• The Wall Street Journal

Wie US-Steuern auf die Burger-Preise durchschlagen

    Von SHELLY BANJO, ANNIE GASPARRO und JULIE JARGON

In den USA wächst bei den Einzelhandelsfirmen die Sorge, dass die Amerikaner weniger Geld zum Ausgeben haben, weil sie nun wieder höhere Lohnsteuern zahlen müssen.

Wie zuvor Kraft Foods und Burger King senkte nun auch die weltweit größte Einzelhandelskette Wal-Mart ihre Gewinnerwartung. Sie alle befürchten, dass die Menschen künftig weniger in Restaurants essen und weniger Geld ausgeben werden.

dapd

Billigere Burger: Die Fastfood-Ketten reagieren darauf, dass die Amerikaner weniger Geld in der Tasche haben.

Denn die vor zwei Jahren eingeführten Erleichterungen bei der Lohnsteuer sind ausgelaufen. Für alle Amerikaner mit einem Einkommen bis zu 110.000 US-Dollar (83.000 Euro) steigt die Lohnsteuer in diesem Jahr von 4,2 Prozent auf 6,2 Prozent. Ein Haushalt mit einem jährlichen Einkommen von 65.000 Dollar muss nun pro Jahr 1.300 Dollar mehr an den Staat zahlen. Insgesamt hätten die Amerikaner im Jahr 110 Milliarden Dollar weniger zur Verfügung, schätzt die Bank Citigroup .

Wal-Mart reagierte prompt: Der Einzelhändler füllt mehr Regale mit billigen Produkten. Burger King senkt derweil die Preise. Für den kleinen Whopper muss man jetzt nur noch 1,29 Dollar statt 2 Dollar hinlegen. Die Werbekampagne wurde ebenfalls geändert. Statt teurerer Salate oder Smoothies werden verstärkt die günstigen Menüs angepriesen.

Auch Kraft und der Fleischzulieferer Tyson Foods bringen mehr günstige Produkte auf den Markt, damit Supermärkte und Restaurants den Kunden entgegenkommen können. Die Unternehmen gehen nicht davon aus, dass es sich dabei um eine kurzfristige Maßnahme handelt. Nicht nur höhere Steuern, sondern auch steigende Benzinpreise sorgen dafür, dass die Konsumenten weniger Geld in der Tasche haben. Zudem stagnieren die Gehälter.

Fast die Hälfte der Amerikaner will laut einer Umfrage des Einzelhandelsverbands deshalb künftig weniger Geld ausgeben. Ein Drittel plant, seltener auswärts zu essen und ein Viertel verschiebt große Anschaffungen erst einmal.

Die amerikanischen Einzelhandelsumsätze seien im Januar weniger als in den beiden Vormonaten gestiegen, schätzt das Handelsministerium. Das sei bereits eine Folge der höheren Lohnsteuern, sagen Analysten.

Vor zwei Jahren waren die Steuererleichterungen eingeführt worden, um die Wirtschaft anzukurbeln. Damals profitierten die Restaurants davon. Nun fürchtet man bei den Fastfood-Ketten, dass die Leute seltener essen gehen oder bei jedem Besuch weniger Geld ausgeben. Burger King teilte vergangene Woche mit, dass der Umsatz in den USA in diesem Jahr gesunken sei.

Wal-Mart ist Indikator für die gesamte Branche

Dass die Amerikaner derzeit weniger Geld ausgeben, hat aber auch andere Gründe. Bei Wal-Mart heißt es, dass sich die verspäteten Steuerrückzahlungen bemerkbar machten. Weil sich Regierung und Opposition um Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen stritten, wurden die Schecks später als im Vorjahr verschickt. Wal-Mart geht deshalb davon aus, dass die US-Umsätze im ersten Quartal so wie im Vorjahr ausfallen werden. 2012 noch konnte der Einzelhändler eine Steigerung von 2,6 Prozent verkünden.

Wal-Mart bekommt die Schwierigkeiten früh zu spüren, weil dort gerade die einkommensschwachen Amerikaner einkaufen – und die zücken seltener die Kreditkarte oder greifen auf Erspartes zurück, wenn das Geld knapp wird. Deshalb sei das, was bei Wal-Mart passiert, ein guter Indikator für die Branche, sagt Colin McGranahan, Einzelhandelsexperte bei Sanford C. Bernstein.

Beim Fleischkonzern Tyson werden derweil die Hähnchenvorräte aufgestockt. Weil es günstiger ist, kaufen die Kunden mehr Hühner- als Rindfleisch. „Die Verbraucher ändern ihr Verhalten", beobachtet Tyson-Chef Donnie Smith.

Andere Unternehmen, die sich besonders an einkommensschwache Kunden wenden, haben diese Entwicklung erwartet und profitieren nun davon. Die Fastfood-Kette McDonalds hat ihr Ein-Dollar-Menü kräftig beworben. Das sei der Grund, warum der US-Umsatz anzog, heißt es dort.

Doch nicht alle gehen davon aus, dass die schlechte Stimmung anhält. Die Haushaltswarenfirma Clorox erwartet zwar angesichts der erhöhten Steuern einen leichten Umsatzrückgang. Aber wenn die Kunden sich von dem Steuer-Schock erholt haben, werden sie auch ihr Einkaufsverhalten wieder ändern, glaubt Unternehmenschef Don Knauss.

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