• The Wall Street Journal

Das kostspielige Rennen um die Oscars

    Von MERISSA MARR

What you need to know for Sunday's 85th Academy Awards, from who's in the lead - "Lincoln" or "Argo?" Bradley Cooper or Hugh Jackman? - to a look at outrageous Oscar moments.

Selten war das Rennen um die Oscars so eng wie in diesem Jahr. Die neun Nominierten für den besten Film des Jahres sind größtenteils bei den Kritikern beliebt, waren in den Kinos erfolgreich und sind oft auch umstritten. Ständig wird ein anderer Film als Favorit gehandelt. Dass die Sympathien so oft umschwingen, hat auch damit zu tun, dass die Macher der Filme mit kostspieligen Kampagnen die Juroren umgarnen.

Die wichtigste Anwärter - „Argo", „Silver Linings", „Lincoln", „Zero Dark Thirty" und „Les Misérables" – haben jeweils bis zu zehn Millionen Dollar dafür ausgegeben, mit Sondervorstellungen, schicken Partys, der Überzeugungskraft der Stars, weinerlichen Interviews und einer Flut an Werbung die Oscar-Juroren für sich zu gewinnen. Die Filme, die auf Fakten basieren, tragen untereinander eine Schlammschlacht über angebliche Fehler aus.

Sechs der neun Nominierten haben in den Kinos über 100 Millionen Dollar umgesetzt („Zero Dark Thirty" hat die Marke fast erreicht, „Amour" und „Beasts of the Southern Wild" sind weiter davon entfernt). An Bargeld mangelt es also nicht. Daher investieren die Nominierten, um durch einen Oscar ihre Gewinne noch auszubauen.

Agence France-Presse/Getty Images

George Clooney und Ben Affleck haben viel dafür getan, dass ihr Film "Argo" nun zu den Topfavoriten auf einen Oscar zählt.

Vor allem Ben Affleck und George Clooney haben die Juroren umgarnt, sowohl bei privaten Empfängen als auch bei speziellen Vorstellungen. Außerdem hat das „Argo"-Team sich 30 Minuten der besten Sendezeit im Fernsehen erkauft und einen Blick hinter die Kulissen des Films gewährt. „Lincoln" und „Silver Linings" taten es ihnen gleich.

Sogar die Politik ist Teil der Kampagnen. Der für seine Spenden an die demokratische Partei bekannte Regisseur Steven Spielberg hat den Ex-Präsidenten Bill Clinton überzeugt, „Lincoln" bei den Golden Globes vorzustellen. „Silver-Linings"-Regisseur David O. Russell und Schauspieler Bradley Cooper haben mit Vizepräsident Joe Biden über ihren Film über psychische Krankheiten gesprochen – Biden twitterte hinterher ein Foto von dem Treffen.

Wahlkampagnen wie in der Politik sind seit einigen Jahren auch bei den Oscars die Norm. Dutzende Berater und Vertreter der Filmstudios verbringen Monate damit, Strategien zu entwickeln, wie man am besten die goldenen Statuen für sich gewinnen kann.

Für „Silver Linings" hat Produzent Harvey Weinstein ein altes Erfolgsrezept angewandt: Im Herbst zeigte er seine Tragikomödie über einen manisch depressiven Mann beim Toronto Film Festival. Im Anschluss lud er zu einer üppigen Party ein, an der auch Stars wie Bradley Cooper teilnahmen. Der Film gewann den Publikumspreis und triumphierte so über „Argo".

Video auf WSJ.com

Quvenzhané Wallis could make Oscar history on Sunday by taking home the best-actress statue. WSJ's Rachel Dodes joins Lunch Break with a look at her odds, especially up against favorite and fellow youngster Jennifer Lawrence. Photo: AP.

Ursprünglich wollte Weinstein den Film am Thanksgiving-Feiertag in die Kinos bringen. Doch da gleichzeitig auch eine Reihe anderer Blockbuster wie „Life of Pi" und „Lincoln" in die Kinos kam, entschied sich Weinstein für eine andere Taktik.

Er zeigte den Film zuerst in nur 16 Kinos, um die Mundpropaganda aufzubauen, und wartete, bis die Oscarnominierungen bekannt gegeben wurden. „Silver Linings" wurde achtmal nominiert. Dann war es Zeit, den Film in allen Kinos abzuspielen. Trotz des schwierigen Themas hat er schon über 100 Millionen Dollar eingespielt.

Nachdem der Film dem Publikum ursprünglich als Komödie verkauft wurde, lenkte die Kampagne den Blick nach den Oscar-Nominierungen wieder stärker auf den Aspekt der psychischen Krankheit. Robert De Niro, der als bester Schauspieler in einer Nebenrolle nominiert wurde, brach in einer Talk-Show in Tränen aus, als er über das Thema sprach. Als die Abstimmung am Dienstag zu Ende ging, zeigte die Weinstein Co. einen Fernsehspot, laut dem De Niro seit 21 Jahren keinen Oscar mehr gewonnen habe.

Getty Images

Produzent Harvey Weinstein hat gemeinsam mit den Darstellern Bradley Cooper und Robert De Niro einiges getan, um "Silver Linings" zu bewerben.

Das wichtigste Ziel all dieser Oscar-Kampagnen ist es, dass so viele der 6.000 Mitglieder der Academy wie möglich den Film sehen. Denn: Wer einen Film nicht gesehen hat, stimmt auch nicht für ihn. Filmen, die auf der großen Kinoleinwand besser funktionieren – darunter „Les Misérables" und „Life of Pi" – wird diese Aufgabe zusätzlich erschwert.

In den vergangenen Jahren ist die Academy gegen zu überladene Kampagnen vorgegangen, vor allem in der Zeit zwischen den Nominierungen und dem Ende der Abstimmung. So dürfen Studios den Mitgliedern der Academy zum Beispiel keine Geschenke schicken. Nach dem Tag der Nominierung dürfen Mitglieder außerdem nicht zu speziellen Partys eingeladen werden.

Seit kurzem gibt es noch eine zusätzliche Regel: Auch Academy-Mitglieder dürfen keine Partys veranstalten, bei denen für einen Nominierten geworben wird. Diese Taktik war in der streng geregelten Zeit nach den Nominierungen oft eingesetzt worden. „Die Aufgabe der Berater ist es, Schlupflöcher in diesen Regeln zu finden", sagt ein Mitglied der Academy.

Video auf WSJ.com

Political-style campaigns featuring special screenings, glitzy parties, star-powered persuasion, teary interviews and an avalanche of advertising made up this year's hard-fought race for the best-picture Oscar. WSJ's Merissa Marr has details on Lunch Break. Photo: Getty Images.

Charismatische Figuren wie Affleck und De Niro sind bei diesen Kampagnen besonders wichtig. Beide sind für ihren Einsatz für gute Zwecke bekannt und beliebt. Affleck hat nach dem Mega-Flop im Jahr 2003 mit „Gigli" ein erfolgreiches Comeback gefeiert. Und Clooney muss nur er selbst sein: „Wer kann schon George widerstehen!", sagt ein Mitglied der Academy.

„Argo" ist derzeit der Favorit bei den Oscars – teils womöglich, weil Affleck nicht zu den Nominierten in der Kategorie Bester Regisseur gehört. Bei den Critics' Choice Awards und den Golden Globes gewann er viele der wichtigsten Preise.

Da dieses Jahr viele Filme nominiert sind, die auf Tatsachen beruhen, ist die Debatte um ihren Wahrheitsgehalt besonders hitzig geworden. „Argo" hat die Flucht nach vorne ergriffen: Bei Vorstellungen hat Affleck immer wieder betont, dass viele Szenen frei erfunden sind, einschließlich der Schlussszene, in der die iranische Revolutionsgarde dem Flugzeug hinterher jagt, in dem die fliehenden Geiseln sitzen. Der Film sei als spannendes und unterhaltsames Drama konzipiert, nicht als ernsthafter Kommentar zum Iran.

Warner Bros. Pictures

Eine Szene aus "Argo".

„Ich habe niemanden getroffen, dem ‚Argo' nicht gefiel", sagt ein Mitglied der Academy-Leitung, das sich bis kurz vor Schluss jedoch noch nicht zwischen „Argo", „Silver Linings" und „Lincoln" entschieden hatte.

Im Gegensatz hatte „Zero Dark Thirty" von Anfang an mit Anschuldigungen zu kämpfen, weil der Film andeutete, dass bei der Suche nach Osama bin Laden auch Folter eingesetzt worden sein soll.

„Lincoln"-Regisseur Steven Spielberg und der Darsteller der Hauptrolle, Daniel Day-Lewis, haben ihren Film auch in der Hauptstadt gezeigt und sich mit dem Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, getroffen.

Illustration by Ryan Etter for The Wall Street Journal

Die wichtigste Oscar-Anwärter haben jeweils bis zu zehn Millionen Dollar dafür ausgegeben, mit Sondervorstellungen, schicken Partys, der Überzeugungskraft der Stars, weinerlichen Interviews und einer Flut an Werbung die Juroren für sich zu gewinnen.

Spielberg und Day-Lewis haben sich von den Partys zwar weitgehend ferngehalten. Doch Spielberg hat beim 149. Jahrestag von Präsident Abraham Lincolns berühmter Rede in Gettysburg eine Rede gehalten, bei der 9.000 Zuschauer tosenden Beifall leisteten.

„Egal wie groß der Sinneswandel in der Academy ist, solange irgendeine Art von Werbekampagnen erlaubt ist, werden die Filme gewinnen, die die beste Kampagne gefahren haben, und nicht die, die wirklich am überzeugendsten waren", sagt ein Mitglied der Academy.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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