkte beruhigten.

Laut EZB hatten die Zentralbanken der Eurozone Ende 2012 italienische Staatsanleihen mit einem Nominalwert von 102,8 Milliarden Euro in den Büchern. Die Papiere mit einer durchschnittlichen Restlaufzeit von viereinhalb Jahren haben einen Buchwert von 99,0 Milliarden Euro.

Zweitgrößter SMP-Anleiheschuldner des Eurosystems ist Spanien mit 44,3 Milliarden Euro, gefolgt von Griechenland mit 33,9 Milliarden, Portugal mit 22,8 Milliarden und Irland mit 14,2 Milliarden. Die Anleihen mit der längsten Restlaufzeit kommen mit im Schnitt 4,6 Jahren aus Irland.

Allerdings profitierte die EZB auch von den Käufen, in Form von Zinseinnahmen. Vergangenes Jahr kamen sie zur Hälfte aus Griechenland.

Dass die EZB die Daten veröffentlichte, verdanken die Europäer dem noch nicht aktivierten Kaufprogramm OMT. Die Transparenz dort solle auch für das SMP gelten, hieß es in Frankfurt. Marktbeobachter hatten bislang vermutet, dass die EZB vor allem spanische und italienische Staatsanleihen erworben hat.

Die Deutsche Bundesbank hat sowohl das Anleihekaufprogramm SMP als auch OMT abgelehnt. Für die deutschen Zentralbanker kommt die Europäische Zentralbank damit der verbotenen Staatsfinanzierung mit der Notenpresse zu nahe.

633 Millionen Euro Zinsen nahm die EZB aus umlaufenden Banknoten ein. Die Zinseinnahmen aus Papieren, die im Rahmen des Programms für den Kauf von Covered Bonds erworben wurden, beliefen sich 2012 auf 209 Millionen Euro. Aus Finanzoperationen erlöste die EZB 319 Millionen Euro.

Auf der Kostenseite stieg der Personalaufwand der Zentralbank um 3 auf 219 Millionen und der übrige Verwaltungsaufwand um 16 auf 242 Millionen Euro. Der sichtbare Fortschritt beim Bau des neuen EZB-Gebäudes hatte auch seinen Preis. Hier stiegen die Kosten um 191 auf 530 Millionen Euro.

Insgesamt schloss die EZB das Jahr mit einem Überschuss von 2,2 Milliarden Euro ab, abzüglich einer Risikorückstellung von 1,2 Milliarden Euro verblieb ein Nettogewinn von 998 (728) Millionen Euro, ein Zuwachs von mehr als einem Drittel.

Der Gewinn der EZB wird nach dem Kapitalschlüssel auf die Zentralbanken der Mitgliedsländer verteilt. Wie die EZB mitteilte, sind 575 Millionen Euro bereits vorab ausgeschüttet worden. Der Rest soll Anfang nächster Woche folgen.

Und wer bekommt den größten Anteil am Gewinn? Turnusmäßig die Bundesbank - sie erhält 189 Millionen Euro für das vergangene Jahr. Die Griechische Zentralbank bekommt nur 20 Millionen Euro aus dem Topf zurück.

Ob der Bundesfinanzminister von der EZB-Überweisung an die Bundesbank etwas sieht und damit auch von den Zinsen aus Athen etwas hat, entscheidet am Ende das Bundesbank-Präsidium. Die Risikorückstellungen der EZB liegen übrigens derzeit insgesamt bei 7,5 Milliarden Euro. Sie decken Wechselkurs-, Zins-, Kredit- und Goldpreisrisiken ab.

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

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