• The Wall Street Journal

Die Eurozone geht im Währungskrieg ein hohes Risiko

    Von RICHARD BARLEY

Wer sich in Währungskriegen gegen das Kämpfen entscheidet, gerät trotzdem schnell in die Schusslinie.

Man nehme den Euro: Am Mittwoch stieg die Gemeinschaftswährung im Vergleich zum US-Dollar auf mehr als 1,35 Dollar. Der Wechselkurs war damit so hoch wie seit 14 Monaten nicht. Während die Federal Reserve in den USA und die Bank of Japan weiter fleißig Geld drucken und damit ihre Währungen schwächen, scheint sich die Europäische Zentralbank in die Gegenrichtung zu bewegen. Das spricht für einen noch stärkeren Euro – zumindest so lange, bis sich wieder Sorgen über das Wachstum in der Eurozone breit machen.

Diese Männer fluten die Welt mit Geld

Für den Anstieg des Euro von seinen Tiefständen im Juli 2012 bei nur noch rund 1,20 Dollar gibt es gute Gründe. Die meisten haben mit der EZB zu tun. Der wichtigste Faktor ist die Intervention der Notenbank in der Staatsschuldenkrise und die anschließende Rally spanischer und italienischer Staatsanleihen, die das Risiko der Währung verringerten.

Ende vergangener Woche diente die Meldung, dass europäische Banken 137 Milliarden Euro an Langfrist-Krediten der EZB zurückzahlen würden, als Katalysator für einen weiteren Euro-Anstieg. Die Bilanz der EZB schrumpft dadurch, während die Notenbank-Bilanzen überall sonst auf der Welt weiter kräftig wachsen.

EZB kämpft als einzige ernsthaft gegen Inflation

Die Rückzahlungen zeigen, dass die außergewöhnlichen geldpolitischen Maßnahmen der EZB einen Ausstiegsmechanismus enthalten, der deutlich leichter in Gang gesetzt werden kann als beim Quantitative Easing der Fed, der Bank of Japan oder der Bank of England. Und noch ein weiterer Grund stärkt die Zuversicht der Anleger in den Euro: Die Bank of Japan hat jüngst ihr Inflationsziel angehoben, die Fed hat sich festgelegt, so lange Anleihen zu kaufen, bis die Arbeitslosigkeit sinkt, und in Großbritannien gibt es eine intensive Debatte über die künftige Ausrichtung der Bank of England. In diesem Umfeld scheint die EZB als einzige Notenbank noch ernsthaft gegen die Inflation zu kämpfen.

[image]

Die Rally beim Euro hat bereits erste Politiker aufgeschreckt, die wirtschaftliche Probleme aufziehen sehen. Die EZB selbst wirkt bisher sehr entspannt. Handelsgewichtet liegt der Euro zwar auch auf dem höchsten Stand seit 13 Monaten, aber immer noch unter seinem Durchschnittskurs der vergangenen zehn Jahre. Die BNP Paribas sieht den fairen Wert des Euro bei 1,32 Dollar. Das bedeutet, er wäre nur leicht überbewertet. Der Anstieg des handelsgewichteten Euro-Durchschnittskurs im bisherigen Jahresverlauf koste die Eurozone lediglich 0,2 Prozentpunkte Wachstum, schätzen die Analysten der Société Générale .

Das Problem der Eurozone liegt – wie bei der Geldpolitik – darin, dass ein Eurokurs nicht allen Mitgliedern gleich gut passt. Einige Euroländer müssen ihre Leistungsbilanz dringend in Richtung Export verlagern, wobei der starke Euro ihnen dabei kaum von Nutzen sein dürfte. Jedes Land hat hier seine eigene Schmerzgrenze für den Wechselkurs.

Schmerzgrenze für Italien und Frankreich erreicht

In Zeiten, da die globale Nachfrage nach den Exportgütern aus der Eurozone mau ist und die Preise dieser Waren eine größere Rolle spielen als etwa in Boomzeiten, dürfte die Schmerzgrenze für Frankreich und Italien wegen ihrer geringen Wettbewerbsfähigkeit und Flexibilität bei 1,22 Dollar und 1,16 Dollar liegen, schätzt die Deutsche Bank .

Allerdings dürfte es schwer werden, den Anstieg des Wechselkurses zu stoppen. Der offensichtlichste Weg hierzu, eine Zinssenkung, würde den Einlagezins der EZB in den negative Bereich drücken, was mit Deutschland kaum zu machen sein dürfte.

So bleibt als wahrscheinlichster Auslöser für eine erneute Abschwächung des Euro tatsächlich ein Wachstumsknick als Folge der aktuellen Euro-Aufwertung. Wenn es dazu käme, könnte dass die Krisentemperatur in der Eurozone einmal mehr steigen lassen.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Peking Auto Show 2014

  • Exklusiv für Abonennten Preview lesen

    [image]

    Die Auto-Neuheiten aus China

    Der chinesische Automarkt gilt als schwierig. Im Jahr des Pferdes versuchen die Autobauer aber mit besonderen und limitierten Editionen, sowie mit neuen Modellen den Markt weiter zu erobern. Wir zeigen Ihnen die Neuheiten der Automesse in Peking.

  • [image]

    Panini-Sticker: Höhepunkte aus 40 Jahren

    Zur Weltmeisterschaft im eigenen Land kamen 1974 die ersten Panini-Klebebilder in Deutschland auf den Markt, inzwischen haben sie Kultstatus. Ein Rückblick auf 40 Jahre Fußballgeschichte.

  • [image]

    Australische Villa im Zeichen des Drachens

    Feurig kommt dieses Luxusanwesen im australischen Melbourne daher: Auf dem Dach wacht ein mächtiger Terrakotta-Drache und im Haus lodern Dutzende Kaminfeuer. Die Ausstattung mit Tennisplatz, Pool und ausgiebigen Ländereien lässt es jedem Australien-Fan warm ums Herz werden.

  • [image]

    Alt, neu, kurios und nicht chancenlos – Parteien zur Europawahl

    In Deutschland sind 25 Parteien zur Europawahl zugelassen. Neben den etablierten Bundestagsparteien können sich die Wähler für eine Menge kurioser Alternativen entscheiden – von der Christlichen Mitte bis zur Bayernpartei. Da die 3-Prozent-Hürde gefallen ist, haben die Kleinen sogar eine Chance.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 15. April

    Wilde Tulpen in Afghanistan, Wasserfontänen in China, der Vollmond über Schanghai und Ordensbrüder mit wunden Füßen in Spanien. Das und mehr zeigen unsere Fotos des Tages.

  • [image]

    Die furchterregendste Gondelfahrt der Welt

    Was Besuchern den Angstschweiß auf die Stirn treibt, ist für die Einwohner der georgischen Stadt Tschiatura Alltag. Die Seilbahnen aus der Stalin-Zeit an den Hängen des Kaukasus fahren trotz Rost noch immer.

  • [image]

    Diese Länder sind die Wachstums-Stars

    Die Weltwirtschaft gewinnt weiter an Schwung. Wachstums-Impulse kommen aus den Industrieländern, auch aus Europa. Die höchsten Wachstumsraten sitzen aber woanders. Wir zeigen Ihnen, wo die Wirtschaft am stärksten boomt.

  • [image]

    Wie sich die Nasdaq seit dem Tech-Crash verändert hat

    Vor gut 14 Jahren begann in den USA die Tech-Blase zu platzen. Jetzt bewegt sich der Nasdaq Composite wieder auf dem Niveau von damals. Ist das ein Grund zur Sorge? Wir zeigen, was sich seitdem an der Nasdaq verändert hat und was das für Anleger heute bedeutet.

  • [image]

    Die bestverdienenden Bankenchefs der Welt

    Das vergangene Jahr hat sich für die Chefs der internationalen Großbanken wieder gelohnt. Doch auch in der Liga der Großverdiener gibt es deutliche Klassenunterschiede. Wir haben aufgelistet, wer wie viel erhalten hat.

Erwähnte Unternehmen