• The Wall Street Journal

Credit Suisse droht Deutschen mit Rauswurf

    Von MARTA FALCONI und JOHN LETZING

ZÜRICH – Die Credit Suisse will mit deutschen Kunden keine Geschäfte mehr machen, wenn sie nicht Beweise vorlegen, dass ihre Konten vorschriftsmäßig bei den Steuerbehörden gemeldet sind. Mit diesem Schritt reagiert das Schweizer Institut auf den gestiegenen internationalen Druck.

Associated Press

Eine Filiale der Credit Suisse in Zürich.

Alle deutschen Kunden müssen demnach Bankdokumente oder Steuerbescheinigungen einreichen, um nachzuweisen, dass ihre Gelder ordnungsgemäß versteuert sind, sagte Banksprecher Marc Dosch. „Wir raten unseren deutschen Kunden, ihre Situation zu prüfen und, falls nötig, aufzuräumen", erklärte Dosch. „Wenn das nicht passiert, werden wie unsere Beziehung zu diesen Kunden beenden."

Die nach Vermögenswerten größte Bank der Schweiz, die UBS, hat deutsche Kunden ebenfalls aufgefordert, ihre „finanzielle Situation zu regeln", sagte eine Sprecherin am Sonntag. Der Schweizer Tages-Anzeiger hatte berichtet, dass auch die Privatbank Julius Bär deutsche Kunden bittet, Beweise vorzulegen, dass ihre Konten steuerlich gemeldet seien. Die Bank reagierte auf eine Kommentaranfrage nicht.

Schweizer Banken bemühen sich bereits seit längerem, ihr Geschäftsmodell in Einklang mit den globalen Steuergesetzen zu bringen. Über Jahrzehnte haben die Institute der Alpenrepublik vom Bankgeheimnis profitiert, dass die zu einem beliebten Anlageziel für reiche Ausländer machte. Aber das verschärfte Vorgehen der Steuerbehörden in den USA, Großbritannien und Europa hat sie in den vergangenen Jahren dazu gezwungen, auf sogenannte „Weißgeld"-Strategien umzuschwenken und nur noch steuerlich gemeldete Auslandsgelder anzunehmen.

Weltweit wird der Steuerbetrug zu einem politisch immer brisanteren Thema. In der vergangenen Woche hatte der frühere französische Haushaltsminister Jérôme Cahuzac eingestanden, Schwarzgeld in der Schweiz und in Singapur versteckt zu haben. Die französischen Behörden haben in dem Fall die Schweiz um Amtshilfe gebeten. Die Staatsanwaltschaft in Genf will Bankdokumente an die Ermittler aushändigen. Cahuzac soll seit 1992 ein Konto in der Schweiz unterhalten haben.

Ebenfalls in der vergangenen Woche hatte die Journalisten-Vereinigung ICIJ unter dem Titel „Offshore Leaks" umfassende Berichte über ein globales Finanzsystem veröffentlicht, das zur Steuervermeidung genutzt wurde. In dem Bericht wird die Einrichtung tausender Offshore-Firmen und Stiftungen erläutert und das geheime Finanzgebaren vermögender Personen rund um den Globus beleuchtet.

Deutsche Kontoinhaber stehen dabei besonders im Fokus, weil der Bundestag im vergangenen Jahr ein umstrittenes Steuerabkommen mit der Schweiz platzen ließ.

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