• The Wall Street Journal

Europas Börsen weiter auf Erholungskurs

    Von MICHAEL DENZIN

Weiter auf Erholungskurs gehen Europas Börsen am Dienstagnachmittag. Ein deutlich positiver Handelsstart in den USA sorgt für Erleichterung. Mittlerweile sind die meisten Titel ins Plus gedreht. Autowerte stehen noch immer unter leichtem Druck, Chip-Titel sind dagegen kräftig gesucht. Der Euro-Stoxx-50 steigt um 0,7 Prozent auf 2.766 Punkte, der Dax legt um 0,4 Prozent auf 8.319 Punkte zu.

Händler rechnen nach wie vor mit einer hohen Volatilität an den Märkten. Zu unklar sei derzeit das weitere Vorgehen der US-Notenbank. Nur der schwache ISM-Index in den USA habe diesbezüglich für etwas Entspannung gesorgt. Auch der regionale ISM-Index für New York bestätigte am Berichtstag diese Schwäche. „Die Frage ist, ob wir momentan eine kleine Korrektur sehen, bevor die Rally weitergeht. Oder ob es der Beginn einer längeren Konsolidierung ist", sagt ein Händler. Dies hänge allein davon ab, wie lange noch die US-Notenbank ihr Anleihekaufprogramm aufgrund schwacher Wirtschaftsdaten fortsetzt.

Hier machte der Präsident der regionalen Fed von Atlanta, Dennis Lockhart, den Börsianern am Montagabend Mut. Eine Drosselung des Anleihekaufvolumens stelle noch keinen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik der US-Notenbank dar, stellte Lockhart klar.

„Es sieht danach aus, dass die Schwankungen am Kapitalmarkt zunächst noch stärker werden", erwartet Julius Ridgway, Investmentberater bei Medley & Brown. „Für den Aktienmarkt sind wir längerfristig positiv, allerdings ist er auch schon stark gelaufen", ergänzt er. Investoren, deren Aktienanteil nach der Rally der vergangenen zwölf Monate gestiegen ist, rät er zu Gewinnmitnahmen. Die frei gewordene Liquidität sollte dann in Anleihen angelegt werden. Am Devisenmarkt notiert der Euro kaum verändert um 1,3070 Dollar.

Automobilaktien sind mit 0,3 Prozent Minus im Branchen-Index weiter die Hauptverlierer. Das Kraftfahrtbundesamt hat bekanntgegeben, dass die Pkw-Neuzulassungen in Deutschland in den ersten fünf Monaten um 8,8 Prozent gefallen sind. Die Aktien von Daimler und Volkswagen verlieren. Per Mai sind die Neuzulassungen sogar um 9,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr eingebrochen. „Der Rückgang ist doppelt so hoch wie erwartet", sagt ein Händler. BMW -Papiere können sich im Plus halten. Hier stützen gute Absatzzahlen in den USA. „BMW hat erstmals in diesem Jahr Mercedes sowohl in absoluten Zahlen als auch bei der prozentualen Steigerung übertroffen", sagt Heino Ruland von Ruland Research.

Halbleiterwerte sind laut Händlern gesucht, weil der Chef von STMicroelectronics den Ausblick für sein Unternehmen bestätigt hat. Der Technologiesektor legt um 0,6 Prozent zu. STM-CEO Bozotti habe in der Zeitung Le Figaro ein Auftragswachstum von 5 bis 10 Prozent in diesem Jahr in Aussicht gestellt. „Dieses Ziel hatte das Unternehmen bereits beim Capital Markets Day genannt", sagt ein Händler. Angesichts der schwierigen konjunkturellen Lage hebe die bestätigte Prognose jedoch die Stimmung. Aktien von STMicroelectronics und Infineon legen kräftig zu.

Aktien von Fluggesellschaften, so etwa Air France-KLM oder Lufthansa, werden abermals gekauft, nachdem sich der Dachverband der Fluggesellschaften, IATA, vergangene Woche überraschend positiv zu den Gewinnaussichten geäußert hatte.

Nach Veröffentlichung der Geschäftszahlen verliert die Ahold -Aktie als einziger Einzelhandelswert. Der Branchen-Index legt um 0,5 Prozent zu. Die Zahlen beinhalten für Richard Withagen, Analyst bei SNS Securities, Licht und Schatten. Der Nettogewinn sei leicht unterhalb der Erwartung ausgefallen, dagegen habe das operative US-Geschäft überzeugt. Positiv wertet er auch das Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von 2 Milliarden Euro.

BASF -Aktien geben leicht nach. Die Absätze in Asien haben sich im ersten Quartal schwächer als erwartet entwickelt. Nach Einschätzung von Equinet dürfte es sich hierbei aber nur um einen kurzfristigen Rückschlag gehandelt haben. BASF will 10 Milliarden Euro in der Region investieren. Ziel ist eine Verdoppelung der Erlöse bis 2020 auf 25 Milliarden Euro gegenüber 2012.

Nach oben geht es für die Aktie von Kabel Deutschland . Wie das Wall Street Journal Deutschland berichtet, hat der britische Mobilfunkanbieter Vodafone offenbar doch noch Interesse an Kabel Deutschland. Die Briten hätten entsprechende Übernahmepläne wiederbelebt. Mit einer Übernahme des größten deutschen Kabelnetzbetreibers könnte Vodafone seine Position im größten europäischen Markt erheblich stärken.

Die bevorstehende Neuzusammensetzung des Stoxx-50 bewegt die betroffenen Titel. Die Aktien von Glencore Xstrata und der Credit Suisse werden in den Index aufgenommen. Im Gegenzug müssen Anglo American und Hennes & Mauritz ihren Platz räumen. Dies teilte der Indexbetreiber Stoxx am Montagabend mit. Die Änderungen werden mit Handelsbeginn am 24. Juni wirksam.

Kontakt zum Autor: michael.denzin@dowjones.com

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