• The Wall Street Journal

Tech-Gründer werden älter

    Von JESSICA E. LESSIN

Im Silicon Valley tummeln sich nach wie vor die jungen Wunderkinder. Letzter Beweis: Der Suchmaschinengigant Yahoo hat die App-Firma Summly des 17-jährigen Nick D'Aloisio gekauft. Doch das Durchschnittsalter der Firmengründer im Tech-Mekka, die von Risikokapitalfonds unterstützt werden, steigt.

Nach Angaben des Startkapitalfonds Y Combinator aus Mountain View im Silicon Valley liegt das Durchschnittsalter seiner zurzeit 112 geförderten Unternehmensgründer bei 28. Vor zwei Jahren habe es noch bei rund 26 Jahren gelegen.

Der Startup-Inkubator Founders Institute, auch aus Mountain View, sagt, das Durchschnittsalter der 330 unterstützten Gründer liege bei 35. Beim Start von Founders im Jahr 2009 habe es noch bei 29 gelegen. Beim US-weit operierenden Inkubator Techstars spricht man von einem Altersdurchschnitt von 32, vor einigen Jahren seien es noch 25 Jahre gewesen.

Die Investoren vermuten, dass ein Wandel in der Vorstellung vom Unternehmertum der Grund ist. Früher wollten „ältere Leute mit Hypotheken kein Start-up gründen, weil es als zu riskant angesehen wurde", sagt Jessica Livingston, Mitgründerin von Y Combinator. Jetzt sei es einfacher für die Gründer, Unterstützung zu bekommen. Außerdem kündigen immer mehr Leute Jobs bei Konzernen, um ein Tech-Start-up ins Leben zu rufen – was dafür sorge, dass die Praxis sozial stärker akzeptiert sei.

Garry Tan

Die Gründer von Airbnb sprechen beim Kapitalgeber Y Combinator.

Doch manche talentierte Teenager erregen nach wie vor viel Aufsehen. So wie Nick D'Aloisio von Summly. Oder Sahil Lavingia, der im vergangenen Jahr mit 19 Jahren mehr als 8 Millionen US-Dollar für einen E-Commerce-Dienst namens Gumroad eintrieb.

Im Silicon Valley haben junge Gründer Tradition. Steve Jobs war 21, als er Apple mit anderen gründete. Larry Page und Sergey Brin von Google waren 25 Jahre alt, als sie die Suchmaschine im Jahr 1998 gründeten. Das Durchschnittsalter der Gründer der zehn wertvollsten jemals von Y Combinator geförderten Firmen – darunter Dropbox, Airbnb und Heroku – liegt bei 24.

Marc Andreessen hat den Browserbetreiber Netscape in seinen 20ern gegründet. Er glaubt, dass junge Gründer „furchtlos aus Ignoranz" sind, weil sie noch keine schlechten Erfahrungen gemacht haben. Seine Risikokapitalfirma Andreessen Horowitz aber achte nicht aufs Alter.

Jonathan Downey hat Airware gegründet. Der Hersteller von Dronen-Software wird von Y Combinator unterstützt. Downey sagt, er habe die grobe Idee für die Firma vor seinem Abschluss beim Massachusetts Institute of Technology im Jahr 2006 gehabt. Aber mit all seiner Zeit widme er sich erst seit 2011 der Firma, als er 27 war und schon eine Zeit beim Flugzeughersteller Boeing gearbeitet hatte. Verschiedene Erfahrungen vor der Gründung zu machen, sei sinnvoll, sagt Downey, der jetzt 29 Jahre alt ist.

Das Alter der Gründer steige nicht nur in den USA, sondern weltweit, sagt Adeo Ressi vom Founder Institute. Allerdings sei der Durchschnitt in Asien nach wie vor besonders jung. Ressi meint, dass die Regierungen in Programme investieren sollten, die Leute dabei unterstützen, vom Angestellten zum Gründer zu werden. Darauf zu hoffen, dass junge, innovative Gründer aus dem Nichts auftauchen, sei „unrealistisch".

Im Vergleich zu früheren Jahrzehnten, wo die Tech-Industrie eher Produkte für große Firmen denn für den Endkonsumenten herstellte, sei das Durchschnittsalter von Unternehmensgründern aber immer noch niedrig, sagen Kapitalgeber. Denn bei solchen Produkten für Geschäftskunden seien die Barrieren höher, so dass die Risikokapitalgeber sich eher auf erfahrene Firmengründer verlassen.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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