• The Wall Street Journal

Rebellen in Mali verlieren Unterstützung der Bevölkerung

    Von DREW HINSHAW

DIABALI – Der Plan der islamistischen Rebellenin Mali scheint nicht aufzugehen. Die Gruppe, die sich al-Qaida im Maghreb oder kurz Aqim nennt, wollte in dem Wüstenstaat eine Basis aufbauen, um von dort ihren Dschihad in Afrika zu koordinieren. Doch die örtliche Bevölkerung spielt nicht mit. Anstatt zu den Kämpfern überzulaufen, haben die Bewohner der von den Rebellen eroberten und inzwischen wieder verlassenen Städte die Nase von den Islamisten gestrichen voll.

Agence France-Presse/Getty Images

Malische Soldaten nahmen am Dienstag in Timbuktu einen Mann fest, der im Verdacht steht, ein militanter Islamist zu sein. Die Stadt war monatelang in der Hand von Rebellen.

In den Tagen, bevor französische Panzer die Rebellen aus der Stadt Diabali in Zentralmali jagten, hätten diese Gemüse verteilt und islamische Werte gepredigt, berichten Bewohner. Doch andere bewaffnete Männer kamen ihnen bei ihrem Versuch, Glaubensanhänger zu gewinnen, in die Quere. Sie plünderten Geschäfte, stahlen Schafe und schnupften Kokain. „Sie sprachen mit uns über den Islam, aber es war klar, dass sie Banditen sind", sagte Traore Daouda, ein Metzger aus der kleinen Garnisonsstadt.

In anderen Städten, die die Gruppe und ihre Verbündeten monatelang besetzt hielten, mussten die Bewohner Schlimmeres aushalten. In Gao kam es laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch und der malischen Human Rights Association zu massenhaften Vergewaltigungen.

Seit Jahren rekrutiert Aqim Bewohner verarmter Wüstendörfer. Die Gruppe versucht, afrikanische und arabische Kämpfer zusammenzubringen, um in der Wüstenregion eine Hochburg zu errichten. Nun, da die Rebellen vor den Angriffen der Franzosen fliehen, könnten sie Schwierigkeiten haben, sich wieder in Dörfern oder Wüstenlagern einzurichten, geschweige denn ihre Kämpfer zusammenzuhalten. Unter ihnen sind einheimische Jugendliche, Kämpfer aus den Nachbarländern, Dschihadisten von anderen Kontinenten und verschleierte Tuareg-Söldner, die in der riesigen Sahara umherwandern.

Timbuktu – eine afrikanische Schatzkiste

Aqim hat seine Wurzeln in Algerien und rühmt sich seiner Rebellen, die nicht nur aus Mali und Niger kommen, sondern sogar aus Pakistan. Sie hätten sich mit Hilfe von Dolmetschern unterhalten, berichteten Bewohner der bis vor kurzem besetzten Städte. „Sie waren schwarz, weiß – alles war dabei", sagte Isaa Diakaté, ein Automechaniker aus Diabali.

Als die Rebellen im vergangenen Jahr in Gao eintrafen, begegneten ihnen einige Bewohner zunächst mit Wohlwollen, weil sie den Plünderungen ein Ende setzten. In der Region herrschte Chaos, nachdem Kämpfer der Tuareg bewaffnet und ausgebildet aus Libyen zurückgekehrt waren und sich verstärkt bemühten, ihren eigenen Staat in der Sahara aufzubauen.

Nachdem bei einem Putsch in März die malische Regierung gestürzt worden war und die Armee praktisch handlungsunfähig war, eröffnete die politische Unsicherheit islamistischen Rebellen die Möglichkeit, sich im Norden des Landes auszubreiten. Sie besetzten Städte und führten islamische Gesetze ein, nach denen Amputationen und Hinrichtungen erlaubt waren, Musik wurde verboten. In Timbuktu zerstörten sie jahrhundertealte Schreine, die zu den ältesten Kulturdenkmälern in Afrika gehörten.

Mali - ein Staat scheitert

Während die westafrikanischen Nachbarn darüber diskutierten, wie man am besten gegen die Rebellen vorgehen könnte und die USA und andere Staaten überlegten, wie groß die Bedrohung war, flohen hunderttausende Menschen aus dem Norden des Landes. Am 10. Januar machten sich die Aqim und ihre Verbündeten nach Diabali auf, eine etwa 400 Kilometer von der Hauptstadt Bamako entfernte Stadt. Daraufhin wuchsen international die Sorgen, dass die Gruppen auch den Süden, der bis dahin von der Regierung kontrolliert wurde, einnehmen könnten. Das führte dazu, dass Frankreich 2.500 Soldaten nach Mali schickte. In den vergangenen zwei Wochen gelang es ihnen, unzählige Dörfer zurückzuerobern.

Am Montag kamen sie in Timbuktu an, der wichtigsten Stadt der Rebellen in der Sahara. Bisher wurde sie von Ansar Dine, einer mit al-Qaida verbündeten Gruppe kontrolliert, die sich vor kurzem geteilt hat – wie es aussieht als Reaktion auf die Angriffe Frankreichs. Die Tuareg-Kämpfer von Ansar Dine haben nun ihre eigene Miliz gegründet und um Friedensgespräche gebeten. Noch hat die malische Regierung darauf nicht geantwortet.

Die Bewohner der Dorfes Konna lebten eine Woche unter der Herrschaft von Ansar Dine, bevor die Rebellen flohen. Anders als die Mitglieder von Aqim hätten sie nicht versucht, die Bewohner zu ihrem Glauben zu bekehren, sagen die Dorfbewohner. Stattdessen hätten sie mehrere Geschäfte geplündert und unter anderem Kühlschränke gestohlen. Als Binkou Cissé an einem Nachmittag nach Hause kam, lagerte ein Dutzend bärtiger, bewaffneter Tuareg in ihrem Hof. Als sie gingen, fehlten Teetassen und andere Küchenutensilien. Außerdem hatten sie die Ente der Frau verspeist.

Der Aufstieg und Rückzug der militanten Islamisten in Mali ähnelt der Entwicklung in Afghanistan. Dort unterstützten viele Einheimische die Taliban zunächst als Gruppe, die für Recht und Ordnung sorgte. Das änderte sich, als die Angriffe von al-Qaida gegen die USA zum Krieg in Afghanistan führten. Ähnlich war es in Somalia. Nachdem die lokalen al-Shabaab-Rebellen bei einem Bombenanschlag im ugandischen Kampala 89 Menschen getötet hatten, wuchs der Unmut im Land gegen sie.

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