• The Wall Street Journal

Volkswagen tritt beim Bentley-SUV auf der Stelle

    Von MARIETTA CAUCHI

Bentley lässt die Käufer teurer Nobelkarossen beim angekündigten sportlichen Geländewagen warten. Mehr als ein Jahr, nachdem die britische Volkswagen -Tochter ein Konzeptfahrzeug präsentiert hatte, ist die Entwicklung ins Stocken geraten und ein Produktionsstart nicht absehbar. Aus der Wolfsburger Zentrale des Mutterkonzerns kam bisher kein grünes Licht. Bentley gehört seit 1998 zu VW.

Wann kommt das luxuriöseste  SUV der Welt?

Die Briten, die auch die Royals beliefern und ihr Angebot an Luxuslimousinen und Coupés mit einem Sports Utility Vehicle abrunden wollen, spielen die Verzögerung beim Anlauf des neuen Fahrzeugtyps allerdings herunter. Zwar liege man hinter dem Zeitplan, heißt es, einen singulären Grund dafür gebe es aber nicht. Vielmehr müssten Produktionsort, Design und Kosten erst einmal sorgfältig abgewogen werden.

Tatsächlich läuft nicht alles rund bei der Entwicklung. Der Prototyp des SUV musste noch einmal überarbeitet werden, weil die erste Befragung potenzieller Käufer deutliche Änderungen am Design sinnvoll erscheinen ließ. Mit dem Ergebnis ist man im englischen Crewe aber durchaus zufrieden. „Der Stil entspricht inzwischen viel mehr dem aktuellen Erscheinungsbild von Bentley", gab sich Verkaufsdirektor Kevin Rose bei einer Pressekonferenz optimistisch.

Als großer Knackpunkt für einen Produktionsstart erweist sich inzwischen allerdings die Standortfrage. Es geht um das äußerst sensible Thema, in welchem Werk die zusätzlichen Arbeitsplätze entstehen sollen. Das bestätigt Tony Murphy von der britischen Gewerkschaft Unite, die 2.500 der 4.000 Arbeiter in der britischen Bentley-Fabrik südlich von Manchester vertritt: „Wo das SUV vom Band läuft, ist die größte Streitfrage."

Für Murphy ist die Antwort klar, er trommelt für das britische Werk. Am VW-Standort in der slowakischen Hauptstadt Bratislava, wo mit dem VW Tuareg und dem Audi Q7 die großen sportlichen Geländewagen des Konzerns montiert und die Karosserien des Porsche Cayenne produziert werden, sei man nicht sonderlich erpicht auf die Fertigung des geplanten Bentley, sagt er. Zu niedrig seien die Stückzahlen mit einigen tausend Fahrzeugen jedes Jahr. Die notwendigen Anpassungen für die Fabrik hingegen seien gewaltig.

Slowakische Gewerkschaftsvertreter lassen kein gutes Haar an der Argumentation des britischen Kollegen. „Wir sind uns bewusst, dass Bratislava in der engeren Auswahl für dieses Bentley-Modell ist. Unsere Beschäftigten werden ihr Bestes geben, sofern sie den Zuschlag bekommen", erwidert der Gewerkschaftschef für Volkswagen Slowakei, Zoroslav Smolinsky.

Die Edelmarke Bentley ist ein kleiner, aber wichtiger Baustein im Wachstumsplan des Volkwagen-Konzerns. Bis 2018 soll sich die Produktion auf rund 15.000 Stück jährlich fast verdoppeln. Volkswagen ist der umsatzstärkste Autobauer Europas und will in fünf Jahren den Rivalen General Motors und Toyota auch die weltweite Spitzenposition streitig machen.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Panorama

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 24. April

    Kleingedruckte Rezepte auf Sri Lanka, ein kleiner Eisbär in St. Petersburg, eine brenzlige Lage im Osten der Ukraine und ein tief gefallener Bernie Ecclestone in München. Das und noch mehr steckt diesmal in unseren Bildern des Tages.

  • [image]

    Wo Europas Schuldenberge am höchsten sind

    Trotz Fiskalpakt: Die Haushaltsdefizite und die Staatsschulden in der Europäischen Union bleiben hoch. Vor allem die Spanne zwischen den finanziellen Musterschülern und den Haushaltssündern ist beträchtlich.

  • [image]

    Die Auto-Neuheiten aus China

    Der chinesische Automarkt gilt als schwierig - aber auch als lukrativ. Im Jahr des Pferdes versuchen die Autobauer mit limitierten Editionen und protzigen Modellen, die Käufer zu umgarnen. Wir zeigen Ihnen die Neuheiten der Automesse in Peking.

  • [image]

    Panini-Sticker: Höhepunkte aus 40 Jahren

    Zur Weltmeisterschaft im eigenen Land kamen 1974 die ersten Panini-Klebebilder in Deutschland auf den Markt, inzwischen haben sie Kultstatus. Ein Rückblick auf 40 Jahre Fußballgeschichte.

  • [image]

    Diese Länder sind die Wachstums-Stars

    Die Weltwirtschaft gewinnt weiter an Schwung. Wachstums-Impulse kommen aus den Industrieländern, auch aus Europa. Die höchsten Wachstumsraten sitzen aber woanders. Wir zeigen Ihnen, wo die Wirtschaft am stärksten boomt.

  • [image]

    Die bestverdienenden Bankenchefs der Welt

    Das vergangene Jahr hat sich für die Chefs der internationalen Großbanken wieder gelohnt. Doch auch in der Liga der Großverdiener gibt es deutliche Klassenunterschiede. Wir haben aufgelistet, wer wie viel erhalten hat.

Erwähnte Unternehmen