• The Wall Street Journal

Air Berlin zurück in der Gewinnzone

    Von KIRSTEN BIENK und STEFANIE HAXEL
[image] dapd

Die angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin hat nach Jahren in der Verlustzone endlich einen Gewinn erzielt. Deutschlands zweitgrößte Airline, die seit dem Jahr 2007 permanent in den roten Zahlen lag, erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Nettogewinn von 6,8 Millionen Euro. Die von der arabischen Airline Etihad gestützte Fluglinie profitierte von Sparmaßnahmen und Erlösen aus dem Verkauf des Vielfliegerprogramms. Allerdings musste Air Berlin den Vorjahresverlust wegen Wertberichtigungen deutlich nach unten korrigieren. Die Aktie brach im nachbörslichen Handel ein.

Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung DPR habe Informationen zur Bewertung von aktiven latenten Steuern angefordert. Darunter versteht man bei der Bilanzierung zukünftige Steuervorteile. In diesem Zusammenhang habe die Fluggesellschaft beschlossen, diese neu zu bewerten, hieß es zur Begründung. Der Vorjahresverlust beläuft sich damit nun auf gut 420 Millionen Euro - rund doppelt so viel wie ursprünglich ausgewiesen.

Im Zuge dessen schrumpfte auch das Eigenkapital kräftig. Ende 2011 hatte Air Berlin noch fast 254 Millionen Euro ausgewiesen, ein Jahr später waren davon nur noch 130 Millionen Euro übrig.

Gewinne werden mitgenommen

Die Aktien von Air Berlin verloren im nachbörslichen Handel bei Lang & Schwarz in einer ersten Reaktion sechs Prozent, verringerten dann aber ihr Minus. Was die Aktie belaste, sei weniger das Ergebnis des vergangenen Jahres, sondern die rückwirkende Wertberichtigung für 2011, sagte ein Händler. Da die Aktie zuletzt gut gelaufen sei, würden nun Gewinne mitgenommen.

Der neue Chef der angeschlagenen Airline, Wolfgang Prock-Schauer, äußerte sich zwar erfreut über den Gewinn unterm Strich. "Das ist uns unter verschärften Wettbewerbsbedingungen in einem weiterhin erheblich belastenden Umfeld gelungen", erklärte er in der Mitteilung. "Aber wir sind noch nicht am Ziel und sind uns bewusst, dass zum Ergebnis in 2012 auch Einmaleffekte beigetragen haben."

In den zwölf Monaten des vergangenen Jahren stiegen die Einnahmen nur leicht um fast zwei Prozent auf 4,31 Milliarden Euro. Weitere betriebliche Erträge in Höhe von 184,4 Millionen Euro erzielte die kriselnde Airline insbesondere mit dem Verkauf ihres Vielfliegerprogramms topbonus, das zum Tafelsilber zählte und als Notverkauf gewertet wurde.

Air Berlin drückt kräftig auf die Kostenbremse und hat dabei auch die Strecken ausgedünnt. Das drückt, zusätzlich zu dem schwierigen Umfeld in der Flugbranche, auf die Umsätze. Nach Abzug der Kosten blieb ein operativer Gewinn von 70,2 Millionen Euro übrig, nach einem Verlust von 247 Millionen Euro im Vorjahr.

Sparprogramm wirkt sich positiv aus

Positiv wirkte sich auch das Sparprogramm "shape & size" aus. Es steuerte operativ 250 Millionen Euro hinzu, das waren 20 Millionen mehr als angepeilt.

Den hohen Schuldenstand konnte die Airline etwas reduzieren. Er sank auf zum Jahresende auf 770,2 Millionen Euro, das sind 5,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Weitere Details zum Jahresergebnis will Air Berlin bei der Vorlage des vollständigen Geschäftsberichtes am 20. März nennen.

Prock-Schauer steht wegen der vielen Fehlentscheidungen des früheren Managements vor einem Riesenberg an Aufgaben. Der Österreicher, der im Januar den Job von Hartmut Mehdorn übernahm, muss massiv auf die Kostenbremse treten. Dabei verlieren auch zehn Prozent der Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Gleichzeitig muss der Manager eine neue Strategie für die Fluggesellschaft entwickeln. Dabei ist er auf die Hilfe von Etihad Airways angewiesen.

Mehdorn hatte Air Berlin angesichts der bedrohlichen finanziellen Schieflage Ende 2011 in die Hände der Araber geführt. Die Airline der Scheichs aus dem Emirat Abu Dhabi übernahm knapp ein Drittel der Aktien und hat seither ein gewichtiges Wort mitzureden. Sie will Air Berlin zum Zubringer umbauen. Die Scheichs überwiesen immer wieder Geld nach Berlin und sicherten so das Überleben der Fluggesellschaft.

Vorteile durch Partnerschaft

Prock-Schauer bekräftigte am Donnerstag, dass die Partnerschaft Air Berlin starke wirtschaftliche und operative Vorteile bringen wird. "Wir sind zuversichtlich, dass wir gemeinsam mit Etihad Airways im laufenden Jahr unseren Umsatz ausbauen und vor allem weitere Kostensynergien erreichen werden", erklärte er.

Goldene Zeiten erleben gegenwärtig nur wenige Fluggesellschaften. Viele europäische Anbieter reagieren auf die immensen Überkapazitäten und streichen ihre Flugpläne zusammen. Außerdem verordnen sie sich umfangreiche Sparprogramme und entlassen Mitarbeiter. Auch Deutschlands Marktführerin Lufthansa kann sich diesem Trend nicht entziehen. Ihre Einnahmen reichen nicht mehr aus, um alle geplanten Investitionen zu tätigen. Damit die Airlines nicht auf Dauer von ihrer Substanz zehrt, hat Chefpilot Christoph Franz einen harten Sparkurs eingeschlagen. Jüngstes Opfer sind die Aktionäre, sie erhalten für 2012 trotz eines Milliardengewinns keine Dividende.

Kontakt zum Autor: kirsten.bienk@dowjones.com

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