• The Wall Street Journal

Griechenlands gefährliche Goldgrube

    Von ALKMAN GRANITSAS
Associated Press

Ausgebrannte Autowracks auf dem Gelände der Skouries-Goldmine des kanadischen Goldkonzerns Eldorado. Am Sonntag hatten Vermummte das Werksgelände gestürmt und Feuer gelegt. Viele Anwohner sind gegen eine Ausweitung des Bergbaus auf der landschaftlich reizvollen griechischen Halbinsel Chalkidiki.

ATHEN—Griechenland will seine Goldförderung erheblich ausbauen und seine Wirtschaftsmisere damit hinter sich lassen. Aber Umweltschützer und linke Extremisten drohen die Pläne der Regierung zu gefährden. Sie stehen im Verdacht, am Wochenenende in einer Goldmine des kanadischen Produzenten Eldorado Gold Feuer gelegt und Sachschaden in Millionenhöhe angerichtet zu haben. Um den ausländischen Bergbaukonzern und vermeintlichen Heilsbringer nicht zu verschrecken, hat Ministerpräsident Antonis Samaras nun rasch weitere Investitionen genehmigt.

Innerhalb der nächsten Tage schon werde die Regierung ein weiteres Goldprojekt von Eldorado zulassen, teilte Samaras mit. Das 230-Millionen-Euro-Vorhaben liegt schon seit Monaten auf dem Schreibtisch der Behörden. Dass es jetzt grünes Licht bekommt, ist kalkuliert: Rund 750 Millionen Euro haben die kanadischen Bergleute versprochen zu investieren, rund 2.000 Arbeitsplätze wollen sie schaffen. Und sie wollen Grichenland zum größten Goldproduzenten Europas machen. Im Idealfall sollen die Exporterlöse des Landes dann um bis zu 1 Milliarde Euro steigen.

Für Griechenland wäre das ein Segen: Die Wirtschaft des Landes dümpelt im sechsten Jahr in der Rezession, die Arbeitslosenrate liegt mit 27 Prozent zurzeit auf dem höchsten Stand in Europa. Entsprechend verzweifelt bemüht sich die griechische Regierung unter Führung des konservativen Samaras um ausländische Investoren in der Hoffnung, die Wirtschaft wiederzubeleben. Zeitgleich setzt sie im Land knallharte Sparmaßnahmen durch. Dazu ist sie verpflichtet, um Rettungshilfen vom Internationalen Währungsfonds und der Eurozone zu bekommen.

Vielen Einheimischen passt der Bergbau nicht. Die neue Goldmine ist Teil eines Verbunds aus insgesamt vier Rohstoffgruben in der griechischen Region Thrakien. Die Schürfrechte hat Eldorado Gold in den vergangenen vier Jahren erworben. Aber die Gruben liegen zum Teil in einem landschaftlich reizvollen Tourismusgebiet auf der Halbinsel Chalkidiki. Dort, in der Nähe der Stadt Skouries, in einem der dichtesten Wälder Nordgriechenlands, will der Konzern seinen Tagebau ausweiten.

Der Konzernchef spricht von einem „Terrorakt"

Anwohner protestieren schon seit fast zwei Jahrzehnten gegen die Gold- und Kupfermine von Skouries. Sie sagen, der Bergbau zerstöre die Umwelt und schade dem Tourismus. Am Wochenende aber erreichten die Proteste einen neuen Höhepunkt. Überwachungskameras zeichneten auf, wie sich am Sonntag noch vor Morgengrauen eine Horde von etwa 40 Vermummten Zugang zur Mine verschaffte und Maschinen, Fahrzeuge und Schiffscontainer mit den provisorischen Büroräumen des Konzerns in Brand steckten.

Reuters

Tatort Goldmine: Überwachungskameras und die Augenzeugenberichte zweier Wachleute zeugen von einem professionell organisierten und kaltblütig ausgeführten Anschlag.

Der Anschlag auf die Skouries-Mine war offensichtlich äußert gut vorbereitet und überraschte wegen seiner Kaltblütigkeit selbst hartgesottene Griechen. Die Eindringlinge trugen Gesichtsmasken und passende Kampfanzüge, hinter denen sie unkenntlich blieben. Die ganze Attacke dauerte nur wenige Minuten. Und am Ende entkamen sie unertappt. Nun wächst die Angst, dass es sich bei den Tätern um Mitglieder einer der griechischen linksradikalen Guerrilla-Gruppen handelt, die in letzter Zeit häufiger mit Gewehren und Bomben in Athen und anderen Städten ihr Unwesen treiben.

Nach Unternehmensangaben entstand wohl ein Sachschaden von einer Million Euro. Zwei Wochen lang soll der Bergwerksbetrieb jetzt stillstehen. Eldorados Vorstandschef Paul Wright sprach von einem „Terrorakt".

Nun setzt die Regierung alles daran, die Sorge der kanadischen Minenbetreiber vor weiteren Anschlägen auszuräumen. Bei einem Besuch von Vertretern des Goldunternehmens in Athen diese Woche versprach die Regierung, die Sicherheitsprobleme anzugehen und endlich den leidigen Papierkram zu erledigen, wegen dem sich die Genehmigung für die geplanten Investitionen bisher verzögerten.

„Ein derartiger Akt ist nicht zu tolerieren. Griechenland ist ein modernes europäisches Land, und wir werden die ausländischen Investitionen in diesem Land um jeden Preis schützen", sagte Ministerpräsident Samaras. „Das ist eine Investition, die wir unbedingt wollen", erklärte er weiter und kündigte an, dass das Genehmigungsverfahren innerhalb der nächsten zehn Tage endgültig abgeschlossen sein werde.

Die griechische Polizei hat indes mehr als zwei Dutzend Personen zum Verhör festgenommen. Gegen eine Person wurde Anklage erhoben wegen Beihilfe zu dem Verbrechen. Sie bleibt aber bis zum Verfahren auf freiem Fuß.

—Mitarbeit: Nektaria Stamouli

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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