• The Wall Street Journal

Das neue Office von Microsoft lässt sich mieten

    Von SHIRA OVIDE
dapd

Microsoft-Chef Steve Ballmer bei der Präsentation von Office 365 2011. Inzwischen können auch Privatkunden Office mieten statt kaufen.

Microsoft will herauszufinden, ob Privatkunden Software auch nach dem Kabelfernseh-Modell kaufen. Seit Dienstag bietet das Unternehmen die neue Version des beliebten Office-Pakets erstmals auch in einer Version an, die sich mieten lässt. Damit ähnelt dem Modell einem Kabelvertrag oder dem Abo-Modell von Filmportalen wie Netflix in den USA oder Watchever in Deutschland.

Microsoft versucht eine möglichst große Zahl von Kunden dazu zu bringen, das Abo-Modell zu wählen, das der Konzern Office 365 nennt. Das Office-Paket zur Miete kostet für Privatanwender 99 Euro jährlich im Voraus. Sonderangebote gibt es außerdem für Kunden, die Office mit einem neuen PC erwerben.

Beim Kauf gibt es Office ab 139 Euro

Bis jetzt mussten die Kunden ein Mal zahlen, um eine Kopie von Microsoft Office auf der Festplatte des PCs zu installieren. Auch diese Option gibt es noch: Die günstigste Version von Office 2013, genannt Home & Student, bietet Word, Excel, Powerpoint und das Notizprogramm Onenote für einmalig 139 Euro. Für den kommerziellen Gebrauch ist Home & Business für 269 Euro gedacht, das zusätzlich Outlook enthält. Das volle Paket samt Access und Publisher kostet den Anwender in der Professional-Variante 539 Euro.

Die Kunden der Mietversion bekommen dagegen etwa alle drei Monate neue Funktionen und eine Aktualisierung der Software. Darüber hinaus profitieren die Nutzer von Office 365 durch mehr Online-Speicher und ein kostenloses Guthaben beim hauseigenen für Telefoniedienst Skype. Der Zugriff auf Office-Dateien mittels Webbrowser steht allen Käufern zur Verfügung.

Microsoft muss sich umstellen

In einem Interview vom Dienstag sagte Microsoft-Chef Steve Ballmer, dass Office 365 eine Innovation und eine Veränderung des Geschäftsmodells von Microsoft darstelle. Für das Unternehmen ist Office eine Wette auf ein bislang noch nicht erprobtes Verkaufsmodell seiner größten Gewinnmaschine. Zunehmend wird Microsofts Software durch Webdienste wie Googles Gmail oder Google Docs Konkurrenz gemacht. Auch kostenlose und kostenpflichtige Cloud-Dienste zum Speichern von Dateien wie Dropbox und iCloud von Apple haben an Zugkraft gewonnen. Diese Dienste werden ebenfalls fortlaufend durch neue Funktionen und Fehlerkorrekturen aktualisiert.

Laut Ballmer benötigte das Abo-Modell von Office Änderungen bei der Strategie, bei der Programmierung und unter den Mitarbeitern, die es bislang gewohnt waren, eine neue Office-Version etwa alle drei Jahre zu veröffentlichen. „Wir etablieren einenneuen Rhythmus in unserem Office-Team", sagte er. „Das ist ein großer kultureller Wandel."

Mitarbeiter von Xbox und Bing halfen

Um dem Office-Team bei den regelmäßigen Aktualisierungen zu helfen, holte sich die Abteilung Mitarbeiter aus anderen Bereichen wie Xbox Live und der Suchmaschine Bing. Beide sind es gewohnt, das eigene Produkt regelmäßig zu aktualisieren, sagte Microsoft. Am Ende jedes Arbeitstages präsentierte das Office-Team dem Leiter der Sparte, Kurt DelBene, eine leicht veränderte Version der Software.

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Laut Microsoft wird die Mietversion von Office deutlich häufiger Nutzerfeedback einholen, um das Produkt zu verbessern. So hätten beispielsweise Daten der Testversion von Office 365 gezeigt, dass die Nutzer verzweifelt herum geklickt haben, wenn sie Dokumente teilen wollten. Die Programmierer hätten daher schnell die Programmsymbole verändert und dabei die Umrisse von Leuten gezeigt, die Dokumente teilen. Für private Dokumente wurde ein Schloss-Icon eingeführt. „Zuvor hat so ein Prozess Jahre gedauert, heute dauert er Tage", sagte Jeff Teper, Corperate Vice President der Office-Sparte.

Schon 2011 hat Microsoft damit begonnen, Office 365 an Unternehmen zu verkaufen, die Office nutzten. Vergangenen Sommer kündigte Microsoft an, dass die neue Version von Office von allen Nutzern gemietet werden kann. Seit Dienstag ist Office 365 auch für Privatnutzer verfügbar. Das neue Mietmodell ist langfristig betrachtet für die Kunden allerdings teurer. Ein Privatnutzer, der sich Office Home & Student kauft und es auf einem privat genutzt PC vier Jahre lang nutzt, zahlt 139 Euro. Würde er Office für diese zeit mieten, müsste er ganze 400 Euro zahlen.

Microsoft verweist darauf, dass die Kunden durch das Mietmodell die jeweils neuesten Funktionen erhalten und es für Familien, die mehrere PCs besitzen, günstiger sein kann. Das Abo-Modell erlaubt die Installation von Office auf bis zu fünf Computern oder anderen Geräten wie Tablets. Auf Mobilgeräten, auf denen Apples iOS oder Googles Android läuft, ist aber nur eine eingeschränkte Web-Version von Office verfügbar.

Microsoft wartet ab

Office-Chef DelBene sagte, Microsoft nehme eine abwartende Haltung beim Abo-Modell ein, fügte aber hinzu, dass das Unternehmen gehört habe, dass viele Nutzer es bevorzugen würden. „Letztlich werden wir vermutlich da landen, dass die meisten unserer Nutzer das Abo-Modell wählen", sagt er.

Für Kunden, die Office 2013 in der klassischen Version kaufen, bietet die Software neue Funktionen wie ein neues Design, das für Touchscreens angepasst ist, auf die Microsoft mit dem neuen Betriebssystem Windows 8 zielt. Außerdem ist es mit Office 2013 einfacher, einen Videochat mittels Sykpe zu starten oder Dokumente via Yammer zu teilen. Yammer ist ein soziales Netzwerk für Unternehmen, das Microsoft im vergangenen Jahr für 1,2 Milliarden Dollar übernommen hat.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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