• The Wall Street Journal

VW enttäuscht mit pessimistischem Ausblick

    Von ILKA KOPPLIN

Europas größter Autobauer Volkswagen hat 2012 so viel verdient wie nie zuvor, operativ und unterm Strich blicken die Wolfsburger auf Rekordergebnisse. Doch weiter aufwärts geht es vorerst nicht, die Erwartungen für das laufende Jahr bleiben zurückhaltend: Den Gewinn sieht Volkswagen lediglich auf Vorjahresniveau. Analysten und Anleger sind enttäuscht. Die Aktie rutscht am Freitagnachmittag um rund sechs Prozent ab.

Im vergangenen Jahr schaffte der Autobauer noch kräftige Anstiege. Der operative Gewinn wuchs trotz der hohen Investitionen und des zunehmend scharfen Wettbewerbs um zwei Prozent auf 11,5 Milliarden Euro - Analysten hatten den Wolfsburgern 300 Millionen Euro weniger zugetraut.

dapd

Volkswagen hat im vergangenen Jahr so viel verdient wie nie zuvor.

Doch im laufenden Jahr soll der Gewinn operativ lediglich stagnieren. Damit bleibt der Konzern weit unter den Schätzungen von Analysten. Diese hatten fast 3 Milliarden mehr erwartet. "Die Dividende und auch der Ausblick sind weit unter den Erwartungen geblieben", stellt ein Händler fest. Und ein anderer: "Der Ausblick ist eine Katastrophe."

Auch bei der Dividende hatten Investoren auf mehr gehofft. Volkswagen schlägt eine Ausschüttung von 3,56 Euro je Vorzugsaktie vor. Das sind zwar wie bei den Stammaktien 50 Cent mehr als im Vorjahr. Die Erwartungen an die Ausschüttung lagen aber teils bei über 4 Euro.

Händler und Anleger reagierten deshalb prompt auf die am Nachmittag vorgelegte Jahresbilanz: Die Vorzugsaktien von VW fielen vor allem wegen des enttäuschenden Ausblicks um mehr als sechs Prozent auf den niedrigsten Stand seit Anfang Dezember. Der zurückhaltende Ausblick auf die Geschäftsentwicklung zog auch die Papiere anderer Hersteller wie BMW, Peugeot und Renault mit nach unten.

Der Ausblick verwundert. Denn schon 2012 war das Autogeschäft in Europa schwierig. Dennoch kamen die Wolfsburger anders als viele Wettbewerber gut durch das vergangene Jahr. Insgesamt setzte VW rund zwölf Prozent mehr Autos ab und steigerte seinen Umsatz um fast 21 Prozent auf 192,7 Milliarden Euro. Dazu trugen auch die Übernahmen von MAN und der Sportwagen-Tochter Porsche bei. Der Konzern verkaufte rund 9,3 Millionen Pkw und Nutzfahrzeuge. Vor allem in China und den USA ging es deutlich bergauf.

Das Nettoergebnis, also nach Steuern und Anteilen Dritter, schoss dank positiver Effekte aus der Porsche-Übernahme auf ein Rekord-Hoch von 21,72 Milliarden Euro, ein Plus von rund 41 Prozent. VW hatte im August vergangenen Jahres die zweite Hälfte der schwäbischen Sportwagenschmiede für 4,5 Milliarden Euro übernommen. Damit hatten die Wolfsburger auf eine Option zurückgegriffen, die 2009 nach einer erbitterten Übernahmeschlacht zur Zusammenführung beider Unternehmen vereinbart worden war.

Volkswagen - made in ...

Seitdem hat sich der Wert des Unternehmens dank des hervorragenden Geschäftsverlaufs deutlich erhöht. Bei der erstmaligen Vollkonsolidierung erzielte Volkswagen daher einen buchhalterischen Sonderertrag von 12,3 Milliarden Euro, der sich aus der Neubewertung der Optionen sowie des gestiegenen Werts von Porsche ergab. Das ist mehr als die Hälfte des Nettogewinns. Bereits in den Jahren zuvor hatten Sondererträge in Milliardenhöhe das Ergebnis beflügelt.

Aussagekräftiger ist deshalb das operative Ergebnis. Hier gelang VW mit 11,51 Milliarden nur ein kleines Plus von 2,1 Prozent. Dass sich das große Umsatzwachstum nicht gleichwertig im operativen Ergebnis zeigt, liegt an milliardenschweren Investitionen. Allein die neue Plattformstrategie, der modulare Querbaukasten, auf dem unter anderem der Golf VII gefertigt wird, hat immense Mittel verschlungen. Zukünftig soll er jedoch Milliarden einsparen, da bis zu 40 Modelle verschiedener Konzernmarken auf seiner Basis produziert werden können. Hinzu kamen die Einführung des Golf VII und die Ausgaben für die Übernahmen von MAN und Porsche, die das operative Ergebnis im vergangenen Jahr wie von Analysten erwartet belasteten.

Mit den vorgelegten Ergebnissen hat Europas größter Autohersteller seine selbst gesteckten Ziele erreicht. So sollten Auslieferungen und der Umsatz auch mit Hilfe von MAN und Porsche gesteigert werden, das operative Ergebnis auf dem Vorjahresniveau von knapp 11,3 Milliarden Euro gehalten werden.

Wo baut Volkswagen seine Fahrzeuge?

Ein Blick auf die Branche zeigt, dass der Wolfsburger Konzern bislang deutlich besser durch die Krise auf dem europäischen Markt gekommen ist als andere Autobauer. Vor allem die Hersteller, die sehr stark auf das Europa-Geschäft fokussiert sind, haben es wegen der Schuldenkrise schwer. So verbuchte Europas Nummer Zwei, Peugeot Citroen, 2012 mit fünf Milliarden Euro den höchsten Verlust der Unternehmensgeschichte. Auch Renault, Opel und Ford haben zu kämpfen und mussten deutliche Gewinnrückgänge oder gar tiefrote Zahlen hinnehmen. Tausende Stellen sollen gestrichen, einige Werke in Europa geschlossen werden.

Volkswagen hat sich dagegen mit zwölf Konzernmarken und einer weltweit breiten Aufstellung stark positioniert und kann damit die Absatzflaute des europäischen Marktes kompensieren. Hinzu kommen Ertragsperlen wie Audi und Porsche, die in China und Nordamerika als Luxushersteller punkten und massiv zum Konzerngewinn beisteuern. Allein die Luxus-Tochter Porsche konnte den Absatz 2012 um fast ein Fünftel steigern.

Audi legte genau wie die Kernmarke VW im vergangenen Jahr prozentual zweistellig zu und verkaufte insgesamt 1,46 Millionen Autos. Damit schnitten die Ingolstädter besser ab als Konkurrent Daimler, der mit seiner Luxusauto-Marke Mercedes-Benz im Gegensatz zu Volkswagen sogar einen deutlichen Rückgang des operativen Gewinns hinnehmen musste. Nach einem weiteren Übergangsjahr soll es erst 2014 wieder aufwärts gehen bei den Stuttgartern.

Doch angesichts des weiterhin schwierigen Umfelds bleibt Volkswagen zurückhaltend mit Blick auf 2013. Schon in der jüngeren Vergangenheit hatte der Konzern betont, vorsichtiger zu planen und die verschiedenen Märkte genau zu beobachten. "Vor uns liegen große Herausforderungen", sagte Vertriebschef Christian Klingler bereits vor einigen Wochen.

Angesichts dieses Umfelds und der immer lauteren Kritik an hohen Managergehältern, soll auch die Führungsriege rund um Vorstandschef Martin Winterkorn bei Volkswagen künftig weniger verdienen. Insgesamt soll der Vorstand für das abgelaufene Jahr nur noch 56 Millionen Euro bekommen. Im Vorjahr waren es noch rund 70 Millionen gewesen. Auf Vorstandschef Winterkorn entfallen dabei etwa 14,5 Millionen, also rund drei Millionen weniger als ein Jahr zuvor.

Kontakt zum Autor: ilka.kopplin@dowjones.com

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