• The Wall Street Journal

Evonik-Börsengang kommt durch die Hintertür

    Von NATALI SCHWAB

Der Spezialchemiekonzern Evonik nimmt einen erneuten Anlauf an die Börse - durch die Hintertür. Das Unternehmen wählt dabei nicht den Verkauf von Aktien mittels eines öffentlichen Angebots, sondern über eine Privatplatzierung. Im Zuge dessen haben die Eigentümer - die RAG-Stiftung und der Finanzinvestor CVC Capital - bereits einen Teil ihrer Aktien vorab an institutionelle Investoren abgegeben, hieß es in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Das zunächst platzierte Volumen umfasst dabei einen Anteil von unter zehn Prozent, wobei beide Anteilseigner zu gleichen Teilen Aktien verkauft haben.

Die Erweiterung des Eigentümerkreises stelle einen ersten Schritt für die angestrebte Börsennotierung dar, erläuterte Evonik. Die RAG-Stiftung hielt zuletzt 74,99 Prozent an Evonik, CVC 25,01 Prozent. Die Öffnung für weitere Investoren ist dabei eine wesentliche Voraussetzung für die Aufnahme in den Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse.

dapd

Die Evonik-Zentrale in Essen

Bereits dreimal war ein Gang aufs Parkett geplatzt. Zuerst scheiterte die RAG-Stiftung im Zuge der ersten Finanzkrise 2008 mit einem Börsengang, stattdessen verkaufte sie einen rund 25-prozentigen Anteil an CVC. 2011 sorgte dann das Wiederaufflammen der Krise dafür, dass die Stiftung erneut einen Rückzieher machte. Zuletzt hatte die RAG-Stiftung im Sommer 2012 versucht, zusammen mit CVC 30 Prozent der Evonik-Anteile an die Börse zu bringen, hatte dies aber angesichts der Lage an den Finanzmärkten erneut abgebrochen.

Den erneuten Anlauf begründeten die Beteiligten nun mit einem spürbar verbesserten Kapitalumfeld und dem gestiegenen Investoreninteresse an Evonik. Bei den neuen Aktionären handele es sich um in- und ausländische institutionelle Investoren. "Durch die Privatplatzierung können wir eine Notierungsaufnahme mit deutlich geringerem Aufwand erreichen und machen uns weniger abhängig vom volatilen Marktumfeld", sagte CVC-Partner Christian Wildmoser. Das Interesse sei schon beim geplanten Börsengang im vergangenen Jahr sehr hoch gewesen. "Das Marktumfeld war jedoch damals zu unsicher."

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, wie es weiter hieß. Er reflektiere das Bewertungsniveau vergleichbarer europäischer Spezialchemie-Konzerne und liege "deutlich" über den Preisindikationen aus dem geplanten Börsengang im Juni 2012. Medien hatten am Donnerstagabend berichtet, der Kaufpreis impliziere einen Unternehmenswert von 14 Milliarden Euro für Evonik.

Über den Zeitplan wollten sich Evonik und die Eigner nicht äußern. Eine Notierung an der Börse könnte jedoch bereits Ende April erfolgen, hatte es in den Medienberichten geheißen. Dabei profitiert Evonik von den Vorbereitungen, die der Konzern bereits im vergangenen Jahr unternommen hatte. So hatte sich der Spezialchemiekonzern bereits dem Kapitalmarkt vorgestellt und um Investoren geworben.

Evonik kündigte an, seine Wachstumsstrategie fortsetzen zu wollen. In diesem Rahmen plant das Unternehmen im Zeitraum bis 2016 Investitionen von mehr als sechs Milliarden Euro, davon einen wesentlichen Teil in aufstrebenden Schwellenländern. In den vergangenen Jahren hat sich der Mischkonzern immer stärker auf Spezialchemie fokussiert. Das Unternehmen konzentriert sich dabei auch wachstumsstarke Megatrends wie Gesundheit, Ernährung oder Ressourceneffizienz. 2011 betrug der Jahresumsatz rund 14,5 Milliarden Euro.

Die RAG-Stiftung als wichtigster Eigentümer hat die Aufgabe, den subventionierten Steinkohlebergbau in Deutschland abzuwickeln, der 2018 endet. Für die Finanzierung der sogenannten Ewigkeitslasten braucht die Stiftung Milliarden, die ihr vor allem der Börsengang Evoniks in die Kassen spülen soll. Dabei will sie selbst eine Sperrminorität an dem Unternehmen behalten. Das Sagen hat dabei das Kuratorium der RAG-Stiftung, dem Vertreter von Bund, Ländern und der Gewerkschaft IG BCE angehören.

Kontakt zum Autor: natali.schwab@dowjones.com

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