• The Wall Street Journal

US-Notenbank lässt die Geldschleusen offen

    Von ANDREAS PLECKO

Die US-Notenbank hält ihre Geldschleusen offen. Im Dezember hatten die Währungshüter entschieden, jeden Monat für 45 Milliarden US-Dollar Staatsanleihen zu kaufen, bis die Arbeitslosenquote unter 6,5 Prozent sinkt. Derzeit liegt sie bei 7,8 Prozent. Die Notenbank will das Fluten der Märkte nur aussetzen, wenn die Inflation 2,5 Prozent erreicht. Im Dezember lag das von der Federal Reserve bevorzugte Preismaß aber nur bei 1,4 Prozent. Die Geldpolitiker um den Fed-Vorsitzenden Ben Bernanke beschlossen nun in ihrer ersten Sitzung in diesem Jahr, den damals eingeschlagenen Weg fortzusetzen.

Im Kampf gegen die Finanz- und Wirtschaftskrise hatte die Fed die Notenpresse bereits in den Jahren 2009 und 2010 angeworfen und in mittlerweile drei Runden die Geldmenge in großem Stil ausgeweitet. Die Zentralbankbilanz hat im Januar den Rekordwert von 3 Billionen Dollar erreicht.

dapd

US-Notenbankchef Ben Bernanke.

Die US-Zentralbank will auch weiter mit Immobilien besicherte Anleihen der staatlichen Hypothekenfinanzierer kaufen und dafür monatlich 40 Milliarden Dollar ausgeben. Der Offenmarktausschuss (FOMC), der über die Geldpolitik entscheidet, beließ den Leitzins auf dem Rekordtief von null bis 0,25 Prozent.

Ökonomen und Börsianer hatten diese Entscheidung in ihrer großen Mehrheit erwartet. Gegen den Beschluss stimmte die Präsidentin der Reserve Bank von Kansas City, Esther George. Sie war besorgt, dass die "anhaltend lockere Geldpolitik die Risiken für künftige Ungleichgewichte vergrößert". Im Vorfeld hatten sich Beobachter unsicher gezeigt, wie George abstimmen würde.

Rotation der regionalen Fed-Präsidenten

Zu Jahresbeginn hat es turnusgemäß eine Rotation der regionalen Fed-Präsidenten gegeben, womit der "Superfalke" Jeffrey Lacker sein Stimmrecht verlor. Im vergangenen Jahr hatte der Präsident der Richmond-Fed beständig gegen zusätzliche Anleihenkäufe und gegen das Zinsversprechen gestimmt. "Falken" werden jene Notenbanker genannt, denen der Kampf gegen die Inflation über alles geht und die deshalb tendenziell zu einer straffen Geldpolitik neigen, "Tauben" neigen eher zu lockerer Politik, um das Wachstum anzutreiben.

An den Märkten wird derzeit die Frage heiß debattiert, wie lange die US-Zentralbank noch Staatsanleihen kaufen wird, nachdem ein Sitzungsprotokoll offen gelegt hatte, dass einige Währungshüter das neue Kaufprogramm schon Ende 2013 beenden wollen. Alle Aussagen oder Andeutungen zu den Anleihekäufen treffen bei den Investoren einen Nerv, weil der Anleihenmarkt eine fulminante Rally hingelegt hat und damit anfällig für Korrekturen ist, was unter Umständen auch zu einem "finanziellen Blutbad" führen könnte.

An den Finanzmärkten löste die Veröffentlichung der FOMC-Aussagen keine größeren Reaktionen aus.

Krise noch nicht ganz überwunden

Die US-Wirtschaft hat die schwerste Krise seit Jahrzehnten immer noch nicht ganz überwunden, wie neue Daten am Nachmittag zeigten. Im Schlussquartal 2012 war die größte Volkswirtschaft der Welt überraschend geschrumpft, wenn auch nur leicht. Ökonomen hatten aber ein Wachstum von 1,0 Prozent erwartet. Für die US-Währungshüter dürfte das eine Enttäuschung gewesen sein, weil es zeigt, dass die Wirtschaft immer noch auf ihre Hilfe angewiesen ist.

In dem Begleittext der Fed hieß es, dass "die Wirtschaft in den jüngsten Monaten eine Pause eingelegt hat", hauptsächlich wegen des Hurrikans Sandy und der Furcht vor der Fiskalklippe, die die Betriebe und den Staat veranlasste, geplante Ausgaben zunächst aufzuschieben. Die Währungshüter rechnen aber damit, dass die Wirtschaft zum Wachstum zurückkehrt und dass der Arbeitsmarkt sich erholt.

Kontakt zum Autor: andreas.plecko@dowjones.com

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