• The Wall Street Journal

Google stellt Touchscreen-Laptop Chromebook Pixel vor

    Von AMIR EFRATI und JÖRGEN CAMRATH

Google hat am Donnerstag die ersten Touchscreen-Laptops mit dem unternehmenseigenen Chrome-Betriebssystem vorgestellt. Es ist der jüngste Versuch des Suchmaschinenbetreibers, weiter auf den Hardware-Markt vorzudringen. Im Software-Bereich ist der US-Konzern bereits mit diversen Angeboten vertreten.

Das neue hochwertige Chrome-Gerät trägt den Namen Chromebook Pixel. Es ist seit Donnerstag erhältlich und wurde von Google designt und gebaut. Unterstützung erhielt das Unternehmen von Hardware-Partnern in Taiwan.

Google Inc.

Googles erster Touchscreen-Laptop mit Chrome-Betriebssystem: Das Chromebook Pixel.

Das Pixel kostet 1.299 Dollar mit WIFI-Funktion. Wer darüber hinaus im schnellen LTE-Mobilfunknetz surfen will, muss 150 Dollar drauflegen. Während es das WIFI-Modell ab sofort gibt, dauert es bis zur LTE-Variante noch bis April. In Deutschland wird es das Chromebook jedoch zunächst nicht zu kaufen geben. Ein Google-Sprecher erklärte, dass zunächst Großbritannien und die USA bedient werden.

Das Chromebook Pixel ist nicht das erste Notebook von Google. Allerdings ist es das erste Mal, dass der Konzern einem eigenen Laptop einen Touchscreen spendiert. Die Vorgänger sind bereits ab 199 Dollar erhältlich. Genau wie diese Produkte auch sollen die Pixel-Modelle in den USA bei Best Buy und in Großbritannien bei PCWorld erhältlich sein. Auch online – im Google Play Store – wird es das Pixel zu kaufen geben.

Die Hardware-Spezifikationen des Chromebook Pixel können überzeugen. Der Bildschirm ist 12,85 Zoll groß und löst 2.560 mal 1.700 Pixel auf – das ist eine Pixeldichte von 239 Pixel pro Zoll. Damit liegt das Chromebook sogar über dem Retina-Display von Apple. Im MacBook Pro werden aktuell 220 Pixel pro Zoll erreicht. Im Inneren des neuen Laptops taktet ein Intel Core i5-Prozessor.

Natürlich wurden auch die Cloud-Dienste von Google nahtlos in das neue Produkt integriert. Ein Terabyte Online-Speicher steht für drei Jahre kostenlos zur Verfügung. Internet liegt der Speicher deutlich darunter. Die LTE-Version wird mit 64 Gigabyte SSD-Festplatte ausgeliefert. Beim Wifi-Modell sind es 32 Gigabyte.

Steuerung per Gesten

Googles Schritt hin zu Touchscreens bei Laptops kommt zu einer Zeit, da neben Smartphones und Tablets immer mehr Geräte per Gesten oder mit den Fingern gesteuert werden. Besonders der Chiphersteller Intel hat immer wieder versucht, Computerhersteller von besonders dünnen Ultrabooks zu überzeugen. Einige dieser leichten Notebooks lassen sich auch wie Tablets bedienen. Die meisten dieser Geräte verwenden das neueste Microsoft Betriebssystem Windows 8, das über eine neuartige Nutzeroberfläche verfügt, die speziell für Touchscreens entwickelt wurde.

Sundar Pichai ist bei Google für das Chrome-Betriebssystem verantwortlich. Er erklärte bei einem Event in San Francisco, dass es vermutlich noch ein wenig Zeit brauche, bis sich die Menschen an die Bedienung von Notebooks per Touchscreen gewöhnt hätten. Doch letztendlich würde es die Art, wie wir uns im Internet bewegen, erleichtern. Das Scrollen durch Webseiten, das Ansehen von Fotogalerien und die Nutzung von Google Street View – alles würde einfacher von der Hand gehen.

Per Touchscreen lassen sich auch Dokumente mit Office-Programmen wie Microsofts Word oder Excel erstellen und bearbeiten. Darauf verwies Pichai während der Veranstaltung: „Es ist klar: Touch ist hier und Touch wird die Zukunft sein."

In wenigen Sekunden hochgefahren

Das Chromebook Pixel fährt – auch dank eingebautem SSD-Speicher – innerhalb von wenigen Sekunden hoch. Den hohen Preis hält Pichai für gerechtfertigt. Das Pixel könne sich im Vergleich zum MacBook Air von Apple sehen lassen, sagte der Google-Manager. Das MacBook Air beginnt bei einem Preis von 1.199 Dollar, verfügt über einen 13 Zoll großen Bildschirm und mehr Speicherplatz. Allerdings kommt es ohne Touchscreen aus.

Google will das für die Touch-Bedienung optimierte Chrome-Betriebssystem auch anderen Computer-Herstellern zur Verfügung stellen. Pichai hofft, dass noch in diesem Jahr weitere Geräte damit auf den Markt kommen. Das Wall Street Journal hatte bereits am Mittwoch berichtet, dass Google ein Touchscreen-Laptop mit Chrome-Betriebssystem herausbringen wird und dass weitere Geräte in den kommenden Monaten folgen werden.

Doch auch wenn noch keine weiteren Chrome-Tablets auf dem Markt sind, dürften Beobachter in den neuen Chrome-Laptops ohne Zweifel eine Konkurrenz zum weitaus erfolgreicheren Android-Betriebssystem von Google sehen. Pichai erklärte in einem Interview, dass „man einige Schnittmengen" zwischen Chrome und Android erkennen könne. Doch Google würde diese als „Wahloption der Kunden" sehen. Beide Betriebssysteme würden dem Unternehmen dabei helfen, den Bekanntheitsgrad der eigenen Dienste und natürlich auch der eigenen Suchmaschine weiter zu steigern.

Als man sich bei Google vor einigen Jahren erstmals Gedanken über das Chrome-Betriebssystem machte, versuchte das Unternehmen, eigene Geräte zu bauen. Letztendlich überließ man jedoch anderen Herstellern wie Samsung das Feld. Das berichten Personen, die mit den Vorgängen vertraut sind.

Google hat nun damit begonnen, auf bekannte Entwickler zuzugehen. Sie sollen ihre Programme für die Touchscreen-Laptops umschreiben. Die Chrome-Geräte sind in erster Linie darauf ausgelegt, webbasierte Applikationen zu nutzen. Auf dem Gerät gespeicherte Programme sind eher zweitrangig.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Verkehr

  • [image]

    Die schlimmsten Stau-Städte der Welt

    Für alle deutschen Autofahrer im Stau gilt: Es geht noch schlimmer. Der Navigationsgeräte-Hersteller TomTom hat die Fahrzeiten in den Metropolen verglichen. Wir stellen die Stau-Hochburgen der Welt vor.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 21. Juli

    Eine Hindu-Frau taucht unter, ein Rennradfahrer legt die Beine hoch und Fecht-Sportler pieksen sich. Das und mehr zeigen unsere Fotos des Tages.

  • [image]

    Einmal zum Mond und zurück

    Am 20. Juli 1969 gewannen die USA das Wettrennen zum Mond gegen die Sowjetunion. Die US-Astronauten Neil Armstrong und Edwin Aldrin setzten als erste Menschen einen Fuß auf den Mond. Ein Rückblick in Bildern.

  • [image]

    Der Absturz von MH17

    Die Menschen auf der ganzen Welt reagieren mit Schock und Trauer auf den Absturz des Fluges MH17 von Malaysia Airlines in der Ostukraine. Pro-russische Aktivisten werden beschuldigt, die Maschine abgeschossen zu haben. Die genauen Hintergründe bleiben weiter undurchsichtig. Das Flugzeugunglück in Bildern.

  • [image]

    Die Chinesen lieben das Nickerchen im Möbelhaus

    Chinesen mögen es, an merkwürdigen Plätzen ein Schläfchen zu machen. Neu ist dieses Phänomen nicht. Ein Fotograf hat sich nun aber erstmals auf die Lauer gelegt und das seltsame Verhalten bei Ikea in Peking dokumentiert.

  • [image]

    Deutschland feiert seine Weltmeister

    Deutschland hat der Nationalmannschaft einen triumphalen Empfang bereitet. Hunderttausende feierten die Weltmeister vor dem Brandenburger Tor.

  • [image]

    Der neue Villen-Boom in Berlin

    „Arm, aber sexy" war gestern. Heute zeigt Berlin wieder Luxus. Besonders die Altbauvillen im Südwesten der Hauptstadt erleben derzeit eine neue Blütezeit.