• The Wall Street Journal

Mieten statt kaufen - Airlines setzen auf Leasingfirmen

    Von DOUG CAMERON

Die Flugzeughersteller Airbus und Boeing können zufrieden mit der internationalen Luftfahrtmesse in Paris sein. Sie nehmen einen ganzen Packen neuer Aufträge mit nach Hause. Doch das Geschäft wandelt sich. Immer seltener kommen die Flugzeug-Order von den Fluggesellschaften. Den Airlines fehlt schlicht das Geld für Großaufträge. In die Lücke springen oft Leasingfirmen, die die Flugzeuge später an die Fluglinien vermieten.

Reuters

Viele Fluggesellschaften leasen Maschinen von Finanzunternehmen.

Der harte Wettbewerb in der Luftfahrt lässt den Airlines oft nur einen geringen finanziellen Spielraum. Hinzu kommt: Viele europäische Banken sind aus der Finanzierung von Flugzeugen ausgestiegen. Auch fließt weniger Geld aus staatlichen Exportförderprogrammen. In ihrer Not wenden sich die Fluggesellschaften an Leasingunternehmen und leasen die Flugzeuge, statt sie zu kaufen.

Leasinggeber besitzen bereits heute 40 Prozent der rund 20.000 im Westen gebauten Jets, die derzeit noch in Betrieb sind. Der Anteil hat sich damit im Laufe der vergangenen Dekade glatt verdoppelt. Bei manchen populären Modellen - wie der Boeing 737-800 - schoss die Quote auf 50 Prozent nach oben.

Airlines fliegen oft nicht einmal die Kapitalkosten rein

Der Trend bei den Flugzeugorders geht inzwischen hin zu ganzen Auftragspaketen. Diese können oft nur die Leasingfirmen mit ihrer starken Bilanzen schultern. Deswegen sind die Finanzunternehmen ganz entscheidend für das künftige Wachstum und sogar Überleben der Fluggesellschaften geworden.

Boeing schätzt, dass der Wert der ausgelieferten Jets von 95 Milliarden Dollar in diesem Jahr auf 104 Milliarden US-Dollar im Jahr 2014 klettert. Bis 2016 soll es sogar auf 132 Milliarden Dollar hinaufgehen. Solche Summen können in der Luftfahrtbranche kaum aufgebracht werden. Die Fluggesellschaften fliegen vielfach nicht einmal die eigenen Kapitalkosten wieder ein. "Der schiere Umfang macht die Rechnung für Flugzeuge so einschüchternd", bestätigt der Chef der US-Leasingfirma Aircastle, Ron Wainshal.

Derzeit warten die Airlines auf die Übergabe von mehreren hundert neuen Jets. Das bedeutet gute Geschäfte für die Leasingbranche, die sich lukrative Deals heraussucht. Sie kauft die ausgelieferten Maschinen auf und verleiht sie den Fluggesellschaften postwendend zurück, das sogenannte Sale-and-Lease-Back.

Das Leasingunternehmen Aer Cap Holdings schloss in diesem Monat den größten Sale-and-Lease-Back-Deal der Luftfahrtgeschichte ab. Dabei übernahm der Konzern die Finanzierung für einen Auftrag im Gegenwert von rund 3 Milliarden Dollar, die der größte lateinamerikanische Carrier Latam geordert hat.

Aer Cap übernimmt 10 Airbus A330 von der Airline und vermietet sie zurück. Das Gleiche soll mit 15 anderen Jets der Airline passieren, die innerhalb der kommenden vier Jahre ausgeliefert werden. Darunter sind neun Modelle des Airbus A350, der gerade erst ihren vielgefeierten Jungfernflug hinlegte, aber auch sechs 787 Dreamliner von Boeing.

Die Maschine liefert über 25 Jahre Geld

Die Übernahme von Aufträgen, die zunächst von Fluggesellschaften vergeben wurden, bietet noch einen ganz anderen Vorteil für Leasingfirmen. Vielfach gibt es eine lange Warteschlange, gerade für die begehrten neuen spritsparenden Modelle. Es dauert Monate, bis der Jet gebaut ist, und oft müssen die Aufträge Jahre vorher erteilt werden. Doch die Hersteller stellen häufig Carrier ganz vorne in die Warteschlange, weil sie mit ihnen mehr Geld verdienen. Leasingunternehmen handeln nämlich wegen ihrer Großaufträge oft höhere Rabatte aus.

Aer Cap hat mit der Übernahme großer Auftragspakete oft die Konkurrenz ausgestochen und kommt mit der Übergabe der begehrten Flieger nun früher dran, weiß CEO Angus Kelly. Mit solchen Deals hat sich das Unternehmen bereits einen Namen in der Branche gemacht. Im Jahr 2011 übernahm das Unternehmen 35 Boeing 737, die American Airlines geordert hatte, und vermietete sie zurück. Ähnlich ging Aer Cap bei fünf Airbus A330 für Singapore Airlines vor.

Leasingfirmen wie Aer Cap haben ihre Wurzeln in der Beteiligungsbranche. Der Reiz für Investoren beim Kauf eines Flugzeugs: Die Maschine liefert einen konstanten Geldfluss für rund 25 Jahre. Deswegen gelten die Leasingfirmen selbst als lukrative Investitionsobjekte. Der japanische Investor Marubeni nahm diesen Monat mehr als 200 Millionen Dollar in die Hände, um sich mit rund 15 Prozent an Aircastle zu beteiligen. Aircastle gehören mehr als 150 Jets, die von Fluglinien wie Emirates und US Airways geflogen werden.

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